Kritische Töne von der Polizei-Gewerkschaft

Fünf neue Stellen für Verwaltung der Polizei

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Lüdenscheid - Der Erlass des NRW-Innenministeriums zur Kräfteverteilung bei der Polizei schlägt Wellen bis in die hiesige Kreispolizeibehörde. Während deren Führung von einem „leichten Minus“ für den Stellenplan der Polizisten spricht, im Gegenzug aber fünf Neueinstellungen für die Verwaltung erwartet, sieht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Entwicklung kritisch.

Die Maßnahmen würden erlittene Stellenverluste längst nicht kompensieren, sagt der stellvertretende GdP-Kreisvorsitzende Andreas Barnewitz. Polizei-Pressesprecher Marcel Dilling sagt, der Bürger werde von anstehenden Umstrukturierungen „nichts merken“. Es werde kein Streifenwagen weniger auf der Straße unterwegs sein, „keine Wache wird geschlossen“.

Ein Kräfteminus durch Versetzungen von Polizisten in andere Behörden oder in den Ruhestand solle durch neue Tarifbeschäftigte aufgefangen werden. Die Kreis-GdP macht eine andere Rechnung auf. Wie deren Vize Andreas Barnewitz sagt, habe es seit 2014 ein Minus von 13 Planstellen für Polizeibeamte gegeben.

Im Vergleich zu 2001 habe die Polizei heute sogar 55 Polizisten weniger. „Das entspricht der Besetzungsstärke der Wache in Lüdenscheid.“ Die Verluste sind nach GdP-Einschätzung auch die Folge der Tatsache, dass immer mehr Frauen in den Polizeidienst gehen – kreisweit waren es 2001 noch zwei, heute laut Barnewitz mehr als 170.

Diesen Umstand befürwortet die Gewerkschaft prinzipiell. Für den Wach- und Wechseldienst aber hat das weit reichende Folgen. Denn sobald eine Beamtin schwanger wird, kommt sie für den anstrengenden Außendienst nicht mehr in Frage – und fällt aus. Ihre Planstelle aber wird „nicht runtergezählt“, sagt Andreas Barnewitz.

Die Ankündigung der neuen schwarz-gelben Landesregierung, die Polizei stärken zu wollen, bewertet die Kreis-GdP noch vorsichtig. „Wann genau die fünf Tarifbeschäftigten kommen, ist noch nicht klar. Und sie werden sicher eine Entlastung sein, aber nicht im Wach- und Wechseldienst.“

Dass die Streifendienste weiter laufen, sei oft nur mit vielen Überstunden der Kollegen zu leisten. Anwärter, die ab 1. September zu Polizisten ausgebildet werden, würden erst in drei Jahren zur Verfügung stehen.

Doch er müsse die neue Landesregierung auch in Schutz nehmen, sagt der GdP-Vize. „Sie hat einen wahren Scherbenhaufen geerbt.“ NRW-Innenminister Herbert Reul müsse sich „an dem messen lassen, was er in den nächsten Jahren umsetzt“.

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