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Evergreen oder "One Hit Wonder"? Bautz-Zukunft noch völlig ungewiss

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Von: Willy Finke

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Nachts entfaltete das Bautz-Festival auch optisch seinen vollen Reiz. © David & Goliath

Lüdenscheid - Wird das Bautz-Festival im Lüdenscheider Nattenberg-Stadion zum Evergreen oder bleibt es ein One Hit Wonder? Das ist zurzeit noch völlig offen. Die Macher von Onkel Willi & Söhne drängen auf ein schnelles "Go!" aus dem Rathaus. Doch dort will man erst einmal Zahlen sehen.

„Wenn es wirklich bis November dauert, bis die LSM über eine Neuauflage von Bautz entscheidet, dann ist das für alle Beteiligten eine Katastrophe. Dann müssen wir als Verein Willi & Söhne ernsthaft darüber nachdenken, ob wir weitermachen!“ Matthias Czech, einer der Organisatoren des Bautz-Festivals, schlägt Alarm.

Das Bautz-Festival am vergangenen Wochenende war von der Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH (LSM) gemeinsam mit dem Verein Onkel Willi & Söhne organisiert worden. Es wurde zu einem Riesenerfolg mit insgesamt etwa 20 000 Zuschauern. Zur Durchführung hatte eine Finanzspritze der Sparkasse in Höhe von 50 000 Euro beigetragen.

Macher "zutiefst beunruhigt"

Doch nun sind Czech und sein Co-Organisatoren Linus Wortmann, Phillip Nieland  und Gregor Biedrzycki  zutiefst beunruhigt: „Als wir in den LN gelesen haben, dass Bürgermeister Dzewas eine Entscheidung über eine Bautz-Fortsetzung erst für eine Sitzung des LSM-Aufsichtsrates im November ankündigt, waren wir schockiert. Dann ist alles längst viel zu spät! Wir brauchen jetzt ganz schnelle Entscheidungen. Die Zeit rennt uns davon.“

Nieland weiter: „Um ein solides Bautz 2020 zu planen, müssen wir quasi schon diese Woche starten. Ganz wichtig sei es auch, so früh wie möglich das Line-Up, also die Künstler-Zusammenstellung, festzuzurren. Nieland: „Die Agenturen haben unsere Organisation sehr gelobt und schon jetzt nachgefragt, wie es im kommenden Jahr aussieht. Manch ein Künstler wird im November bereits ausgebucht oder einfach nicht mehr bezahlbar sein.“

"Tausende Arbeitsstunden"

Die Hauptbeteiligten aus Czechs und Biedrzyckis Agentur David & Goliath, Linus Wortmanns Architektenbüro KKW und Phillip Nieland hätten in die Bautz-Planung „Tausende Arbeitsstunden investiert – die Chefs gar nicht mitgerechnet“. Während man jetzt noch viel von der Arbeit dieses Jahres profitieren könne, sei das im Winter nicht mehr möglich: „Und jedes Jahr eine solche Dimension an ehrenamtlicher Arbeit zu schaffen, ist einfach unmöglich.“

Das bedeute im Klartext: „Wenn wir erst im Winter mit der Planung beginnen können, wird das für alle Beteiligten Unmengen an Mehrarbeit im Vergleich zum sofortigen Start bedeuten, und wir hätten für diese Arbeit auch noch deutlich weniger Zeit.“

Gregor Biedrzycki ergänzt: Wenn man schon jetzt mit der konkreten Planung für 2020 beginne, dann könne man zum Beispiel über eine Ausweitung des Camping-Geländes nachdenken, weiter in die gesamte Infrastruktur investieren und, nicht zuletzt, viel früher als bei der Premiere mit dem Kartenvorverkauf beginnen und das Line-Up bekanntgeben. Das schaffe letztlich auch Planungssicherheit für die Besucher.

Czech: „Wir brauchen jetzt ein schnelles ‘Go’! Die Politik und die Verwaltung müssen sehr bald eine Entscheidung treffen und beweisen, dass sie schneller agieren können als aktuell kommuniziert. Wir haben in den vergangenen Monaten gesehen, dass das geht. Alle Behörden haben an einem Strang gezogen. Im November, so wie der Bürgermeister das sagt, ist der Zug längst abgefahren.“

Wagemeyer gibt Czech recht

Sebastian Wagemeyer, Bürgermeisterkandidat der SPD, stößt in das gleiche Horn: „Ich kann Matthias Czech verstehen. Bautz war eine tolle Werbung für die Stadt und sollte unbedingt eine Neuauflage im nächsten Jahr erleben. Wir müssen nun sehen, alle Beteiligten – von den Sponsoren bis zur Stadtverwaltung, dem Verein Willi & Söhne und der LSM – sehr kurzfristig auf dem kleinen Dienstweg an einen Tisch zu bekommen.“ Bis zur LSM-Aufsichtsratssitzung im November könne man auf keinen Fall warten: „Dann wäre schon alles zu spät.“ Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes wollte sich bereits am Mittwochabend mit dem Thema beschäftigen.

Schwarzkopf: "Zahlen, bitte!"

CDU-Ortsvorsitzender Ralf Schwarzkopf  („Eine geile Veranstaltung“) und Unions-Bürgermeisterkandidat Christoph Weiland  („Auch ein tolles Familienfest“) sind ebenfalls für eine Bautz-Wiederholung. Schwarzkopf fordert allerdings zunächst von Czech und LSM-Geschäftsführer André Westermann, durch einen Kassensturz schnell eine Entscheidungsgrundlage zu schaffen. „Dann sind wir auch zu einer raschen Entscheidung bereit.“ Er sieht Bürgermeister Dzewas  in der Pflicht, kurzfristig eine interfraktionelle Sitzung einzuberufen.

Dzewas: "Nicht nur Bautz"

Dieter Dzewas sagt dazu, er werde sich einer interfraktionellen Sitzung „mit Sicherheit“ nicht verschließen. Eine Vorverlegung der LSM-Aufsichtsratssitzung komme für ihn allerdings nicht in Frage, zumal ihm noch keinerlei belastbares Zahlenmaterial über das finanzielle Festival-Ergebnis vorliege: „Solange wir keine Zahlen kennen, können wir definitiv nichts entscheiden.“ Zumal bleibe zu berücksichtigen: „Die Aufgabe der LSM besteht nicht nur aus der Bautz-Durchführung“. Seine persönliche Meinung sei: „Es ist schon sehr ambitioniert, so ein Festival jedes Jahr durchführen zu wollen.“

Westermann ist skeptisch

André Westermann  schließlich betont, die Zukunft von Bautz hänge vom Votum der Gesellschafter und des Aufsichtsrates ab. Eine Entscheidung im November hält er zwar für „viel zu spät“, er sei aber skeptisch, dass das schneller gehe. Westermann: „Wir brauchen jetzt – auch im Hinblick auf mögliche Sponsoren aus der Wirtschaft – ein schnelles und eindeutiges Signal aus der Politik.“ Er geht davon aus, in etwa zehn Tagen Klarheit über das finanzielle Ergebniss zu haben.

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