Jens Holzrichter (FDP) will Bürgermeister in Lüdenscheid werden

Bürgermeisterwahl Lüdenscheid: Kandidat Jens Holzrichter (FDP)

Jens Holzrichter
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Jens Holzrichter will Bürgermeister in Lüdenscheid werden.

Jens Holzrichter ist Lüdenscheider aus Überzeugung, bekennender Fleischesser, Kinoliebhaber und verreist leidenschaftlich gern. Zudem ist er ein Freund der klaren Worte und Prinzipien: Steak statt Beilagen, Tribüne statt Spielfeld, Städtetrip statt Strandurlaub: Jens Holzrichter hat klare Vorstellungen – und das gilt auch für sein politisches Engagement.

Lüdenscheid - Nun möchte der 50-jährige Liberale die Nachfolge von Bürgermeister Dieter Dzewas antreten. Und es ist ihm ernst: Diente die Kandidatur im Jahr 2009 vor allem dem Ziel, als Partei bei den großen Podiumsdiskussionen vertreten zu sein, trete er nun keinesfalls aus Prinzip an, sondern vielmehr, weil Dieter Dzewas aufhört. „Alle sortieren sich neu und ich bin selbstbewusst genug, das machen zu wollen. Ich glaube, dass ich das kann“, sagt der Sparkassenbetriebswirt. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Denn ich lebe gerne in Lüdenscheid.“

Nach fast 50 Jahren aus Brügge weggezogen

Im vergangenen Jahr hat Holzrichter nach fast 50 Jahren seinen Heimatort Brügge hinter sich gelassen und ist ins Zentrum der Stadt gezogen – mit Blick auf die Medarduskirche und in fußläufiger Entfernung zu seinem langjährigen Arbeitgeber, der Sparkasse Lüdenscheid. Dort hatte er – nach dem Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium – am 1. August 1989 seine Ausbildung begonnen – und ist dem Institut bis heute treu geblieben. Nach verschiedenen Stationen arbeitet er seit 2009 in der Kreditabteilung.

Balkon statt Garten, Mehrfamilienhaus statt Eigenheim. Ein großes rotes Sofa, ein Buch- und Fernsehregal, eine Essecke und nicht zuletzt der große Grill auf dem Balkon – die klare Linie Holzrichters setzt sich auch in seiner Wohnung fort. Einige wenige persönliche Dinge finden sich erst auf den zweiten Blick: ein Wimpel und eine Chronik seines Lieblings-Fußballvereins Hamburger SV, Bildbände über ungewöhnliche Architektur, verschiedene Ausgaben der Bibel, Reiseführer – Dinge, die Jens Holzrichter in seinem Privatleben begleiten.

Ich interessiere mich für Sport nur von der Tribüne aus

Jens Holzrichter

„Ich interessiere mich sehr für Sportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey – aber nur von der Tribüne aus.“ Reicht die Zeit zum Lesen, sind es meist Sachbücher und Biografien, „auf die Ohren“ kommen vor allem Radiosender. „Ich habe eine Schwäche für die 80er-Jahre – das war meine Zeit.“ Seine CD-Sammlung hat Holzrichter bei seinem Umzug in einer Kiste im Keller „eingemottet“, ebenso wie seine DVDs. „Da hingen doch zu viele Erinnerungen dran. Aber es gibt so viele tolle Sachen über die Streaming-Dienste, das brauche ich mir nicht mehr ins Regal zu stellen“, erzählt der leidenschaftliche Kinogänger.

Dabei ist Holzrichter nicht nur regelmäßig im Filmpalast zu anzutreffen, sondern geht überall dort ins Kino, wo er sich gerade aufhält – sei es Chinatown in San Francisco oder Toronto. „Nur in Belgien macht es keinen Spaß, da werden die englischsprachigen Filme gleich mit zwei Untertiteln versehen – dann ist immer gleich die Hälfte des Bildes weg.“

Das Herz des FDP-Politikers schlägt für den Hamburger SV.

Krakau und Berlin, Warschau und Hamburg, Kiew und London – neben den USA sind es vor allem Städte und ihre Architektur, die es dem Lokalpolitiker angetan haben. „Es dürfen auch mal exotischere Ziele sein, beispielsweise war ich schon in Tschernobyl“, erzählt Holzrichter bei Espresso und Latte macchiato. Dazu gibt es, wie sollte es anders sein, Cookies und Shortbread. Schließlich ist Holzrichter seit zehn Jahren Vorsitzender der Brighouse-Gesellschaft – neben seinem Engagement in weiteren Lüdenscheider Vereinen. Der „große Koch“ sei er im Übrigen nicht, dafür aber ein Steak-Liebhaber – oder auch „Sekundär-Vegetarier“, wie er es nennt: „Ich esse nur Fleisch von Tieren, die sich von Pflanzen ernähren“, sagt er. Es ist einer dieser vielen amüsanten Momente an diesem Morgen, durch die deutlich wird: Jens Holzrichter kann auch über sich selbst lachen.

Politischer Brückenbau als Notwendigkeit

Dass er immer für einen Scherz, aber eben auch für klare Worte gut ist, beweist er regelmäßig in seinen Funktionen als FDP-Fraktionsvorsitzender oder auch Vorsitzender des Bau- und Verkehrsausschusses. „Meine Schwäche ist tatsächlich mein loses Mundwerk, meine Schnodderigkeit“, gibt er zu. „Manchmal fahre ich den Leuten über den Mund und sie fühlen sich angegangen. Dabei meine ich das oftmals gar nicht so. Das bringt mich dann schon in Verlegenheit.“ Auf der anderen Seite sei er aber auch jemand, der gut mit Menschen umgehen kann, gerne moderiere und in der Lage sei, zu vermitteln. Und eben diese „Mittlerrolle“ sieht er im Kampf um den Chefposten im Rathaus als seine Chance. Weil er als FDP-Mann nicht automatisch eine Mehrheit hinter sich habe, sei er darauf angewiesen, Brücken zu bauen. „Darin sehe ich meine Aufgabe.“

Meine Eltern haben mich ermutigt, meine Stimme nicht gedankenlos abzugeben.

Jens Holzrichter

Seinen Weg zu den Freien Liberalen fand Holzrichter im Übrigen aus einem Zufall heraus – „Vorgaben“ durch das Elternhaus gab es keine. „Meine Eltern haben mich jedoch ermutigt, meine Stimme nicht gedankenlos abzugeben.“ Und so schrieb er als 18-Jähriger alle vier großen demokratischen Parteien vor Ort an und bat um Info-Material. „Von zweien habe ich bis heute keine Antwort bekommen, von einer kam das Paket“, erinnert er sich. Und: „Von einer jungen Liberalen erhielt ich einen Anruf – das war Angela Freimuth.“ Eineinhalb Stunden habe das Telefonat gedauert und mit der Einladung zu einem Treffen der Jungen Liberalen im „Stock“ geendet. „Das hat mir gut gefallen. Die Leute waren nett und ich wollte das Programm.“ Im April 1988 trat Holzrichter in die FDP ein – seitdem gehört die Kommunalpolitik zu seinem Leben dazu, kennt ihn auch seine Familie nicht anders.

An Lüdenscheid schätzt er vor allem die Größe der Stadt, in der „sich jeder entfalten kann“, die Infrastruktur, durch die „ich alles habe und bekomme, was ich brauche“, sowie die Sturheit und zugleich Herzlichkeit der Menschen. „Aber ich finde, für typische Sauerländer sind wir Lüdenscheider noch recht tolerant“, fügt er mit einem breiten Grinsen an und ergänzt ganz ernsthaft: „Es ist einfach großartig, wie die Menschen trotz der Größe der Stadt in Zeiten wie diesen immer wieder zusammenrücken. Und deshalb habe ich echt Lust darauf, etwas für die Stadt und ihre Menschen zu tun.“

Das sind die Mitbewerber um das Bürgermeisteramt in Lüdenscheid:

Informationen zur Kommunalwahl in Lüdenscheid: Alle Kandidaten und Parteien stellen wir vor.

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