1. Mai in Lüdenscheid: Laut, bunt und rattig

400 Gewerkschafter zogen vom Kreishaus in Richtung Innenstadt. -

LÜDENSCHEID ▪ Sie waren laut, sie waren bunt, und sie legten sich im Demo-Zug urplötzlich mitten auf die Weststraße: Im Zeichen der Jugend, die nach der Lehre unbefristete Übernahmen in Vollzeitstellen fordert, stand der Tag der Arbeit in diesem Jahr in Lüdenscheid.

Neben dem heraufziehenden Metall-Tarifkonflikt spielte auf Transparenten und in den Ansprachen auch die Landtagswahl eine große Rolle.

Bilder von der Maikundgebung in Lüdenscheid

Mai-Kundgebung in Lüdenscheid

So zogen mit 400 Teilnehmern deutlich mehr Gewerkschafter als zuletzt vom Kreishaus in Richtung Innenstadt. Trommelrhythmen und die Parolen der Jugendlichen machten den bunten Demo-Zug unüberhörbar. Vor der großen Gruppe junger Metaller tanzten zwei als Ratten verkleidete Jugendliche – in Anspielung auf Metall-Arbeitgeberpräsident Martin Kannegiesser, der die Forderung nach unbefristeter Übernahme als Rattenfängerei der Gewerkschaft zur Nachwuchswerbung bezeichnet hatte.

Vorbei an den zum Ärger vieler Organisatoren geöffneten Wahlkampfständen von CDU und Grünen auf dem Sternplatz zog man vor die Bühne auf den Rathausplatz, wo die jungen Leute der IG-Metall-Projektsekretärin Dinah Temme zujubelten, als sie ausrief: „Wir werden nicht länger akzeptieren, dass 40 Prozent aller 15- bis 24-Jährigen in Zeitverträgen, Leiharbeit und sonstiger atypischer Beschäftigung stehen. Die unbefristete Übernahme muss wieder zur Regel werden!“

Dass sie heute eher die Ausnahme ist, hatte Mairedner Michael Hermund zuvor als Schande bezeichnet. Und: In diesen Tagen werde bei der Leiharbeit im Märkischen Kreis die Marke von 6000 Betroffenen überschritten, die bei gleicher Arbeit im Schnitt 40 Prozent weniger verdienen als Stammkräfte. „Das ist eine Sauerei“, fand der DGB-Chef der Region Ruhr-Mark markige Worte.

Hermund, der für die Metaller einen Tarifabschluss in Höhe der Verdi-Prozente ankündigte, prangerte zudem an, dass im Kreisgebiet 2011 nur knapp ein Viertel der Zuschüsse für Schulessen, Nachhilfe oder Ausflüge für Kinder aus armen Familien abgerufen wurden. Das Bundesprogramm der Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sei ein bürokratisches Monster, das Eltern überfordere. Auch die heimischen Behörden seien aufgerufen, hier mehr zu tun. Dagegen lobte Hermund die Leistungen der rotgrünen Landesregierung und rief zum Wählen am 13. Mai auf.

Christin Spangenberg, Ausbildungsbeauftragte der Stadt Lüdenscheid, überreichte Bürgermeister Dieter Dzewas eine „Bewerbungs-Bombe“ – Sinnbild für die Forderung nach Übernahmen auch im öffentlichen Dienst. Dzewas versprach, sein Bestes zu tun, um die Zukunft von Azubis bei der Stadt zu sichern.

„Heute ist der erste Warnstreiktag ohne Lohnverlust!“ Ein mit der Resonanz aus den Betrieben sichtlich zufriedener IG-Metall-Bevollmächtigter Bernd Schildknecht bekräftigte am Mikrofon die Forderung der Jugend – und kündigte für diese Woche die ersten Ausstände an.

Fürs Publikum ging es dann mit Popmusik der Soulband des Walburgis-Gymnasiums Menden weiter, an vielen Ständen lockten Speisen und Getränke. Rund 1000 Gäste dürften diesen 1. Mai vor dem Rathaus erlebt haben. - hgm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare