Klinikum: Lange Wartezeiten in der Notaufnahme "oft nicht vermeidbar“

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LÜDENSCHEID - Immer wieder beklagen Patienten die teilweise stundenlangen Wartezeiten in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Klinikums Lüdenscheid. Die LN sprachen darüber mit Verantwortlichen der Klinik.

Die extremen Wartezeiten beträfen in der Regel allerdings nur Menschen, die die Notaufnahme mit leichten Verletzungen oder Erkrankungen aufsuchen, erklärten Dr. Markus Bald, interdisziplinärer ärztlicher Leiter der Notaufnahme, und Bernhard Meyknecht, pflegerischer Leiter, im Gespräch mit den LN.

Und das werde sich angesichts von mehr als 34.000 Patienten, die mittlerweile pro Jahr die ZNA aufsuchen, nicht ändern – denn die Entwicklung der letzten Jahre nicht nur in Lüdenscheid zeige, dass immer mehr Patienten kämen, die mit ihren Leiden eigentlich gar nicht in eine Notaufnahme gehörten.

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„Seit Jahren beklagen die Krankenhäuser eine stetig wachsende Zahl an Patienten, die sich vor dem Hintergrund einer fehlenden oder zeitnahen ärztlichen Versorgung als sogenannte ‘Selbsteinweiser’ in den Notaufnahmen vorstellen“, sagte Dr. Bald. Die Umstrukturierung der kassenärztlichen Notfallversorgung und die in ländlichen Gebieten zunehmende Unterversorgung mit Haus- und Fachärzten werde diesen Trend noch verschärfen, ergänzte Meyknecht.

Eine Untersuchung an der Berliner Charité habe folgende weitere Gründe für das eigenständige Aufsuchen der Notaufnahme ergeben:

- das Wissen um die hohe Versorgungsqualität in einem Krankenhaus der Maximalversorgung; J Unkenntnis von Selbstbehandlung von leichten Erkrankungen oder Verletzungen;

- Unwissenheit hinsichtlich der grundsätzlichen Aufgaben einer Notaufnahme;

- aber auch reine Bequemlichkeit wegen der Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit.

Das Team der Notaufnahme des Klinikums Lüdenscheid empängt im Jahr weit mehr als 30.000 Patienten.

„Dieses Ergebnis können wir für unsere Notaufnahme nur bestätigen“, sagte Meyknecht. Zudem sähen sich Krankenhäuser einem enormen Kosten- und Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Das bedeute auch, dass bei hohem Patientenaufkommen in der Notaufnahme nicht einfach das Personal aufgestockt werden könne. „Das Personal muss dem durchschnittlichen Notfall-aufkommen angepasst werde“, erklärte Dr. Bald.

Auch wenn die Aufnahme übervoll sei, müsse natürlich gewährleistet werden, dass zuverlässig und zielsicher die am stärksten gefährdeten Patienten identifiziert und so zeitnah als eben möglich behandelt werden. Aus diesem Grunde arbeite die Notaufnahme am Klinikum seit 2006 mit einem sogenannten Triagesystem (Triage = Dringlichkeitseinschätzung), das zwischen 8 und 23 Uhr eingesetzt werde.

Analysen hätten ergeben, dass 100 Prozent der Hochrisikopatienten in der ZNA spätestens nach einer Wartezeit unter zehn Minuten von einem Arzt behandelt werden, 68 Prozent sogar innerhalb von nur fünf Minuten. Damit bleibt das ZNA-Team deutlich unter den Sollvorgaben etablierter Ersteinschätzungs-Organisationen, die eine Behandlung spätestens nach zehn Minuten vorsehen. „Diese Sollvorgaben werden im Wesentlichen auch bei den schwer und mittelgradig Erkrankten eingehalten. Hier gibt es in der Regel den Arztkontakt unter 30 Minuten“, sagte Meyknecht.

Außerdem stelle die Dringlichkeitseinschätzung sicher, dass kein Patient automatisch bevorzugt behandelt werde, nur weil er mit dem Rettungs- oder Krankentransportdienst (Ausnahme: Notarztbegleitung) in die Notaufnahme gebracht werde. „Vorrangig sind immer medizinische Faktoren“, erklärte Dr. Bald. „Auch wenn wir natürlich bemüht sind, Kleinkinder möglichst zügig zu behandeln, könne dies dazu führen, das bei voller Aufnahme auch einmal die Geduld unserer kleinsten Patienten und ihrer Eltern auf eine harte Probe gestellt werden.“

Für Patienten, die nur einige Stunden medizinisch behandelt und beobachtet werden müssen, stehe zudem eine direkt an die Notaufnahme angegliederte Aufnahmestation mit 16 Betten zur Verfügung.

„Letztendlich ist die Notaufnahme immer bemüht, möglichst alle Patienten zeitnah rund um die Uhr zur versorgen; hierfür wird nicht selten über Dienstende hinaus gearbeitet und auf Pausen verzichtet“, sagte Dr. Bald. Doch aus den angeführten Gründen seien auch lange Wartezeiten oft nicht zu vermeiden. - wok

Hintergrund Zentrale Notaufnahme:

Ausgestattet ist die Zentrale Notaufnahme mit zwei Schockräumen, einem Gipsraum, einem Ultraschallraum, zwei Eingriffsräumen für nicht infektiöse Wunden, einer HNO-Untersuchungskabine, einem Untersuchungsraum für infektiöse Patienten, neun flexibel genutzte interdisziplinäre Behandlungsräume. Falls vorhanden, sollten Patienten folgende Unterlagen mitbringen: Einweisung des behandelnden Arztes (eine Überweisung kann in der Zentralen Notaufnahme nicht verwendet werden)), Krankenversicherungskarte, Personalausweis, Medikamentenliste, Arzt- oder Entlassbriefe, Röntgenbilder, zehn Euro Praxisgebühr oder Quittung darüber.

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