Lüdenscheid ist keine „Heilige Stadt“

Die Tür zu einer der Arrestzellen.

LÜDENSCHEID ▪ Angesichts der Debatte um die Kosten für die Gedenkzellen im Alten Rathaus ruft der Verein „Ge-Denk-Zellen“ zu einer Diskussion über die inhaltlichen Anliegen der geplanten Ausstellung in den ehemaligen Arrestzellen auf.

Die Einrichtung einer Gedenkstätte an diesem Ort ermögliche es Besuchern, sich „am authentischen Ort zu erinnern“, mahnte Matthias Wagner. Das unterscheide diesen Ort von einer musealen Aufbereitung des von Nationalsozialisten verübten Unrechts. „Wir wollen zeigen, was hier in Lüdenscheid passiert ist“ – gegen alle Stilisierung der Bergstadt zu einer „Heiligen Stadt“, an der das Unrecht weitgehend vorübergegangen sei. In einer Erklärung des Vereins heißt es weitergehend: „Gedacht werden soll der Opfer nationalsozialistischen Unrechts, die in den Zellen inhaftiert waren. Diese Eingrenzung des Opferkreises macht unsere Stätte des Gedenkens authentisch und unverwechselbar mit anderen, bereits vorhandenen und anders begründeten Plätzen und Veranstaltungen. Unter dem genannten Kriterium wäre in den Zellen insbesondere zu gedenken der dort inhaftierten politischen Gegner der Nationalsozialisten, zumeist Sozialdemokraten und Kommunisten, sowie etwa einem Drittel der 1929 gewählten Ratsmitglieder, der jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen als Opfer der eliminierenden nationalsozialistischen Judenfeindschaft sowie der Zwangsarbeiter.“ Der Verein beziffert die Anzahl der politischen Opfer der Lüdenscheider Verwaltung, Politik und Polizei in den Jahren von 1933 bis 1945 auf etwa 800. Über einige von ihnen soll die geplante Ausstellung informieren. Zweimal pro Woche und auf Anfrage soll die Gedenkstätte geöffnet sein – durch das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder. Vor allem junge Menschen sollen dadurch erreicht werden.

„Wir wollen etwas für die Demokratie und die politische Bildung tun, und man deckelt uns“, staunt Bernd Benscheidt und verweist auf 26 Städte, die in NRW solche Gedenkstätten erfolgreich und mit hohen Besucherzahlen geschaffen haben. Und er blickt auch auf Wahlerfolge Rechtsradikaler bei den Nachbarn als Grund für das Engagement: „Wir wollen nicht nach Holland und Frankreich gucken. Bei uns soll es nicht so weitergehen.“ ▪ thk

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