Vorsitzender Willi Denecke: "Unsere Mission ist erfüllt!"

Famo-Verein löst sich auf - "Willis" übernehmen den Familienwald

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Farbenfroh gestaltete sich der Auftakt des Familienmonats am 28. September 2012.

Lüdenscheid – Im Herbst 2012 machte er mit einem groß angelegten „Familienmonat“ (Famo) Furore in der Stadt – der Famo-Förderverein. Zum Jahresende 2019 wird er sich nun aber auflösen.

Vorsitzender Willi Denecke: „Unsere Mission ist erfüllt, aber die Famo-Idee wird in Gestalt des Familienwaldes im Stadtpark weiterleben. Der Verein Onkel Willi & Söhne wird die Trägerschaft für den Wald übernehmen. Darüber bin ich sehr froh.“

Warum hatte sich der Verein überhaupt gegründet? 

Im Jahr 2006 hatte Willi De-necke die Idee, seiner Nichte, der Künstlerin Christiane Rücker, zu deren 40. Geburststag eine Ausstellung in der Städtischen Galerie zu schenken. Diese sollte sich um das Thema Familie drehen. Bei der Sponsorensuche hörte er von Sparkassendirektor Udo Lütteken und dessen Marketingleiter Thomas Meermann: „Können wir aus dieser Idee nicht mehr machen?“ Daraus wuchs die Idee eines ganzen Familienmonats. Im Jahr 2011 gründete sich der Famo-Förderverein. 

Ein Familienmonat – was sollte das sein? 

Der Famo-Förderverein schuf – wie Bürgermeister Dieter Dzewas schrieb – „ein Netzwerk, das zum ersten Mal alle gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, sozialen und religiösen Gruppierungen in unserer Stadt vereint hat“. Das Ergebnis: Vom 28. September bis 27. Oktober 2012 gab es in ganz Lüdenscheid 130 Veranstaltungen jeglicher Couleur. Beteiligt waren zahlreiche Lüdenscheider Vereine, Verbände, Kirchengemeinden, Firmen und Einzelpersonen. 

Bei der letzten Familienwald-Bestandsaufnahme im Frühjahr: von links Günter Nyenhuis, Dennis Lewandowski, Jan Denecke, Elke Denecke und Willi Denecke.

Was hat der Familienwald im Stadtpark mit dem Famo zu tun? 

Der Familienwald sollte ein Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit setzen. Für jedes in Lüdenscheid neugeborene Kind wurde ein Bäumchen gepflanzt. 185 Setzlinge passten letztlich auf die von der Stadt Lüdenscheid zur Verfügung gestellte Fläche im Stadtpark. Das Gartencenter Kremer stellte alle Setzlinge kostenlos zur Verfügung – und darüber hinaus alle Bäumchen. die nachgepflanzt werden mussten. 

Warum wurde überhaupt nachgepflanzt? 

Insgesamt mussten etwa 90 Bäume im Laufe der Jahre ersetzt werden. Die Hälfte von ihnen gedieh nicht wie erhofft, die andere Hälfte fiel immer wieder Vandalismus zum Opfer. Vandalismus im Familienwald? Vereins-Kassierer Günter Nyenhuis: „Ja, es ist unbegreiflich! Da werden ganze Bäume gestohlen, abgeknickt oder ausgerissen. Da werden Stützpfähle entfernt und Namensschilder abgerissen. Es war eine Riesenarbeit für uns wenige Ehrenamtliche, den Bestandsplan immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen und die Nachpflanzungen durch die Märkischen Werkstätten zu veranlassen.“ Die Märkischen Werkstätten sind übrigens auch für die regelmäßige Pflege des Familienwaldes zuständig. 

Abgesehen vom Familienwald – was waren die weiteren Projekte des Famo-Fördervereins? 

Zunächst einmal war durchaus daran gedacht, den Familienmonat regelmäßig stattfinden zu lassen. Außerdem wurde für das Jahr 2013 der Famo-Förderpreis ausgeschrieben. Beim Neujahrsempfang der Stadt im Januar 2014 bekam ihn der CVJM-Kreisverband: 5000 Euro für ein Baumhaus-Projekt. 

Das war der erste und letzte Förderpreis, und auch einen Familienmonat gab es nie wieder. Woran lag es? 

Willi Denecke: „Das lag wesentlich an zwei Faktoren. Der eine Grund: Wir waren nach dem Famo einfach ein zu kleiner Kreis von Aktiven und konnten die Aufgaben, die wir uns selbst immer wieder vornahmen, nicht stemmen. Am Ende machte weniger als eine Handvoll Personen wirklich tatkräftig mit. Das reichte einfach nicht.“ 

Und der andere Grund? 

Günter Nyenhuis: „Unsere Anliegen überzeugten die potenziellen Sponsoren zwar, sodass wir nie ernsthafte Probleme mit der Geldbeschaffung hatten. Aber jeder Sponsor kann sein Geld nur einmal verteilen. Uns wurde mit der Zeit die Gefahr bewusst, dass andere Vereine auf Famo-Kosten benachteiligt werden. 5000 Euro für den Förderpreis waren unter diesen Umständen einfach zu viel Geld. Wir mussten uns schweren Herzens von dem Preis verabschieden. 

Wäre es – aus heutiger Warte – nicht besser gewesen, nach dem Familienmonat Schluss zu machen? 

Willi Denecke sagt dazu: „Ja, unbedingt! Aber damals sind wir von vielen Seiten, sogar vom Bürgermeister, ermuntert worden, weiterzumachen. Unsere eigene Begeisterung hat ihren Teil dazu beigetragen, uns selbst weiter zu motivieren. Der Verein stand aber personell auf zu schwachen Füßen. Vielleicht hätte es ja etwas gebracht, wenn jedes Elternpaar eines Familienwald-Babys Mitglied im Förderverein hätte werden müssen. Aber das ist natürlich auch keine Garantie, dass die Eltern dann auch mitgearbeitet hätten.“ 

Woran lag es, dass nicht mehr Personen bereit waren, im Förderverein mitzumachen? 

Die Vorstandsmitglieder sind sich einig, dass nach Abschluss des Familienmonats die wirklich klar definierten und unverwechselbaren Ziele fehlten. Es habe – realistisch betrachtet – keinen Bedarf mehr für den Verein gegeben. Man versuchte sogar, in einem Workshop mit Mediator Ansgar Röhrbein neue Aufgaben für den Verein zu finden. Willi Denecke: „Wir haben uns selbst überflüssig gemacht. Mit dem Famo haben wir den Lüdenscheidern aber den Gedanken eingepflanzt, dass große gemeinsame Aktionen möglich sind und Spaß machen können. Das lebt weiter und wird auch ohne uns weiterleben.“ 

Woran erkennt man, dass diese Idee der Gemeinsamkeit weiterlebt? 

Noch einmal Willi Denecke: „Wir wollen unsere Rolle hier wirklich nicht überbewerten. Aber die Famo-Erfolgsgeschichte hat möglicherweise ihren kleinen Teil dazu beigetragen, dass später Projekte wie Onkel Willi & Söhne oder die Visionäre entstanden sind. Es kommt vielleicht ja nicht von ungefähr, dass Matthias Czech bei allen drei Initiativen eine ganz wichtige Rolle spielt und gespielt hat.“ 

Stichwort „Willi & Söhne“: Was hat die Bautz-Initiatoren dazu bewegt, die Regie für den Familienwald zu übernehmen? 

Beim Verein Onkel Willi & Söhne ist Dennis Lewandowski zuständig für den Familienwald. Er sagt: „Wir sind grundsätzlich sehr familienorientiert und sehr familiär ausgerichtet. Unsere Veranstaltungen wie Walk the Line oder Bautz wenden sich an alle Generationen. Bautz zum Beispiel war ein Vier-Generationen-Spaß. Vom Opa bis zum Urenkel war dort alles vertreten. Also passt der Familienwald perfekt in unser Konzept.“ 

Aufgeräumt präsentiert sich der Familienwald vor dem Winter.

Gibt es denn noch freie Bäume im Familienwald? 

Ja, „Onkel Willi“ hat den Wald in den vergangenen drei Monaten sehr gründlich auf Vordermann gebracht. Es wurden nicht nur 70 neue Stützpfosten für die Bäume angebracht, sondern der linke Bereich des Areals von seinem „Urwald-Charakter“ befreit. Dadurch gab es Platz für 30 neue Bäume. Wer Interesse hat, seinem Kind – es muss kein Neugeborenes sein – einen Baum zu sichern, kann sich direkt an Dennis Lewandowski wenden (Tel. 01 60 /3 36 80 86). 

Wie geht es jetzt weiter? 

Zurzeit entwerfen die „Willis“ das Design für die Namensschilder an den Bäumen sowie für ein großes neues Ein- und Ausgangsschild. Auf diesem Schild werden alle Bäume mit allen Kinder-Namen verzeichnet sein. Für das Frühjahr ist dann ein Familienfest geplant, bei dem das Wäldchen offiziell übergeben werden soll.

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