Kampf gegen die Wahlmüdigkeit

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Trotz eisigen Winterwetters gute Resonanz: Rund 100 Bürger waren jetzt zu einer politischen Veranstaltung im Kulturhaus erschienen. Thema war die schwindende Wahlbeteiligung in Deutschland.

Lüdenscheid - Es gilt als eine der großen gesellschaftlichen Errungenschaften der Moderne: das allgemeine, freie, gleiche und geheime Wahlrecht. Die Tendenz indes: Seit Jahren zieht es immer weniger Deutsche zu den Wahlurnen. Im Kulturhaus wurde intensiv darüber diskutiert.

Noch in den siebziger Jahren lag die Beteiligung an den Bundestagswahlen mitunter bei über 90 Prozent. Damals ging es mit der Entspannungspolitik Willy Brandts um neue Wege in der Außenpolitik. Bei den Bundestagswahlen 2013 gaben dagegen lediglich 71,5 Prozent der Wahlberechtigten ihr Votum ab. Bei Landtags-, Kommunal- und Europawahlen dümpelt die Wahlbeteiligung bisweilen gar bei unter 50 Prozent herum. Und auch wenn es in unseren Nachbarländern manchmal noch trüber aussieht – der Trend zur matten Wahlbeteiligung bewegt. Auch die Lüdenscheider Sozialdemokraten.

So hatte die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone jetzt zusammen mit der parteinahen Friedrich-Ebert-Stiftung zu einer Diskussion ins Kulturhaus eingeladen. Das Thema des Abends: „Volk ohne Wähler – Gefahr für die Demokratie?“ Neben Crone auf dem Podium dabei: Professor Peter Brandt, Historiker an der Fernuniversität Hagen, die Dortmunder Politikwissenschaftlerin Professorin Tatjana Zimenkova sowie der Berliner Journalist und Autor Dr. Gunter Hofmann. Als Moderator der Runde agierte der Journalist Matthias Bongard. Rund 100 Bürger waren erschienen.

Unter der Moderation von Matthias Bongard (links) diskutierten auch die Professoren Tatjana Zimenkova und Peter Brandt.

Über den Rückgang der Wahlbeteiligung in Deutschland wird bekanntlich viel spekuliert. Manche Beobachter führen dabei gebrochene Wahlversprechen ins Feld, andere eine zunehmend ähnliche Ausrichtung der meisten größereren Parteien in der Wirtschafts-, Sozial- und Außenpolitik. Wieder andere machen die „Spaßgesellschaft“ für die Wahlmüdigkeit verantwortlich.

Die eher unspektakulären Beiträge der Podiumsdiskutanten sparten mit harten Urteile über Politiker allerdings. Peter Brandt etwa nannte im Zusammenhang mit der schwindenden Wahlbeteiligung Bildungsstand und Schichten-Zugehörigkeit der Bürger: „Manche Menschen erreichen wir einfach nicht mehr.“ Gunter Hofmann warf derweil den Medien vor, keine „offene Diskussion“ über zentrale gesellschaftliche Themen zu führen. Und Matthias Bongard und Tatjana Zimenkova brachten eine „Polit-Show im Stile des Dschungel-Camps“ sowie die „verwirrende Vielfalt“ der Multimedia-Gesellschaft als Gründe für schwache Wahlbeteiligung in die Debatte ein.

Hatte eingeladen: Bundestagsabgeordnete Petra Crone.

Griffigere Statements kamen in der Folge aus dem Publikum. Ein Lüdenscheider, der sich seit Jahren in seinem Wahlkreis engagiert, fasste es so zusammen: „Die Leute sagen zu mir immer häufiger: Warum soll ich wählen gehen? Die machen doch alle das Gleiche. Für mich ändert sich ohnehin nichts.“ Ein anderer sieht es so: „Man kann wählen, was man will. Schwarz kommt immer dran.“

Und Gewerkschafter Bernd Schildknecht stellte im Kontext mit der Wahlunlust die Gerechtigkeitsfrage: „Die zunehmende soziale Ungerechtigkeit in der Gesellschaft ist die Wurzel des Übels.“

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