Lüdenscheid bekommt "intelligentesten" Müll-Eimer Deutschlands

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STL-Einsatzleiter Frank Wiemer sowie die Mitarbeiter Tanja Rother und Jens Kölsche stellten gemeinsam mit dem stellvertretenden STL-Werkleiter Andreas Fritz (von links nach rechts) den am Bahnhof installierten intelligenten Abfallbehälter vor.

Lüdenscheid - Der Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) hat zur Probe einen Müllbehälter in Betrieb genommen, der ganz besondere Qualitäten aufweist. 

Wenn Andreas Fritz und Frank Wiemer künftig morgens ihre Computer in der STL-Verwaltung am Fuhrpark hochfahren, können sie nachsehen, wie’s um den neuen Abfallbehälter am Bahnhof bestellt ist. Bunte Kurven zeigen den Status des 120 Liter Müll fassenden Behältnisses an.

Aber nicht etwa nur die Menge, die Passanten bisher dort hineingeworfen haben, taucht auf den Bildschirmen auf. Auch die Anzahl der Einwürfe, Pressungen, Power und Sonnenenergie werden angezeigt. Letzteres, weil all dies durch Sonnenergie betrieben wird.

Die Pressungen sorgen dafür, dass dort viel mehr Müll hineinpasst als in die kleinen, wo oft sperrige Hinterlassenschaften schon schnell für überquellende Behälter sorgen. „Rechnerisch passt in den neuen Behälter die Menge von 16 kleineren“, sagt Andreas Fritz. 

Damit spare der STL auch Leerungen: „Denn wir schicken dort dann unsere Mitarbeiter natürlich erst hin, wenn wir sehen, dass der Behälter voll ist. Die Abfallsammlung kann effizienter geplant werden.“

Auf dem Behälter ist ein Solardach installiert. Eine Stunde Sonnenenergie sorgt nach Angaben der Zoeller Kirchhof GmbH, die die „Solarbetriebenen Straßenabfallbehälter mit Presseinrichtung“ vertreibt, für einen einmonatigen Betrieb der Anlage, die das Unternehmen als „Abfallentsorgung 4.0“ bezeichnet.

Die intelligenten Abfallbehälter haben natürlich ihren Preis. Sie kosten laut Olaf Schneider, der für den Vertrieb zuständig ist und auch die Gespräche mit dem STL führte, pro Stück 5340 Euro. „Je nach Stückzahl wird der Preis natürlich günstiger“, sagt er. 

„Wir haben uns zunächst einmal für eine Probephase von einem halben Jahr entschieden und zahlen monatlich eine Miete von 180 Euro“, sagt Andreas Fritz. Danach werde man dann sehen, wie die Neuerung ankommt und ob sich die Anschaffung mehrerer Abfallbehälter rechnet. 

„Selbstverständlich kommt eine Installation nur an stark frequentierten Stellen in der Innenstadt in Frage“, sagt STL-Einsatzleiter Frank Wiemer. „Immerhin haben wir im gesamten Stadtgebiet rund 1500 Abfallbehälter.“ 2018 kamen rund 91 Tonnen Abfall zusammen.

„Es geht auf der einen Seite dabei um Effizienz, auf der anderen Seite aber auch um die Sensibilisierung für das Thema Müllentsorgung“, sagen Andreas Fritz und Frank Wiemer.

Das findet auch Olaf Schneider. „Man kann auch programmieren, dass, sobald jemand Müll einwirft, Beifall geklatscht wird oder das Geräusch einer Toilettenspülung erklingt. Es wäre sogar möglich, jeweils die Melodie von ,Mein Herz schlägt für das Sauerland’ spielen zu lassen.“ In der Probephase bleibt das aber wahrlich Zukunftsmusik.

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