Lüdenscheid: Beim Einkauf stets jeden Cent im Blick

Carsten Brinkmann, Sabine Röhrbein und Thomas Becker (v.   l.) haben erfolgreich für das Hartz-IV-Essen eingekauft.

LÜDENSCHEID – Der Appetit auf Blumenkohl ist Carsten Brinkmann beim Einkaufen vergangen. „So ein kleines Ding reicht niemals für vier Personen und außerdem sind 1,99 Euro viel zu teuer. Das sprengt unser Budget.“ Brinkmann ist einer der neun Einrichtungsleiter des Caritasverbandes Altena-Lüdenscheid, die gestern ein außergewöhnliches Experiment starteten: Kochen mit Hartz-IV-Budget stand in der katholischen Familienbildungsstätte auf dem Programm.

Vor dem Einkauf – natürlich im Discounter – mussten die Beteiligten mit spitzer Feder rechnen: Einem Ehepaar, das Hartz-IV bekommt und zwei Kinder im Alter zwischen 14 und 17 Jahren hat, steht rein rechnerisch für den Posten „Nahrung, Getränke und Tabakwaren“ täglich ein Betrag in Höhe von 15,46 Euro zur Verfügung. Nach der Kalkulation des Caritas-Teams bleiben für ein Mittagessen der vierköpfigen Familie nicht mehr als maximal 7,20 Euro übrig.

In drei Gruppen ziehen die Caritas-Leiter los, um für jeweils drei verschiedene Hartz-IV-Menüs einzukaufen. Carsten Brinkmann, Sabine Röhrbein und Thomas Becker stellen schnell fest, dass zu Bratwurst und Kartoffeln kein Blumenkohl aufgetischt wird. Zum Glück findet Sabine Röhrbein eine Alternative: Broccoli, der kostet pro Kilo 1,58 Euro. Immer wieder rechnen die Einkäufer nach, ob das Geld noch reicht – schließlich soll auch noch ein einfacher Nachtisch, selbst gekochter Vanillepudding – drin sein. Und tatsächlich gelingt es: Zum Preis von 6,41 Euro steht schließlich ein schmackhaftes Essen auf dem Tisch. Die Kartoffeln reichen sogar für eine zweite Mahlzeit. Auch die anderen Gruppen sind erfolgreich – obwohl alle Rezepte leicht abgeändert werden müssen, weil zum Beispiel das Geld für Salat nicht mehr ausreicht und statt Schattenmorellen gibt es die günstigeren Pflaumen zum Vanilleeis.

Das Fazit des Caritas-Teams: Es ist durchaus möglich, mit Hartz-IV-Budget zu kochen – allerdings kostet das viel Zeit. Eine genaue Wochenplanung ist ebenso wie das Rechnen während des Einkaufs unbedingt notwendig, und ohne hauswirtschaftliches Wissen geht es auch nicht. Genau da sieht Hans-Werner Wolff eines der Probleme: „Wir haben schon erlebt, dass die Menschen, die wir betreuen, nicht wissen, wie man Kohlrabi zubereitet.“ Viele der Hartz-IV-Empfänger seien überhaupt nicht in der Lage zu organisieren, geschweige denn, ihre Finanzen so genau zu verwalten. Brigitte Hilbrandt: „Ich habe erlebt, dass die Arge Menschen, die kaum schreiben konnten, einen Computerkursus finanziert hat. Es wäre besser, es würden Kurse angeboten, die Lebenspraxis vermitteln.“ - cwi

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