Lüdenscheid: Arzt erklärt Schizophrenie

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Martin Schleicher referierte über das Thema Schizophrenie. ▪

LÜDENSCHEID – Wenn ein Familienmitglied an Schizophrenie erkrankt, reichen die Reaktionen aus der Umgebung von Unverständnis über Betroffenheit bis hin zu Angst, Sorge und Ohnmacht. Doch die Krankheit verliert an Schrecken, wenn sie verstanden wird. Deshalb gab der am Klinikum Lüdenscheid tätige Psychologe Martin Schleicher Einblicke in diese Erkrankung, erläuterte die Hintergründe ihrer Entstehung, Symptome, Verlauf, Behandlungsformen und Heilungsaussichten.

Weltweit, so führte er aus, erkranken etwa 0,4 Prozent der Menschen an Schizophrenie, und zwar „quer durch alle Rassen und Kulturen“. Jährlich kommen in Deutschland etwa sieben bis 14 Neuerkrankungen pro 100 000 Personen hinzu. Doch warum werden Menschen schizophren? „Die Hintergründe sind komplex“, so Schleicher. Verletzlichkeit und Sensibilität des Betroffenen seien ein Aspekt. Psychische Belastungen wie der Verlust des Arbeitsplatzes, Tod eines Angehörigen, Stress und Konflikte könnten ebenso Auslöser sein.

Was immer die Ursache ist – die Auswirkungen seien gravierend: Der Kranke verliere den Bezug zum eigenen Ich, entwickle Wahnvorstellungen und höre, fühle, schmecke oder sehe Dinge, die nicht existieren und die er dennoch als völlig real erlebe und erleide. „Dies kann zu Suiziden führen.“ Doch es gibt vielfältige Behandlungsmöglichkeiten. Von Medikamenten über eine sozio- bis psychotherapeutische Behandlung reiche das Spektrum. Immer gehe es darum, Stress zu reduzieren, den Bezug zum eigenen Ich und zur Außenwelt wieder herzustellen und Lebenstüchtigkeit wiederzuerlangen.

„Was ist zu tun, wenn ein Kranker seinen Zustand nicht erkennt?“, fragte eine Zuhörerin. Schleicher riet, mit dem örtlichen Gesundheitsamt Kontakt aufzunehmen, das Unterstützung anbietet. Es sei auch möglich, sich an die Klinik zu wenden. Überhaupt hatten die Anwesenden viele spezifische Fragen mitgebracht, die Schleicher im Anschluss an sein Referat beantwortete. Infobroschüren und eine Fachbuchliste hielt er ebenfalls für sie bereit.

Den nächsten Vortrag gibt es am Dienstag, 20. April, zum Thema „Melancholie und Depression“ ab 17 Uhr im Erdgeschoss, Raum 005, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Haus 5).

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