Rutschfest müssen sie sein

Test-Pflastersteine in der Altstadt - Favorit ist ein Feinsandstein aus Indien

Lüdenscheid Altstadt Pflaster Pflasterstein Oberstadt
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Eine Muster-Pflasterfläche, die verschiedene Möglichkeiten zeigt, ist in der Oberstadt entstanden.

Wenn der Plan vom Papier auf den Boden kommt, von der Theorie in die Praxis, dann zählt der erste Eindruck: Ist es zu wild, zu bunt, zu unruhig? Oder genau richtig? Mit einer Musterpflasterung in aussagekräftiger Größe wollen sich die Innenstadt-Umgestalter ein realistisches Bild davon machen, welche Pflasterung den Altstadt-Bereich der Fußgängerzone nach Vorstellung des Landschaftsarchitekten künftig prägen soll. Feilen am Detail bleibt dabei möglich.

Lüdenscheid - Die Bauarbeiter haben Anschlüsse zum alten Pflaster nahtlos eingearbeitet, übers Wochenende wird die Fläche noch durch Baken geschützt, damit sich der Bereich inklusive zweier Rinnen-Steine festigen kann. Danach kommen die Baken weg und das Pflaster muss sich ein paar Monate im Alltagsbetrieb samt Fahrzeugbelastung bewähren. „Bewittern lassen“, nennt das Hans Jürgen Badziura, in der Stadtverwaltung auch mit dem Innenstadtumbau befasst.

Gemeinsam mit Karsten Koppmeier (STL) sah er sich gestern die Musterfläche an. Schnell waren sich beide einig: „Beige scheidet aus.“ Die gelblichen Steine gefielen nicht, auch wenn sie in nassem Zustand – wofür ein Bauarbeiter mit einem Eimer Brunnenwasser sorgte – nicht mehr so auffällig sind. Rot und Grau sind die Farben der Wahl, wobei auch unterschiedliche Oberflächen gelegt wurden.

Das Material ist indischer Feinsandstein Rocadur. „Ist das glatt?“ – die Frage hätten die Leute direkt gestellt, die ihm über die Schulter schauten, erzählte einer der Pflasterer. Denn mit den roten Klinkern in der Wilhelmstraße hat der eine oder andere unsanfte Erfahrungen machen müssen. Deshalb ist Rutschfestigkeit ein wichtiges Kriterium. Die Oberfläche werde entsprechend bearbeitet, sagte Badziura. Verlegt wurden unter anderem Steine mit gestockter und mit geflammter Oberfläche. Ein geflammter Stein zeige kleine, schuppige Abplatzungen, die aussehen, „als wäre Kaiser Wilhelm schon mit der Kutsche darüber gefahren“, so Badziura über seinen Favoriten-Stein. Rechts und links der Rinne ist zudem mal helles, mal graues Fugenmaterial verwendet worden. Das dunkle gefiel gestern besser. Die Rinnsteine zeigen ebenfalls zwei Stein-Varianten. Hier stehe noch ein Gespräch mit der ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten zur richtigen Kantenhöhe an, sagte Karsten Koppmeier. Steine und Kantenwinkel würden „nach unseren Vorstellungen gebaut“, so Badziura. Das heißt, man habe Einfluss auf den Winkel, der im Moment noch als scharfe Kante verlegt ist. Im Dezember erfolgt die Ausschreibung, bis dahin muss die endgültige Entscheidung gefallen sein. Eine Bürgerbefragung sei nicht mehr geplant.

Stolpersteine

Das Pflaster ist ein umfangreicher Posten bei der Altstadtsanierung. Doch bis großflächig erneuert, ersetzt und umgestaltet wird, müssen die Passanten mit Provisorien rechnen, mit Mischflächen aus Asphalt und Pflaster. Und mit Stolperfallen: Denn immer wieder fehlen große und kleine Steine im Kopfsteinpflaster. An den alten roten Klinkersteinen nagt zudem der Zahn der Zeit: Belastungen und Witterung führen zu nicht ungefährlichen Brüchen und Lücken.

„Wir lassen die Straße und auch die Fußwege regelmäßig kontrollieren“, sagt dazu Andreas Fritz, stellvertretender Leiter des Stadtreinigungs-, Bau- und Transportbetriebes (STL). In der Innenstadt übernehme das Ordnungsamt diese Kontrolle. Zuletzt habe man dort noch „etliche Schäden beseitigt“.

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