Wildbret, Wein und Weihnachtsbäume

Probieren, zuschauen, selbst versuchen: Das gehört beim Neuenhofer Adventsmarkt alle Jahre wieder dazu.

LÜDENSCHEID ▪ Das winterliche Wetter war am Wochenende auf dem Rückzug, dennoch versprühte der 18. Adventsmarkt auf Schloss Neuenhof vorweihnachtliche Atmosphäre. Hierzu trugen nicht nur die rund 50 Stände, sondern auch das festliche Programm der zweitägigen Veranstaltung bei.

„Ein Schiff, ein Schiff“: der kleine Oskar hält ein Stück Ton in seinen Händen und möchte daraus partout ein Boot kneten. Marion Drensek sitzt derweil an ihrer Töpferscheibe und formt aus der lehmigen Masse einen Becher. Die kleinen Besucher sind fasziniert von ihrer handwerklichen Arbeit und den vielfältigen Möglichkeiten, die das Material bietet. Die Keramikerin aus Halver ist nicht die einzige Künstlerin, die im alten Sägewerk auf dem Schlossgelände ihr Können demonstriert.

Auch Imker Damijan Kaufman ist mit seinem Stand beim 18. Adventsmarkt dabei. In einem traditionellen Samowar bietet der Lüdenscheider Ingwertee mit Honig an; und die Besucher greifen angesichts der kühlen Temperaturen gerne zu. Immer wieder kommt der Besitzer von 30 Bienenvölkern auf die Funktionsweise dieses besonderen Wasserkochers zu sprechen; wird doch die Teemaschine mit handelsüblicher Holzkohle befeuert.

Gleich nebenan geht Henrike Brauckmann ihrer filigranen Kunst nach. Mit Blattgold verleiht sie kleinen Engelsfiguren den letzten Schliff. „Die schimmernde Folie ist das einzige Material, das sich derart dünn auswalzen lässt“, sagt die in Köln wohnende Künstlerin. Das Handwerk des Vergolders kommt vor allem in Barockkirchen oder bei der Gestaltung von Bilderrahmen zum Einsatz.

„Überhaupt zeichnet sich der Markt dadurch aus, dass heimische Anbieter und Lebensmittel aus der Region das Bild prägen“, so Hausherr Alhard Graf von dem Bussche-Kessell. Wildbret, Wein und Weihnachtsbäume; diese Produkte kultiviert der Gastgeber schon seit Jahren. Knapp 40 Jahre und damit weit über die Existenz des Adventsmarktes hinaus, ist der Weihnachtsbaumverkauf ein fester Bestandteil der familiären Tradition. „Die Bäume sind frisch geschlagen“, so Frank Schneider und Jürgen Daube. Der aktuellen Diskussion um pestizidbelastete Weihnachtsbäume können die beiden Forstwirte nichts abgewinnen. „Unsere Bäume sind handgepflegt und unbelastet. Ein echtes Naturprodukt.“

Damit kann auch Harry Kaiser dienen. Der Bäckermeister hantiert mit einem langen Holzschieber und verfrachtet die Teiglinge in den auf 250 Grad erhitzten Holzofen. „Die Wärmeführung ist einfach eine ganz andere. Die Steine packen die Hitze und geben sie an das Brot weiter“, schwärmt der Bäcker. Dies wirke sich positiv auf das Aroma und die Kruste aus. „Ein Industriebrot könnte diesen Geschmack niemals in gleicher Weise herstellen“, so Harry Kaiser.

Aus dem Schiff für den fünfjährigen Oskar ist hingegen an diesem Nachmittag nichts geworden. Gemeinsam mit seiner Schwester Emma hat er sich regelrecht in den Ton vertieft. Heraus kommt eine kleine Schale.

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