Nur geringer Zeitverlust

Lüdenscheid abgeschnitten: Bahnhof wird aus Hagen nur noch von Bussen angesteuert

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Stündlich fährt der Schienenersatzverkehr von Lüdenscheid nach Hagen. Der Zeitverlust auf dieser Strecke bleibt trotz zusätzlicher Haltestelle gering.

Lüdenscheid - Volontär Kevin Herzog fährt im Selbstversuch mit dem Schienenersatzverkehr nach Lüdenscheid. Was er dort erlebt, lesen Sie hier:

Es ist kurz nach neun Uhr. Statt mit dem Auto fahre ich heute mit dem Schienenersatzverkehr (SEV) zur Arbeit nach Lüdenscheid. Dieser Schienenersatzverkehr wurde seit dem 30. Mai für die Regionalbahn 52 eingerichtet, da zwischen Lüdenscheid und Hagen Brückenarbeiten auf der Zugstrecke durchgeführt werden. Geplant sind die Arbeiten bis zum 28. September.

Aufgrund der großen Baustelle in Rummenohl ist es seit dem 17. Juni gar nicht so einfach, den richtigen Haltestopp des SEV zu finden. In Rummenohl gibt es zwei verschiedene Haltestellen. Die Haltestelle der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) und die des Verkehrsbundes Rhein-Ruhr (VRR). Seit der Errichtung der Baustelle sind die VRR-Haltestellen, die vorher auch als Haltestelle für den SEV fungierten, verlegt worden. 

Die Fahrkarte kaufe ich mir am Ticketautomaten der Deutschen Bahn am Rummenohler Bahnhof. An der Haltestelle angekommen, spricht mich direkt ein Mann an, ob er denn auch an der richtigen Haltestelle steht. Mit einem Schulterzucken kann ich nur erwidern: „Keine Ahnung. Wir werden es sehen, ich gehe aber mal davon aus.“ Im weiteren Gespräch verrät er mir, dass er eigentlich aus Dortmund komme, ziemlich verkatert sei, weil er am Tag zuvor die erste Party seit Corona gefeiert habe und nun sein Auto in Lüdenscheid aus einer Werkstatt abholen wolle. 

Kurze Zeit später kommt der Bus und hält glücklicherweise an der richtigen Bushaltestelle. „Hier ist er schon einmal pünktlich“, denke ich. Nach Betreten des Busses zähle ich sechs Fahrgäste. Im vorderen Bereich fällt mir eine ältere Frau auf, die ich anspreche, um zu erfahren, wie es für sie ist, mit dem SEV zu fahren. Kurz und prägnant antwortet sie, mit den blanken Füßen auf dem gegenüber liegenden Sitz: „Okay.“ Das Gespräch ist somit beendet. 

Nach sechs Minuten Fahrtzeit erreicht der Bus den ersten Haltestopp: Dahlerbrück. An der Haltestelle wartet niemand, zudem hat kein Fahrgast den Stopp-Knopf gedrückt. Also geht es ohne Halt weiter auf der Volmestraße (B54) in Richtung Schalksmühle. Statt am Bahnhof zu halten, steuert der Bus den Ortskern an, um am Rathausplatz zu stoppen. Auch hier ist der Bus auf die Minute pünktlich. 

Im Bus des Schienenersatzverkehrs kann genügend Abstand gehalten werden.

Nächster Stopp: Brügge. „Auch ohne Gebot kann man die Abstandsregeln gut einhalten“, denke ich mir, während ich den Blick durch den Bus schweifen lasse. Dies soll sich jedoch wenige Minuten später ändern. Am Bahnhof in Brügge angekommen steigen elf Fahrgäste ein. Der Mann, den ich in Rummenohl kennengelernt habe, winkt kurz zu mir rüber und steigt aus dem Bus, wobei ich mir nicht sicher bin, ob er in Brügge richtig ist, wenn er sein Auto in Lüdenscheid abholen möchte. 

Mit zwei Minuten Verspätung geht es weiter in Richtung Lüdenscheid. Während der Bus die Lösenbacher Landstraße hinauffährt, stelle ich fest, dass es mit der nun doch hohen Zahl an Fahrgästen schwierig, aber doch noch machbar ist, genügend Abstand zu halten. Neben mir sitzen Schüler, die sich darüber beraten, wie sie denn nun am besten zur Schule kommen und nicht so recht wissen, in welchem Klassenraum sie denn Unterricht haben. Ein Mann, der mir schräg gegenüber sitzt, nutzt die Zeit, um noch kurz zu schlafen. 

Mit nur noch einer Minute Verspätung hält der Bus an der Christuskirche, wo drei Personen den Bus verlassen. Nur drei Minuten später bin ich dann an meinem Ziel Lüdenscheid Bahnhof angekommen. 35 Minuten hat die Fahrt gedauert. Nur etwa zehn Minuten länger als mit der Volmetalbahn. Nach einem kurzen Wortwechsel mit dem Busfahrer, der mir sagt, er fahre nun zur Pausenhaltestelle, steige ich aus und mache mich auf den Weg in die Redaktion an der Schillerstraße.

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