Loveparade-Katastrophe

Loveparade-Katastrophe: Schmerzensgeld für Jugendliche

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Dem Tod am Tunnel knapp entronnen: Im Bild unten rechts umarmen sich die beiden Lüdenscheider Jugendlichen unmittelbar nach dem Geschehen. Jetzt erhalten sie Schmerzensgeld.

Lüdenscheid - Jeweils 5000 Euro Schmerzensgeld für erlittene Todesangst erhalten die beiden Lüdenscheider Jugendlichen, die vor zwei Jahren bei der Loveparade-Katastrophe in Duisburg in der Massenpanik am Tunnel zum Partygelände um ihr Leben kämpfen mussten.

Die Axa als Versicherung des Veranstalters Lopavent zahlt die Summen im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung.

Sie vertritt laut eigener Erklärung dabei auch die Stadt Duisburg, wobei die Frage einer rechtlichen Verantwortung zurückgestellt werde. Deren Anerkenntnis durch die Stadt oder Lopavent sei mit den Zahlungen nicht verbunden. Die Axa übernehme die Leistung aber vorläufig für denjenigen, der möglicherweise als Verantwortlicher ermittelt werde.

Wie der Lüdenscheider Rechtsanwalt Peter Seyfried am gestrigen zweiten Jahrestag der Katastrophe bestätigte, haben seine beiden Mandanten die „Vergleichs- und Abfindungsvereinbarung“ akzeptiert. „Das Geld müsste unterwegs sein.“ Die jeweils 5000 Euro liegen laut Seyfried an der Obergrenze dessen, was andere Opfer in Vergleichsfällen als Schmerzensgeld erhalten hätten. Die Anwaltskosten übernehme die Versicherung gesondert.

Grundlage der Einigung seien nicht die erlittenen körperlichen Blessuren gewesen, unter denen sich auch Bisswunden fanden, wie im Klinikum Hellersen am Abend des Loveparade-Tages festgestellt wurde, sagte Seyfried weiter. Ausschlaggebend seien vielmehr die Todesängste gewesen, die seine beiden Mandanten damals auszustehen hatten: Sie waren am Eingang zum Partygelände in das Gedränge geraten, das 21 junge Menschen das Leben kostete: „Einer der beiden musste mitansehen, wie eine junge Frau vor ihm zu Tode gedrückt wurde.“

Wie berichtet, hatte Seyfried für seine Mandanten nach den schrecklichen Ereignissen Strafanzeigen gegen Unbekannt wegen Körperverletzung gestellt. Aufgrund der ungeklärten Verantwortung gab es zunächst keine konkreten Antworten. Im Juni 2011 habe dann einer der beiden Mandanten 1000 Euro angeboten bekommen – ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und für den Fall, dass er eine Abfindungserklärung unterschreibe. Seyfried: „Das haben wir damals abgelehnt.“

So ging die Auseinandersetzung für die Lüdenscheider weiter, während in Duisburg die Abwahl des Oberbürgermeisters Sauerland ihren Lauf nahm. Wobei Seyfried feststellte, dass dem Versicherer nach seinem Eindruck sehr an der Vermeidung eines formalen Rechtsstreites gelegen war, offenbar wegen der Öffentlichkeitswirkung. Im Internet sei jedenfalls zu verfolgen gewesen, dass immer mehr Geschädigte Leistungen erhielten. Die bewegten sich aber überwiegend bei der Hälfte dessen, was seine Mandanten jetzt erhalten.

Den beiden jungen Lüdenscheidern geht es laut ihrem Anwalt den Umständen entsprechend gut. Die zur Unglückszeit 17- und 18-Jährigen hätten ihre Ausbildungen fortgeführt und keine bleibenden Beeinträchtigungen davongetragen. Beide hatten eine psychologische Erstversorgung erhalten, danach nahmen sie keine Hilfeleistung mehr in Anspruch.

Am Dienstag wurde in Duisburg der 21 Todesopfer der Loveparade gedacht, im Beisein von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und des neugewählten Bürgermeisters Link. In Tageszeitungen erschien bundesweit auch eine Traueranzeige des „Loveparade-Teams“. Darin heißt es: „Wir bedauern aus tiefstem Herzen das Leid, das den Menschen widerfahren ist. Hätte es die Loveparade nicht gegeben, würden die Menschen noch leben.“

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