Loveparade-Geschädigte warten auf Urteile

Das Gelände vor dem Tunnel: Hier wurden auch die beiden jungen Lüdenscheider verletzt. 21 Menschen starben.

LÜDENSCHEID - Nach der Loveparade-Katastrophe, der sie am 26. Juli knapp entkamen, hatten zwei Lüdenscheider Jugendliche Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Körperverletzung gestellt. Jetzt machten sie über Rechtsanwalt Peter Seyfried Ansprüche auf Schadenersatz und Schmerzensgeld geltend, bei der Stadt Duisburg und beim Veranstalter Lopavent als möglichen Anspruchsgegnern. Deren Versicherer Axa meldete sich darauf mit Fragen zum Ablauf und zu den Verletzungen. Seyfried zeigte dafür Verständnis: „Es gibt ja tatsächlich Trittbrettfahrer.“

Die jungen Leute dokumentierten nochmals ihren Kampf ums Überleben am Tunnel, darunter auch Bisswunden. Jetzt, da alles beantwortet ist, beginnt das gespannte Warten auf Ermittlungsergebnisse einer Sonderkommission der Staatsanwaltschaft. Seyfried: „Vor einem Klageverfahren müssen Verantwortliche seriös feststehen.“ Das könne noch lange dauern. Sorge um eine Verjährung der Ansprüche macht er sich nicht: Die trete erst drei Jahre nach Feststellung der Schuld ein.

Die nach dem Unglück mit 21 Toten und hunderten Verletzten eingerichteten Notfallfonds kämen für seine jungen Mandanten nicht in Betracht. Die Stadt Duisburg und der Veranstalter hatten je 500 000 Euro bei der Axa eingereicht, um Betroffenen sofort helfen zu können, die in soziale oder finanzielle Notlagen geraten sind. Das ist bei den Lüdenscheidern nicht der Fall. Auch den millionenschweren Hilfstopf der Landes-Unfallkasse für traumatisierte Opfer nehmen sie nicht in Anspruch.

Diese Fonds haben indes mit der Schadenersatzfrage nichts zu tun, die sich laut Seyfried sehr wohl stellt: „Relevant für Schmerzensgeld ist es auch, einer lebensbedrohlichen Situation ausgesetzt worden zu sein. Auch ein Entführungsopfer hat diesen Anspruch gegen den Täter.“

Den jungen Leuten ging es bei ihrer Anzeige bekanntlich darum, dass jemand für das bestraft wird, was ihnen angetan wurde. Mit Unverständnis verfolgen sie nun die Schuldzuweisungen, sagt ihr Anwalt. Er teilt die Irritation: „Wie kann es sein, dass jetzt eine Überwachungskamera vermisst wird? Die hätten alle sofort beschlagnahmt werden müssen.“

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