Ein gut vorbereiteter und geplanter Akt des Terrors

Gut besucht war am späten Samstagnachmittag das Foyer der Museen, als die Bürgermeister Dieter Dzewas und Louis Tobback sowie Dr. Eckhard Trox die Ausstellung eröffneten. - Fotos: Rudewig

Lüdenscheid - Louis Tobback, Bürgermeister der Stadt Leuven, erinnerte im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung „Leuven, August 1914 – Die Unschuld verloren – Krieg und Kunst“  daran, dass man jährlich an die 250 Abiturienten nach Weimar entsendet, um Goethe und Schiller einzuschätzen, aber auch in die ehemaligen Konzentrationslager, um zu sehen, zu was der Mensch fähig ist.

„Unser vorrangiges Ziel war, das Nachdenken über Krieg anzuregen. Wir wollten zeigen, dass es sich dabei um menschliche und nicht um belgische oder deutsche Dummheit handelt“, sagte Tobback am Samstagnachmittag in der Städtischen Galerie.

Während sich die Stadtarchivarin Leuvens, Marika Ceunen, entschuldigen ließ und auch zahlreiche andere Vertreter aus Politik und Verwaltung keine Zeit gefunden hatten, stellte Bürgermeister Dieter Dzewas die Historie in den Vordergrund seines Grußwortes, die verbrecherischen Methoden der deutschen Truppen bei ihrem Überfall auf eine über Jahrhunderte gewachsene Stadt, in der die Großeltern und Urgroßeltern derer, „die uns heute so freundlich empfangen, getötet wurden.“

Dzewas mahnte, dass sich solche Verhältnisse niemals wiederholen dürfen, Tobback bezeichnete den Überfall auf Leuven als „gut vorbereiteten und geplanten Akt des Terrors ohne militärische Grundlage – wir haben alle dabei verloren und müssen dazu beitragen, dass wir daraus lernen, dass sich das nicht ein drittes Mal wiederholt, und dann vielleicht zum letzten Mal.“

Ein geschichtliches Referat steuerte Museumsleiter Dr. Eckhard Trox zur Eröffnung bei, stellte die Frage nach der Kriesschuld in den Mittelpunkt und schlug damit eine Brücke zum Titel der Ausstellung „Die Unschuld verloren“. Anschließend dankte er dem Stadtarchiv Leuven, das die Fotos zur Verfügung stellte, ebenso dem Osthaus-Museum für die Grafiken und vor allem den Kuratorinnen Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen und Michaela Ernst sowie Volker Kirstein für die technische Unterstützung.

In der Tat sind die ausgestellten Fotos und Kunstwerke in ein ausgesprochen atmosphärisches Licht getaucht. Auch die Kombination zwischen den grafischen Arbeiten mit ihrer großen Bildkraft und den vergrößerten Aufnahmen aus dem völlig zerstörten Leuven, die teilweise in ihrer Darstellung überlappen, tragen ihren Teil zu der Auseinandersetzung mit den Geschehnissen im August 1914 in Leuven bei. Die Ausstellung ist bis zum 18. Januar 2015 zu sehen. - rudi

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