Vorfall in Lüdenscheid

Hoher Lotto-Gewinn stürzt Frau in finanzielle Schwierigkeiten

Die Vorfreude auf einen hohen Lotto-Gewinn stürzte eine Frau in Lüdenscheid in finanzielle Schwierigkeiten. Sie machte einen entscheidenden Fehler.

Lotto macht viele glückliche Gewinner. Allein in den vergangenen fünf Jahren gab es im Lotto, im Eurojackpot, beim Spiel 77 und bei Super 6 insgesamt 24 Großgewinne mit mehr als 100.000 Euro Gewinn im Märkischen Kreis. Darunter waren alleine sechsmal sechs Richtige im Lotto 6 aus 49. Fast 900.000 Euro war dabei der Lotto-Höchstgewinn. Nicht immer sind es so hohe Summen, aber auch 28.000 Euro können viele Geldsorgen beseitigen. Diesen Gewinn sollte eine Frau aus Lüdenscheid erhalten - nach einer angeblichen Lotterieteilnahme.

Lotto-GesellschaftWestlotto
SitzMünster
gegründet1955

Das Glück kam aus dem Nichts. Die Frau hatte weder Lotto gespielt noch an einem anderen Gewinnspiel teilgenommen, dennoch hatte sie in den zurückliegenden Monaten schon mehrfach hohe Gewinne eingestrichen - wie ihr verschiedene Anrufer mitteilten. Auf ihrem Konto waren die Lotto-Gewinne allerdings bislang nicht eingegangen - ohne dass die Frau auch nur ansatzweise misstrauisch wurde.

Lotto-Gewinn in Lüdenscheid: Frau gibt Verkäuferin in Tankstelle 600 Euro

Diesmal also sollte es ein Lotto-Gewinn von 28.000 Euro sein.. Die Euphorie und das Glücksgefühl bei der Frau konnte auch die Forderung nach einer „läppischen Kurier-Gebühr“ von 300 Euro nicht vertreiben. Die Frau sollte dafür Geldcode-Karten am Telefon durchgeben - was sie auch tat. Die Geldcode-Karten sind bares Geld wert und kaum nachzuverfolgen. So kassierte der angebliche Glücksbote das erste Mal an diesem Tag ab, berichtet die Polizei.

Der Anrufer bekam den Hals jedoch nicht voll und forderte weitere 600 Euro. Die Frau fuhr erneut los, diesmal zu einer Tankstelle. Die „Gewinnerin“ gab der Verkäuferin 600 Euro für die geforderten Karten. Die Mitarbeiterin verkaufte der Frau zwar die Karten, hakte jedoch nach und erfuhr so von dem vermeintlichen Lotto-Gewinn. Bei der Verkäuferin fiel der Groschen sofort. Sie rief die Polizei.

Lotto-Gewinnerin kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus - als die Polizei vor ihr steht

Die Beamten sorgten wiederum für Erstaunen bei der Lotto-Gewinnerin. Bei dem Geldkarten-Kauf sei alles richtig gelaufen, erklärte sie. Schließlich habe sie viel Geld gewonnen und müsse jetzt die Code-Nummern durchgeben. Prompt klingelte ihr Telefon. Als sie dem Anrufer jedoch erzählte, dass zwei Polizeibeamte neben ihr stünden, legte der auf.

Besonders bitter: Wie die Polizei mitteilte, war die 61-jährige Frau aus Lüdenscheid nicht zum ersten Mal auf Betrüger hereingefallen und hat bereits mehrmals deutlich höhere Summen gezahlt. Wie dramatisch solche vermeintlichen Lotto-Gewinne enden können, zeigt der Fall eines Lüdenscheiders mit kleiner Rente, der im vergangenen Jahr wegen eines solchen Lotto-Gewinns all sein Geld verlor.

Ein Lotto-Gewinn kommt selten allein? Wann Sie misstrauisch werden müssen

Die beiden sind nicht die einzigen „Wiederholungsopfer“ im Märkischen Kreis. Deshalb appelliert die Polizei an Verwandte, Bekannte, Freunde und Nachbarn älterer Menschen. Sprechen Sie mit ihnen immer wieder über die Maschen der Betrüger. Der wichtigste Rat lautet: „Sofort auflegen!“ Zu schnell lassen sich leichtgläubige Opfer um den Finger wickeln und zahlen wider besseren Wissens - oder einfach, um den nervigen Anrufer loszuwerden. Die erfahrenen Betrüger arbeiten mit allen psychologischen Tricks und wissen, wie sie mit ihren Opfern umgehen müssen. Wer an keiner Lotterie teilgenommen hat, der kann auch nichts gewinnen.

Wer die Gefahr solcher Anrufe vermindern will, dem rät die Polizei, sich entweder ganz oder den Vornamen aus den Telefonverzeichnissen streichen zu lassen. Denn die Täter suchen in den Verzeichnissen gezielt nach älter klingenden Vornamen. Eine Xenia dürfte seltener solche Anrufe bekommen als eine Wilhelmine.

Lotto-Masche hat für Betrüger einen Vorteil - sie müssen den Gewinn nicht teilen

1550 betrügerische Anrufe bei Senioren wurden der Polizei im Märkischen Kreis im Jahr 2019 gemeldet. Die Bilanz für das vergangene Jahr steht noch aus. Wöchentlich fielen mindestens zwei ältere Opfer auf die Betrüger herein. Mindestens 117-mal zahlten die Opfer an die falschen Polizeibeamten, Enkeltrick- oder Gewinnspielbetrüger. Die Dunkelziffer der nicht angezeigten Fälle dürfte deutlich höher liegen. Die Täter sitzen im fernen Ausland, sprechen meist trotzdem akzentfrei Deutsch. Bei der Masche mit dem Gewinnspielen brauchen sie die Beute nicht einmal mit einem Abholer zu teilen. Auch vermeintliche Inkassofirmen haben eine Lotto-Abzocke entwickelt - wie ein Fall aus Lüdenscheid zeigt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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