"Lost Place" in Lüdenscheid

Inside Sauerland-Center - mit der Kamera durchs verlassene Hochhaus

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In der fünften Etage haben die Handwerker mit der Entkernung begonnen. Rigips, Metall und Installationen werden nach dem Abbruch getrennt und mit dem Fahrstuhl nach unten gebracht.

Lüdenscheid – Das Sauerland-Centers in Lüdenscheid ist ein "Lost Place". Nur wenige Menschen verirrten sich in den vergangenen Jahren in den leerstehenden Turm. Mit der Kamera dokumentierten wir den Zustand.

  • Das Sauerland-Center gilt als Problem-Immobilie in Lüdenscheid
  • Das Hochhaus mit Einkaufszentrum und Café wurde verkauft
  • Investor Musa Arisoy erlaubt seltene Einblicke in das Gebäude

Im weitgehend leerstehenden Sauerland-Center haben die Handwerker das Kommando übernommen. Bereits am Dienstag wurden die ersten Wände im Turm herausgebrochen. Schutt, Metall und Inventar bringen die Arbeiter per Aufzug ins Erdgeschoss. Dort warten gut gefüllte Container auf den Abtransport. 

Das Sauerland-Center in Lüdenscheid wird saniert. Zuvor dokumentierte unsere Zeitung des Zustand

Investor Musa Arisoy, der die einstige Problem-Immobilie gekauft hat, drückt aufs Tempo. In spätestens sechs Wochen soll die Entkernung zwischen dem zweiten und neunten Obergeschoss abgeschlossen sein. Dort werden anschließend Büros und Aufenthaltsräume für rund 80 Mitarbeiter des Lüdenscheider Jobcenters entstehen. Zudem will er ein Café, ein Supermarkt und weitere Büromieter ansiedeln

Neben Jobcenter hat Investor einen weiteren Mieter gewonnen - für ein Bistro

Zum Ortstermin hat Arisoy gute Nachrichten im Gepäck. Soeben hat er einen Mietvertrag für die Gastro-Fläche im ersten Obergeschoss unterzeichnet. Namen könne er noch nennen, sagt Arisoy. Geplant sei ein griechisches Bistro und Café. Auch die Gespräche über die Anmietung von Büroflächen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss verliefen vielversprechend. 

Im ehemaligen Bistro „En Plo“ ist die Bar noch bestückt.

Musa Arisoy hat unsere Redaktion zum Rundgang eingeladen. Er will den Zustand des Objekts dokumentieren lassen – – und zwar so, wie er es übernommen hat. Der 39-Jährige freut sich im Herbst – wenn alles fertig ist – auf die „Vorher-Nachher-Bilder“.

Moos auf den Balkonen, aber kein Schimmel im ungeheizten Hochhaus

Mit dem Aufzug geht es ins achte Obergeschoss. Im Turm befand sich über Jahrzehnte ein Seniorenheim. Die Möbel und die Menschen fehlen, ansonsten sind die Zimmer, Gruppenräume und Toiletten seit dem Auszug unberührt. Auf den umlaufenden Balkonen hat sich Moos ausgebreitet.

Projektentwickler Musa Arisoy aus Lüdenscheid. 

Auffallend ist, dass es in dem seit Jahren ungeheizten Hochhaus keinen Schimmel gibt. Insgesamt halten sich die Schäden auf dieser Etage in Grenzen. Nur das Glas der Zugangstür ist zersprungen. „Hier kommt alles raus, auch die Heizungen und die Fenster. Nach der Entkernung bleiben nur die tragenden Wände stehen“, sagt Arisoy, bevor es mit dem Aufzug in den fünften Stock geht. 

Bauarbeiter reißen alle Einbauten im fünften Stock heraus

Dort schlagen Arbeiter den Rigips von den Metallständern in den Wänden. Es ist laut und staubig. Sie kommen gut voran. Bis Ende der Woche soll die komplette Etage frei sein. Der Abraum wird getrennt und in kleinen Loren im engen Fahrstuhl nach unten transportiert. 

In den ehemaligen Redaktionsräumen der Westfälischen Rundschau zerstörten Unbekannte die Wände.

In den drei Sockel-Etagen gab es mehr Vandalismus als im Turm. In der ehemaligen Rundschau-Redaktion und in anderen Büros wurden Feuerlöscher entleert, Wände und Scheiben zertrümmert. Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld. 

Investor engagiert 24-Stunden -Wachdienst für die Immobilie

Arisoy bleibt gelassen. „Man darf sich von den Vandalismusschäden nicht erschrecken lassen. Es muss ja eh alles raus“, sagt der Investor. Um neue Schäden zu vermeiden, hat er einen 24-Stunden-Wachdienst organisiert. Abbrucharbeiten sind ab sofort seinen Handwerkern vorbehalten. 

Alle Fotos unseres Rundgangs durchs Sauerland-Center gibt es hier: 

"Lost Place": Vor der Sanierung im leerstehenden Sauerland-Center

Die Nachricht vom Verkauf der Immobilie hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Die Pläne des Investors stießen in Politik und Gesellschaft weitgehend auf eine positives Echo. Stillstand herrscht dagegen bei einer weiteren Problem-Immobilie - dem P&C-Gebäude. Dort sollte ein Stadtturm entstehen. Neues Leben gibt es auch im Forum - im Ex-Johnny-Mauser gibt es wieder eine Disco

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