Messwerte aus 120 Jahren

Lokaler Klimawandel: Temperatur in Lüdenscheid um 1,5 Grad gestiegen

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Im Schnitt wird es wärmer: Die Grafik zeigt die mittleren Jahrestemperaturen am Staberg zwischen 1900 und 2018. 

Lüdenscheid – Ist der Klimawandel auch lokal bemerkbar? Die Daten der 444 Meter hoch gelegenen Meteorologischen Station am Staberg geben Aufschluss über die Veränderungen in den vergangenen fast 120 Jahren.

Unsere Zeitung konnte die Messungen einsehen und fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen: 

Lufttemperatur

Die durchschnittliche Jahrestemperatur ist im langjährigen Mittel seit 1900 von 7,3 auf 8,8 Grad Celsius gestiegen. Bis zum Jahr 2018 entspricht das einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius. Dabei ist seit Beginn der 1980er Jahre aus dem linearen ein eher exponentieller Anstieg geworden – das bedeutet: Der Temperaturanstieg hat sich beschleunigt. So fielen acht der zehn heißesten Jahre im Betrachtungszeitraum auf die Zeit nach 2000. Das heißeste Jahr war 2018 mit einem Mittelwert von 10,5 Grad Celsius. Das kälteste Jahr liegt lange zurück: 1956 erreichte Lüdenscheid eine Jahresdurchschnittstemperatur von gerade einmal 6,3 Grad Celsius. 

Warme Tage

An einem meteorologischen Sommertag klettert die Temperatur auf mindestens 25 Grad Celsius. An einem sogenannten heißen Tag sogar auf mindestens 30 Grad Celsius – im Schatten. In beiden Kategorien gab es in den vergangenen fast 120 Jahren deutliche Steigerungen. Im langjährigen Mittel verdoppelte sich fast die Zahl der heißen Tage – von 1,8 auf 3,5. 2004 war das letzte Jahr ohne einen einzigen heißen Tag. In den 14 Jahren seitdem gab es 72 heiße Tage.

Das sind die Lüdenscheider Wetter-Rekorde

In den 41 Jahren von 1950 bis 1990 waren es nur 46. Im Schnitt gibt es in Lüdenscheid heute fünf Sommertage mehr als im Jahr 1900 – nämlich 21. Im vergangenen Jahr wurde mit 65 Sommertagen ein neuer Allzeit-Rekord aufgestellt. Dabei ist es auch weniger bewölkt. Im langjährigen Mittel beträgt die Sonnenscheindauer heute täglich 36 Minuten mehr als noch im Jahr 1900 – im Durchschnitt rund vier Stunden und 18 Minuten. 

Kalte Tage

Hier unterscheiden die Meteorologen zwischen Frost- und Eistagen. An einem Frosttag muss die Temperatur unter 0 Grad Celsius fallen. An einem Eistag steigt sie nicht über die Gefriergrenze. Der Vergleich der Werte aus fast 120 Jahren zeigt in beiden Kategorien deutliche Rückgänge. So ging die Zahl der Frosttage im langjährigen Mittel um 22 Tage auf unter 70 zurück. Zudem gab es im Mittel sechs Eistage weniger – im Schnitt sind es heute noch 21 Tage. 

Niederschlag

In Lüdenscheid gibt es deutlich mehr Niederschläge als im bundesdeutschen Durchschnitt von knapp 765 Millimetern im Jahr. Dennoch zeigt die Näherungs-Kurve seit dem Jahr 1900 auch hier leicht nach unten. 

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Der Jahresdurchschnitt ging von 1250 auf 1200 Millimeter zurück. Dabei fiel mit den Jahren tendenziell weniger Schnee. Die Zahl der Tage mit geschlossener Schneedecke ging im Schnitt von fast 58 auf etwas mehr als 49 zurück. Die gemessene maximale Schneehöhe „schmolz“ im Jahresmittel von 42 auf knapp 25 Zentimeter. 

Sturm/Wind 

Ausgewertet wurden die Zahl der Sturmtage pro Jahr sowie die schnellste gemessene Windböe eines Jahres. An einem Sturmtag hat der Wind eine Stärke von Beaufort 8, also eine Geschwindigkeit von mindestens 76 km/h. Heute gibt es im Schnitt zwei Sturmtage weniger als noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts – nämlich etwas weniger als 50. 

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Die stärksten Windböen in einem Jahr haben sich im Schnitt nur minimal gesteigert. Zuletzt lag der Wert bei 118 km/h. Die stärkste jemals gemessene Böe in Lüdenscheid erreichte im Jahr 1990 eine Geschwindigkeit von 166 km/h. 

Fazit 

Das lokale Klima hat sich im Verlauf von fast 120 Jahren deutlich verändert. Es wurde dabei nicht nur wärmer. Der durchschnittliche Temperaturanstieg war begleitet von einer höheren Sonnenscheindauer und mehr Sommertagen. Analog dazu wurden die Winter milder, was dazu führte, dass weniger Schnee fiel.

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