Lohn für Mut und Umsicht

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Kriminaldirektor Ulrich Hemicker (l.) und Polizeisprecher Dietmar Boronowski halten den Einsatz von Pia Meyer und Julian Müller für „absolut vorbildlich“.

Lüdenscheid - „Alles richtig gemacht“ und „Mehr geht nicht“ – das ist die Note 1+ für Zivilcourage. Zum ersten Mal zeichnet die Polizei im Märkischen Kreis zwei Bürger für mutiges und umsichtiges Handeln aus. Pia Meyer und Julian Müller haben dafür gesorgt, dass vier Einbrecher festgenommen und ihre Beutestücke sichergestellt werden konnten. Kriminaldirektor Ulrich Hemicker ist begeistert. „Das ist absolut vorbildliches Verhalten gewesen.“

Pia Meyer (28) und Julian Müller (27) erinnern sich noch an jedes Detail. Hemicker, oberster Kriminaler der Kreispolizeibehörde, nennt das „kriminalistische Grundhaltung“ und erfreut sich an der Schilderung und dem „tollen Verhalten“ des Paares.

Es ist der 6. September. Die beiden Lüdenscheider wollen ein Haus in Stüttinghausen besichtigen. Julian berichtet: „Kurz vor dem Malterscheid fiel mit beim Vorbeifahren ein Polo am Straßenrand auf. Die Scheiben waren runtergekurbelt, ein Mann mit ausländischem Aussehen saß darin und schien auf irgendwas zu warten.“ Worauf er wartet, stellt sich eine Minute später heraus. Pia: „Wir haben zwei Männer in schwarzen Adidas-Trainigsanzügen gesehen, die kamen uns entgegen.“ Sie fragt die beiden, was sie suchen oder ob sie ihnen helfen könne. „Und da fiel mir auf, dass sie unter ihren Jacken etwas trugen, die waren total bepackt.“

Julian sagt zu seiner Freundin „Da ist irgendwas komisch“ und sieht, wie die Männer in den Polo springen und der Fahrer „mit 80 Sachen davonfährt“. Da ist die Geschichte eigentlich gelaufen, Julian Müller lässt sich nicht auf eine rasende Verfolgung mitten in einem Wohngebiet ein. „Ich bin doch nicht verrückt.

Doch wenige Minuten später hilft der Zufall. Vor der roten Ampel am Burger King auf der Kölner Straße steht der Polo, immer noch mit offenen Fenstern, in der Schlange zwei Autos vor Pia und Jürgen – biegt links auf die Talstraße ab, dann rechts zum Nattenberg-Bad und dann die Serpentinen in Richting Stadion hoch.

Julian fährt langsam hinterher, Pia wählt auf dem Handy die 110 und alarmiert die Polizei. Die Leitstelle dirigiert zwei Streifenwagen zum Nattenberg. Inzwischen steht der Polo kurz vor dem Stadion vor den Absperrpfosten und kommt nicht weiter. Die Flucht der Insassen zu Fuß endet, als die Polizisten eintreffen und die Handschellen klicken. Das Quartett sitzt nun in Untersuchungshaft.

Ulrich Hemicker und Pressesprecher Dietmar Boronowski überreichen Feinkostartikel an die Helden – doch die öffentliche Würdigung ihres Mutes wiegt 1000mal mehr als die kleinen Fleischkonserven.

Von Olaf Moos

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