Kreisbrandmeister Michael Kling plädiert für einheitliche Modelle

Atemschutz: Logistische Schwächen bei den Feuerwehren im MK

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Zu Zweit gehen die Trupps unter Atemschutz vor – wie hier beim Großbrand einer Galvanik in Iserlohn. Wenn Feuerwehren aus mehreren Kommunen beteiligt sind, wird es mit dem Einsatz der Atemschutzgeräte kompliziert.

Lüdenscheid - Bei den Großbränden in einer Galvanik in Iserlohn und am Altenaer Hegenscheid funktionierte die Zusammenarbeit der Feuerwehren hervorragend. Doch bei den Atemschutzgeräten gibt es logistische Schwächen. Es werden unterschiedliche Typen verwendet und deshalb sind sie nicht kompatibel. Das soll sich ändern.

Einheitliche Modelle sollen den Flickenteppich beseitigen. In jeder Stadt und Gemeinde im Märkischen Kreis ist eine Feuerwehr stationiert und alle Einheiten haben eigene Atemschutzgeräte. Iserlohn und Lüdenscheid verfügen beispielsweise über jeweils rund 140 Apparate, in Nachrodt-Wiblingwerde sind es 30. Insgesamt liegen bei den Feuerwehren im Märkischen Kreis 1400 Atemschutzgeräte in den Fahrzeugen und Regalen.

Allerdings gibt es 17 unterschiedliche Typen – pro Kommune mindestens zwei. „Das wollen wir ändern“, sagt Kreisbrandmeister Michael Kling, und fügt mehrere Gründe an, die für eine einheitliche Beschaffung und einen Gerätepool sprechen, aus dem alle Städte und Gemeinden bedient werden.

Zwölf Kommunen bereits interessiert

Die Vielfalt ist im Ernstfall ein gravierendes Manko, denn die Geräte sind in ihrer Handhabung und vor allem in ihrer Leistungsfähigkeit sehr unterschiedlich. „In den einen Flaschen reicht die Luft für 30 Minuten, in den anderen nur für 20. Mal gehört eine Flasche zur Ausrüstung, mal sind es zwei kleine. Bei großen Einsätzen müssen wir deshalb auch immer darauf achten, dass die Zwei-Mann-Trupps, die unter Atemschutz den Brandherd bekämpfen, auch über die identische Ausrüstung verfügen.“

Der Hemeraner Feuerwehrmann kann unter Umständen nicht parallel mit seinem Kameraden aus Altena eingesetzt werden, weil die technischen Voraussetzungen nicht gleich sind. „Mit identischen Typen ist die gegenseitige Unterstützung einfach.“ 30 bis 50 Prozent der Einsatzkräfte sind an Atemschutzgeräten ausgebildet.

Michael Kling

Der zweite Nachteil: Die Geräte werden überwiegend von Ehrenamtlichen nach dem Gebrauch gepflegt. Das Schrubben der Masken und Befüllen der Flaschen erfolgt zumeist während der Abendstunden in den Gerätehäusern. „Das kommt an Zeit alles noch obendrauf.“ In der Feuerwehr-Service-Zentrale in Iserlohn ließen sich künftig solche Aufgaben viel besser bündeln, ist Kling überzeugt, zumal dort ohnehin die Geräte geprüft würden.

Das habe bislang umständliche Transportrouten zur Folge: Die Ausrüstung aus Herscheid wird abgeholt, gecheckt und wieder in die Gemeinde gebracht – alles eins zu eins. Bei einer Pool-Lösung entfalle die exakte Zuordnung – was vorher in Plettenberg im Einsatz war, könne dann auch in Kierspe genutzt werden. Bei den Schläuchen gebe es dieses Verfahren bereits. „Hier hat sich die Pool-Lösung schon seit vielen Jahren bewährt.“

Der nächste Pluspunkt: „Bei einer zentralen Beschaffung von 1400 Geräten erzielen wir natürlich andere Konditionen, als wenn jede Kommune für sich ein oder zwei Modelle bestellt.“ Ersatzteilbeschaffung und Ausbildung ließen sich ebenfalls deutlich vereinfachen.

Bei der Bürgermeisterkonferenz im September sei dieses Konzept, das bereits im Kreis Soest und im Hochsauerlandkreis sehr gut funktioniere, vorgestellt worden. Zwölf Kommunen haben bereits Interesse angemeldet, eine Zusage könne erst nach erfolgtem Ratsbeschluss in der jeweiligen Kommune erfolgen. Für Lüdenscheid und Menden gebe es für die Zurückhaltung nachvollziehbare Gründe, so Kling. Denn beide Städte verfügten über eigene Werkstätten. „Damit haben wir auch kein Problem. Dennoch kann eine Beteiligung an der Beschaffung für diese Kommunen ebenfalls interessant sein.“ Für alle, auch für Altena, mache die Sache ohne Wenn und Aber Sinn.

Notwendig für ein gemeinsames Vorgehen sind Kreistags- und Ratsbeschlüsse, um eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen den Kommunen und dem Märkischen Kreis auf den Weg zu bringen. Dann könne bereits Anfang nächsten Jahres die europaweite Ausschreibung erfolgen, erklärt der Kreisbrandmeister.

„Die rasche Einsatzstellenversorgung mit frischem Material ist gerade bei Großeinsatzlagen extrem wichtig. Mit einer Pool-Lösung können wir von Iserlohn aus in die laufenden Einsätze nachversorgen. So gewinnen wir mehr Flexibilität und können zugleich die Haushalte der Städte und Gemeinden entlasten. Ein solches Verfahren hat am Ende nur Gewinner.“

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