Skurril: Löwenzahn bringt Unfrieden auf den Friedhof

LÜDENSCHEID ▪ Hat das optische Erscheinungsbild des evangelischen Friedhofs Mathildenstraße schwer gelitten, weil Familie Reinbold einen einzelnen Löwenzahn auf dem Familiengrab nicht entfernt hat? Hat die Friedhofsverwaltung überreagiert, als sie das Ehepaar mit dem Hinweis aufs „ungepflegte“ Grabbeet anschrieb?  

Sechs Wochen wurden Familie Reinbold eingeräumt, um „die erforderlichen Arbeiten" zu erledigen.

Peter Reinbold war jedenfalls empört über besagtes Schreiben der Verwaltung und beschwerte sich auch gleich im Büro der Friedhofsverwaltung. Dort habe man die Wogen allerdings nicht geglättet, sondern ihm auch noch ein Bild des einsamen Löwenzahns gezeigt, der dem Friedhofsgärtner bei der routinemäßigen Begehung offensichtlich negativ aufgefallen sei. Die Friedhofsverwaltung möge sich mal an die eigene Nase packen, finden Renate und Peter Reinbold. Sturzfallen auf ungepflegten Wegen seien nur ein Problem, finden die beiden, die in ihrem ersten Ärger sogar erwogen, aus der Kirche auszutreten. „Bei der Witterung gehe ich sonst zweimal die Woche zum Friedhof“, fügt Peter Reinbold noch hinzu. Nur wegen einer OP habe er den Rhythmus nicht einhalten können.

„Ja, da sind wir wohl übers Ziel hinausgeschossen“, räumt Volker Schöbel zerknirscht ein. Ein einsamer Löwenzahn – „das nennt man wohl Spontanvegetation“. Das sei aber nicht der klassische Fall, für den man diese Briefe auf den Weg schicke, sagt der Geschäftsführer des evangelischen Friedhofsverbandes. Rund 400 Briefe gingen nach der letzten Begehung raus. In der Regel reagiere man damit auf Beschwerden, wenn Nachbargräber über einen längeren Zeitraum nicht gepflegt würden. Dann solle das Schreiben auch „nicht mehr als ein Hinweis“ sein. In diesem Fall sei es sehr, sehr unglücklich gelaufen; inzwischen gab’s ein klärendes Gespräch. Meist zweimal im Jahr erfolge eine Friedhofsbegehung, auch, um die Standfestigkeit von Grabmalen zu überprüfen. Generell gelte aber: „Die Zahl der ungepflegten Gräber ist ein Problem für jeden Friedhofsträger.“

Susanne Kornau

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