Innenstadt still und leer

Lockdown sorgt für vorweihnachtlichen Ausnahmezustand

Lockdown: Im Lüdenscheider Stern-Center dürfen nur wenige Geschäfte öffnen. Die Mehrzahl bleibt geschlossen, einige geben zumindest vorbestellte Waren aus.
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Abgesperrte Rolltreppen, fast nur geschlossene Geschäfte: Tristesse im Weihnachtsgeschäft 2020

Das silberne Paillettenkleid glitzert nicht. Die Scheinwerfer im Schaufenster sind aus. Wozu Kunden anlocken, wenn der Laden geschlossen ist? Obwohl: Wer will, findet einen Weg zum festlichen Kleid.

Lüdenscheid - Die Händler sind flexibel, telefonisch oder online erreichbar, bei den Umtauschregeln kulant. Fehlen nur die Kunden.

Endspurt vor den Feiertagen. Vor einem Jahr war das der übliche Wahnsinn – mit langen Autoschlangen vor überfüllten Parkhäusern. Mit Engelschören, Schlittschuh-Geschiebe auf der Eisbahn und drangvoller Enge daneben, einem schnellen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, bevor es zurückging in den Trubel, für die wirklich allerletzten Einkäufe. Bereits voll bepackt und mit dem leisen Wunsch, alles möge anders sein. Ohne Gedränge. Ohne Konsumhetze.

Polizei und Papierbotschaften

Nun ist es anders. Ein junger Mann bringt an der Hauptpost ein letztes Paket auf den Weg. Die nächste in der Reihe lässt eine Weihnachtskarte nachfrankieren. 7 Personen dürften rein. So viele sind es nicht, kurz vor Mittag, kurz vor Weihnachten. Das Erzgebirgehaus auf dem Sternplatz ist bereits abgebaut. Letzte Weihnachtsmarkt-Bastion ist ein einzelnes, erleuchtetes Knusperhäuschen, mit Lebkuchenherzen und mehr. Und Ilcevs Grillstand, am anderen Ende des Platzes. Eine junge Frau isst ein schnelles Würstchen in einem Hauseingang, weit genug weg. Ein Radfahrer kreuzt zügig den Platz, ohne Maske, dafür eingehüllt in eine Rap-Musik-Wolke. Ansonsten ist es still. Zu still. Selbst das Quartett, das drüben zusammensteht, scheint nur zu flüstern. Der Blick fällt auf einen Zettel: „Unser Bekleidungshaus ist auf Basis einer behördlichen Anordnung geschlossen. . . . Das macht Sinn.“ Bittere Ironie.

Ein Polizeifahrzeug fährt Schritt über den Rathausplatz, Tauben flattern hoch, Tkmaxx entschuldigt sich „für die Unannehmlichkeiten“. Es ist die Zeit der Papierbotschaften, der Zettel an Türen. Weihnachtszeit. Die Polizei fährt weiter die Wilhelmstraße hoch, vorbei an der Warteschlange vorm Metzger. Essen geht immer. Irgendwo kann man offensichtlich noch Geschenkpapier kaufen. Aber der holländische Blumenhändler darf nur Blumen verkaufen, keine Deko. „Wegen Corona.“

Wegen Corona herrscht auch im Center Tristesse. Der Segafredo-Mann spielt am Handy, ein Schmuckhändler wirbt mit „50 % reduziert wegen Lockdown“. Rot-weißes Flatterband hält rot-weiße Christbaumkugeln auf Abstand – und die Menschen auch. Manche Türen sind halb geöffnet, halb wieder verrammelt: Hinter Abholungstheken für Online-Bestellungen ist Licht und Bewegung. Woanders stapelt sich der Adventskram kartonweise an der Tür, abholbereit für den Rückweg ins Zentrallager. Im Regal stehen nun Duftstäbchen, Buddhas, Deko in Frühlingsfarben. Neues Jahr, neues Glück.

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