Ein Blick in die Lüdenscheider Innenstadt

Vor dem Lockdown: Warteschlangen und Hetze in der Fußgängerzone

Sorgen vor dem anstehenden Lockdown trieben am Samstag Kunden und Händler in Lüdenscheid um. Voll, aber längst nicht so voll wie gewöhnlich an einem dritten Adventssamstag – üblicherweise einer der verkaufsstärksten Tage im Jahr - waren Markt und Innenstadt.

Lüdenscheid – Der anstehende Lockdown trieb die Leute am Samstag in die Lüdenscheider Innenstadt. Viele besorgten noch schnell die letzten Geschenke und verließen die Geschäfte mit vollen Einkaufstüten. Andere deckten sich frühzeitig, um noch alles zu bekommen, mit Festtagsbraten und Leckereien für die Feiertage ein. Wieder andere erledigten ihre üblichen Einkäufe auf die Schnelle. Mancherorts – wie bei TK Maxx am Rathausplatz oder Snipes im Stern-Center - bildeten sich lange Schlangen vor Geschäften. Andernorts beklagten Händler einen Rückgang des Geschäfts.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohner 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Sehr gemischt fielen die Antworten auf Fragen nach dem Weihnachtsgeschäft aus. Den harten Lockdown – wann kommt er und für wen – hatte jeder im Hinterkopf. Zu denen, die am Samstag regelrecht überrannt wurden, gehörte der Marktstand des Hofs Hörnemann, wo die Kunden für Frisches vom Bauernhof, Kaninchenkeulen, Gänsebrust, Entenfilet und andere Festtagsbraten Schlange standen. „Wir können’s kaum schaffen“, meinte Wilhelm Hörnemann. „Die Nachfrage ist unglaublich.“ Seine Erklärung: „Die Leute denken, dass alles zugemacht wird und wollen sich ihren Weihnachtsbraten sichern.“ Bis zur Post habe die Schlange schon am frühen Morgen gereicht.

Shopping vor dem Lockdown: Kunden verlieren Lust am Bummeln

Die Lust am Bummeln war indes seiner Kundin Angela Scobel („Schnell, schnell, schnell… Alles andere online“) aufgrund der aktuellen Situation vergangen. Auch Margarete Redemann meinte: „Wo soll man denn bummeln? Ich möchte mir gern mal etwas kaufen, aber die Geschäfte machen ja schon wieder zu.“ Andere Markthändler blickten bang auf die kommende Woche. „Wenn’s wenigstens bis Weihnachten wäre“, meinte beispielsweise Ingrid Gundlach von Blumen Gundlach – am Samstag „zufrieden“ mit dem Verkauf – zur Ankündigung eines harten Lockdowns. Die Angst schwang mit, mitten im Weihnachtsgeschäft nicht wiederkommen zu dürfen. Ähnlich sah das Tanja Schneider von Blumen Risse, die bis jetzt „zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft“ war. „Wenn der Lockdown nächste Woche kommt, dann ist das Weihnachtsgeschäft, das wir uns erhofft haben, dahin.“

Sehr gut zu tun hatten am Samstag Oliver Scherff und sein Team im Feinkostgeschäft Papageno. „Wir haben offenbar auf die richtigen Artikel und das richtige Personal gesetzt.“ Sogar die Köchin arbeitet als Verkäuferin mit. Der Renner: Präsentkörbe voller Leckereien. „Die Leute gönnen sich etwas zum Fest.“ Für den Fall der Fälle sind bei Papageno zwei Teams im Einsatz. Fällt ein Team aus, kann das zweite den Betrieb aufrechterhalten.

Shopping vor dem Lockdown: Innenstadt belebt, aber nicht übermäßig voll

Gut zu tun, wie sich an den Wartenden vor Geschäften zeigte, hatten auch Schmuckgeschäfte und Parfümerien. Belebt, aber nicht übermäßig voll war am Samstagmittag das Stern-Center, wo Thomas Jacob fürs Kinderhospiz Balthasar Spenden sammelte – „damit wenigstens für die kranken Kinder etwas zusammenkommt“. Als Hingucker hatte er die Weihnachtsdeko seines Glühweinstands, der in diesem Jahr ebenso fehlt wie Eisbahn und Weihnachtsmarkt, mitgebracht.

Geschäftiges Treiben, aber kein Geschiebe: Markt und Innenstadt waren am Samstag voll, aber längst nicht so voll wie gewöhnlich an einem dritten Adventssamstag. Obst und Gemüse, Festtagsbraten und Wurst – das ging gut auf dem Markt.

Ohne Weihnachtsmarkt nicht so gut, aber immerhin zufriedenstellend liefen die Geschäfte in der Erzgebirge-Pyramide von Romina Suliani. „Die Alternative war Null“, meinte sie. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv. „Die Leute freuen sich, dass wir da sind.“ Von Wertschätzung für das Handgemachte war die Rede.

Alles in allem waren es eher gezielte Einkäufe, die die Kunden am Samstag in die Innenstadt trieben. Sei’s der wöchentliche Einkauf auf dem Markt wie bei Familie von der Horst, die in vierter Generation beim Markthändler ihres Vertrauens einkauft, sei’s, um Bilder entwickeln zu lassen, wie bei Jupp Filippek oder um die lokalen Händler zu unterstützen wie bei Jörn Justi und Kaoutar Joulane: Gezielt steuerten die Menschen auf die Geschäfte zu – und hielten sich nicht lange auf.

Rubriklistenbild: © Jakob Salzmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare