Lockdown, Lockerungen, Neustart: So erleben die Lüdenscheider Wirte die Corona-Krise

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Das Museumscafé ist beliebt bei Gruppen, die sich hier wieder bei Kaffee und Kuchen treffen. An schönen Tagen kann man auch im Museumsgarten sitzen.

Lüdenscheid - Seit dem 11. Mai wird in der Gastronomie gelockert, seit gut einer Woche ist die „Aktuelle Corona-Schutzverordnung (CoronaSchVO) und Hygiene-Anlage“ der Landesregierung in Kraft. In den Lüdenscheider Betrieben ist die Stimmung durchaus gemischt – zwischen gedrückt und verhalten optimistisch.

„Wir können uns nicht beklagen“, sagt Sandra Kuhlmann zum Betrieb im Museumscafé am Sauerfeld, der Nebenstelle des Cafés „Der kleine Prinz“. 

Der Andrang nach der Lockerung für die Gastronomie sei gut. Bei schönem Wetter decke man gerne unter freiem Himmel, im Museumsgarten, ansonsten verteilen sich die Gäste im Glasbau. Anmeldungen von Gruppen verzeichnet sie wieder regelmäßig. 

Natürlich sei nun alles von der Organisation her etwas aufwendiger, erzählt sie, aber: „Ich mache das, was ich vorgegeben kriege. Ich laufe hier auch mit dem Zollstock ‘rum.“ Das sei aber offensichtlich nicht überall so, wenn sie sich in der Stadt umblicke, fügt sie hinzu. 

Massive Verluste 

Dominic Bucci vom „Castello“ verzeichnet wieder ein gutes À-la-carte-Geschäft, sagt er. Doch das reiche nicht aus, um die massiven Verluste durch den Wegfall von Feiern auszugleichen. 

Recht zufrieden äußert sich Theofanis Chalos vom griechischen Restaurant Poseidon an der Werdohler Straße. Er hat festgestellt, dass die Gäste vermehrt unter der Woche kommen. Was vielleicht auch an der Ferienzeit liege, vermutet er. 

Essengehen statt Urlaub in der Ferne. Zuletzt konnte er Gäste aus Hessen begrüßen, die das Sauerland als Ferienziel auserkoren haben. Wichtig für ihn sind die Terrassenplätze vorm Lokal. Wo es Freiluft-Plätze gibt, fühlt sich so macher Gast offensichtlich wohler. 

In die Offensive 

Wie bei Oliver Scherff: Der Feinkosthändler hat mitten in der Corona-Krise beschlossen, in die Offensive zu gehen, sich vor allem im Hinblick auf den Innenstadtumbau geschäftlich breiter aufzustellen. 

Er hat eine Köchin eingestellt und bietet am Kleinen Sternplatz nun mediterrane Bistroküche an. Das werde sehr gut angenommen. „Der richtige Schritt“, ist er überzeugt. Doch ohne die Freiluftplätze würde es auch hier im Moment eng. 

Noch keine zwei Wochen ist es her, dass Nihad Kumalic der Coronakrise optimistisch die Stirn bot und sein „Altes Capitol“ in der Oberstadt eröffnete. Solange das Wetter mitspielt und seine Gäste vor dem Haus an Bistrotischen bedient werden, sagt er, „ist es relativ locker, die Leute sind vernünftig“. 

"Keine Atmosphäre"

Doch „anstrengend“ werde es abends, vor allem samstags, wenn er länger geöffnet hat und drinnen der Barbetrieb an Stehtischen losgeht. „Da ist dann keiner mehr entspannt.“ 

Die Gäste ermahnten sich gegenseitig zu Abstand und Maskenpflicht, „und als Wirt hast du ständig Angst, dass Gäste sich gegängelt fühlen“. So entstehe keine Atmosphäre. 

Ähnlich erlebt Adisa Pasic, Kellnerin in der Hulda am Markt, den Gastro-Alltag. „Eigentlich ist es noch okay, weil wir draußen Plätze haben.“ Das Team habe angesichts der siebenwöchigen Zwangspause durch Corona auf den Jahresurlaub verzichtet. „Wir kämpfen.“ 

22 Gäste dürfen gleichzeitig ins Lokal, so viele kommen jedoch so gut wie nie, weiß Adisa Pasic. „Hauptsache, wir überleben das.“ 

Abseits der Kneipen und Restaurants ringen auch Imbissbetriebe um ihre Existenz. Die ersten Wochen nach Wiedereröffnung der Baguetteria „Goodies“ an der Friedrichstraße waren nach den Worten von Inhaberin Panagiota Bosdelekidou „schrecklich, eine Katastrophe“. 

Jedes ihrer Gerichte war wochenlang nur „To go“ erhältlich, sagt ihr Partner Indos Theodoros. „Trotzdem kamen viele Leute einfach ohne Maske hier rein.“ Und das sei immer noch ein großes Problem. 

Vor wenigen Tagen habe ein Kunde die Chefin „übel beleidigt“, als sie ihn auf die Maskenpflicht hingewiesen habe. „Der hat jetzt Hausverbot.“ Das Geschäft mit frisch belegten Baguettes und Salaten laufe zwar jetzt etwas besser, „aber gut ist es längst noch nicht wieder“. 

Hoffen auf Neuanfang 

Denkbar schlecht ist es für das Tagesrestaurant „Mama Ewa“ an der Knapper Straße gelaufen. Vor zehn Tagen gab die begeisterte Köchin Ewa Babczyk auf ihrer Facebook-Seite überraschend die Schließung ihres Lokals bekannt. 

Wenn die Coronakrise überstanden ist, so die Wirtin, werde sie „bestimmt wieder für euch vor Ort kochen“. Das Catering stehe weiter zur Verfügung, sie halte schon Ausschau „nach einer kleineren Location“. 

„Großes Kompliment“ 

Im Lüdenscheider Gastro-Verein, dem sich aktuell 23 Wirte angeschlossen haben, wird die Stimmung in der Branche ähnlich bewertet wie im Ergebnis der kurzen LN-Umfrage. 

Vereinsvorsitzender Marc Tegtmeyer berichtet sogar von „Ausreißern nach oben“, etwa das Restaurant Schwejk in der Altstadt. „Da ist momentan viel los.“ 

Tegtmeyers Kollege, Vorstandsmitglied Markus Kaufmann, Chef im Restaurant Heerwiese, hat nach dem Lockdown längst noch nicht alle Mitarbeiter wieder an Bord. Doch in seinem Betrieb dürfen sich derzeit ohnehin nur knapp 30 Gäste gleichzeitig verwöhnen lassen. 

Einerseits spricht Kaufmann den Besuchern seines Restaurants „ein großes Kompliment“ aus. „Das Verhalten in puncto Maskenpflicht und Hygieneregeln ist wirklich topp.“ 

Andererseits beklagt der kochende Gastwirt die Angewohnheit zahlreicher Gäste, Tische zu reservieren und ohne Absage einfach nicht zu erscheinen. „Dann sind einige der wenigen Tische, die wir noch haben, blockiert. Das haut in Coronazeiten natürlich noch mehr rein als sonst.“

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