Wo sind all die Kellner und Köche hin?

Nach Ende des Lockdowns: Gastwirte kämpfen mit Problemen

aperitivo luedenscheid
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Zusätzlich zum Personalproblem muss sich Rocky della Ferra im L‘Aperitivo am Rosengarten mit einem weiteren Problem herumschlagen.

Noch läuft die Gastronomie in Lüdenscheid längst nicht unter Volllast. Die erste vorsichtige Öffnung von Biergärten und Terrassen vor einer Woche zwingt Wirte und Gäste noch zur Einhaltung strenger Schutzregeln.

Lüdenscheid – Doch die Gastronomen haben es zusätzlich mit einem anderen Problem zu tun: In Zeiten von Kurzarbeit, Lockdown und Schließung haben sich zahlreiche Servicekräfte Jobs in anderen Branchen gesucht – und fehlen jetzt. Die Suche nach Personal hat begonnen.

StadtLüdenscheid
KreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

Gastwirte kämpfen mit Problemen: Kellner sollen „aus der Industrie zurück in die Gastronomie“

Der Vorsitzende des Gastro-Vereins und Inhaber der Tanzschule S an der Humboldtstraße, Marc Tegtmeyer, kennt das Problem aus Gesprächen mit Branchen-Kollegen. Einige der Gastwirte haben demnach aktuell Schwierigkeiten, Leute zu finden. „Die mussten ja zwischenzeitlich woanders ihr Geld verdienen.“ Nur wenige, etwa Marcus Kaufmann vom Restaurant Heerwiese, habe sein „starkes Team fester Mitarbeiter über die Zeit gerettet“.

Tegtmeyer äußert sich zuversichtlich, dass ehemalige Kellner „aus der Industrie zurück in die Gastronomie“ kommen. „Wer Umgang mit Menschen und Gespräche mag, wird die Vorzüge der Branche erkennen.“ Derzeit sucht der Unternehmer ebenfalls weitere Servicekräfte.

Ahmed Kitir, Chef im Café Extrablatt am Rathausplatz, hat in den zurückliegenden Monaten „ein paar Festangestellte verloren“, wie er sagt. Aber der Service sei wieder gut besetzt, „wir sind fast komplett“. Das größte Problem sei derzeit, Mitarbeiter für die Küche zu finden.

Vor dem Extrablatt können die Gäste ohne Reservierung Platz nehmen. Der Wirt weist auf „möglichst kurze Wartezeiten“ hin. Kitir hatte am Mittwochabend alle Hände voll zu tun, den Ansturm auf seine Tische zu managen und seine Gäste auf die Regeln hinzuweisen. „Das Ordnungsamt kommt immer mal wieder vorbei und macht Stichproben.“

Gastwirte kämpfen mit Problemen: L´Aperitivo noch ohne fertigen Gastro-Außenbereich

Auch Frank Hulla, Betreiber von Grafs Galerie am Graf-Engelbert-Platz, hat zwei Stammbeschäftigte verloren, aber es geschafft, Ersatz zu finden. „Neue Leute kannst du in diesen Zeiten nur über einen guten Preis kriegen.“ Der Kollege hinter der Theke soll kurzfristig noch Verstärkung bekommen. Für Mittwochabend war Hullas Terrasse „restlos ausgebucht“, wie er sagt. Das Risiko: „Wenn das Wetter wieder schlechter wird, brauche ich gar nicht erst aufzumachen.“

Zusätzlich zum Personalproblem muss sich Rocky della Ferra im L‘Aperitivo am Rosengarten mit einem weiteren Problem herumschlagen. Mit sinkender Inzidenz und bevorstehender Öffnung der Gastro-Außenbereiche hatte der Gastwirt seine Terrasse rechtzeitig um rund 60 Quadratmeter vergrößern wollen, um unter anderem größere Abstände zwischen Tischen gewährleisten zu können. „Aber es war fast unmöglich, Handwerker zu finden, die Termine frei haben.“ Nun hoffe er, Mitte nächster Woche den Betrieb aufnehmen zu können. Auch Rocky sucht noch Servicepersonal zur Bewirtung seiner Gäste.

Insgesamt hält der Chef des Gastro-Vereins die Situation derzeit noch für erträglich. Doch mit weiteren Lockerungen drohen den Wirten laut Marc Tegtmeyer Engpässe. „Ein richtiges Personalproblem kommt, wenn alle Läden auch in den Innenbereichen wieder öffnen dürfen.“

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