Im Gespräch

Tritt er noch einmal an? Bürgermeister Dieter Dzewas äußert sich

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Bürgermeister Dieter Dzewas

Lüdenscheid -  Bürgermeister Dieter Dzewas legt sich nach wie vor noch nicht fest, ob er bei den Kommunalwahlen 2020 nach dann 16 Jahren im Amt noch einmal kandidieren wird. „Im Sommer nächsten Jahres werde ich die Frage ausführlich beantworten“, sagt er im LN-Gespräch zum Jahreswechsel und wirkt dabei gelassen und entspannt.

Sein Blutdruck steigt allerdings enorm, wenn es um das Thema Bildung geht. „Wenn die Länder auf ihre Hoheit im Bereich der Bildung pochen, dann müssen sie dafür auch mehr Geld ausgeben. Wir müssen in die Köpfe investieren, gerade um gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer zu haben. Die Qualitäten, die dafür gefordert sind, sind bei allem Verständnis dafür, auch Seiteneinsteiger zu beschäftigen, nicht durch einen Crashkurs zu erwerben. Integrativer und inklusiver Unterricht in 30er-Klassen – das darf es in einem so reichen Land wie Deutschland nicht geben. Das ist eine Katastrophe“, meint Dzewas. 

Die ehemalige Hauptschule Wefelshohl wird zur Grundschule.

Seine Partei, die SPD, schließe er bei dieser Analyse nicht aus. „Investitionen in Bildung sind sicherlich sinnvoller als in neue Raketensysteme. Da mag der alte Friedensaktivist in mir durchkommen, aber dafür lohnt es sich zu kämpfen, auch wenn ich mal kein Amt mehr bekleiden sollte.“

Was die Stadtentwicklung angeht, sieht Dzewas die Stadtverwaltung durchaus als wichtigen Partner des „Stadtturm“-Vorhabens auf dem P & C-Gelände. Wie berichtet, könnte die Stadt die dort entstehenden Büroräume anmieten. „Das muss vorher aber gut durchkalkuliert und ordentlich dargestellt werden.“

Selbstverständlich werde die Verwaltung die Umwälzungen an der Wilhelmstraße und die damit verbundenen Einschränkungen für den Einzelhandel kommunikativ begleiten und ein Konzept dazu entwickeln. Die Aufgabe von Dependancen der Stadt und die Bündelung der Büros an einem Standort sorge auch für bessere Arbeitsbedingungen und attraktivere Arbeitsplätze.

„Wir stehen als Arbeitgeber in Konkurrenz zu anderen Verwaltungen, und daher spielt die eigene Ausbildung unserer künftigen Fachkräfte auch eine sehr große Rolle, ebenso die räumliche Gestaltung. Es gilt, die jungen Leute für die Arbeit zu begeistern und sie auch früh in die Verantwortung mit einzubeziehen.“

"Ich habe auf den Tisch gehauen"

Dies trifft nicht minder für die Feuerwehr zu, wo die ersten Aufträge für die neue Feuer- und Rettungswache vergeben worden seien. Natürlich stehe Lüdenscheid auch hier in Konkurrenz zu anderen Städten. „Wir erhöhen die Besoldung, denn das Geld muss stimmen, und die Arbeitsbedingungen müssen auch stimmen. Dabei ist die Funktionsbeschreibung zu berücksichtigen, genau wie das Beamtenrecht.“ Daher seien die beiden Gutachten zur Organisationsstruktur und zur Besoldung äußerst wichtig. „Gründlichkeit geht vor Übereile.“

Apropos Feuerwehr: Sowohl hier als auch bei der Besetzung der Kulturhausleitung offenbarten sich im Verwaltungsvorstand große Differenzen. Der Verwaltungsvorstand gab und gibt dabei kein einheitliches Bild ab. Muss da nicht der Verwaltungschef mal kräftig auf den Tisch hauen? „Das habe ich getan, weil der eine oder andere sein Temperament nicht im Griff hat. Persönliche Empfindlichkeiten dürfen nicht die Sachaufgaben behindern.“ 

Konfliktstoff bieten auch die sozialen Medien, in denen die Verwaltung und nicht zuletzt auch deren Chef kritisiert werden. „Das lasse ich nicht an mich heran. Ich bin da selbst nicht vertreten. Wer mich sprechen will, kann in meine Bürgermeistersprechstunde kommen. Darüber hinaus bin ich viel in der Stadt und auf Terminen unterwegs und somit persönlich ansprechbar.“ Die sozialen Medien brauche er dafür nicht, sagt Dieter Dzewas. 

Viele Baustellen prägten das Bild 2018 auf den Lüdenscheider Straßen.

Die Kritik an den vielen Baustellen in Lüdenscheid ist bei diesen Gelegenheiten natürlich immer ein Thema, auf das er angesprochen werde. „Straßenbaustellen spielen sich nun einmal nicht in der Luft ab. Die Siedlungsstruktur wurde geschaffen, als noch 50 Autos im Stadtgebiet herumfuhren. Auf dieser Grundlage und mit dem Verkehrsaufkommen heute sind wir keine autogerechte Stadt. Um so bedeutender wird künftig der öffentliche Personennahverkehr sein. In diesem Zusammenhang bin ich auch froh, dass wir die Klimaschutzstelle wieder dauerhaft besetzen.“

Natürlich tauchten immer wieder Probleme auf. Das müsse dann auch den Bürgern gegenüber besser kommuniziert werden. „Schimpfen kann ich auf den Landesbetrieb Straßen.NRW aber nicht. Ich kenne auch von unseren Straßenbauarbeiten die Probleme, die sich durch Verschiebungen ergeben.“

Dauerdruck bei den Kitas

Bei der Schaffung von Kindergartenplätzen stehe die Stadt unter einem Dauerdruck. Der Druck werde auch im kommenden Jahr nicht nachlassen. Er habe durchaus Sympathie für Betriebskindergärten, wie es zum Beispiel auch im „Stadtturm“ geplant sei. „Es gab ja vor einigen Jahren schon einmal einen Vorstoß, der aber verpuffte. Vielleicht gibt es dafür künftig ja wieder eine größere Akzeptanz.“

Leider habe die interkommunale Zusammenarbeit mit der Gemeinde Schalksmühle über ein beschleunigtes Verfahren für die Ausweisung von Gewerbeflächen nicht geklappt. Aber die Fäden seien nicht gerissen. „Da der Gewerbepark Rosmart brummt, müssen wir uns um weitere Areale kümmern. Dabei geht es mir zentral um das Wachstum unserer Betriebe vor Ort. Ihnen will ich ein Angebot machen können, wenn sie sich erweitern wollen.“

Dieter Dzewas schaut auf die Uhr. In einer Viertelstunde muss er zum nächsten Termin. In seinem Vorzimmer passt ihn Susanne Poimann ab und klärt kurz weitere Termine ab. Es sieht gerade nicht danach aus, als ob der Bürgermeister Mitte des nächsten Jahres erklärt, er werde nicht mehr kandidieren. Aber das ist ja nur eine Momentaufnahme Ende 2018.

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