LKW-Brand: Unternehmen leiden unter Umsatzverlust

Die Einsatz- und Rettungskräfte blieben vor und im Hit-Markt in der Worth vorgestern nahezu unter sich. J Foto: Nougrigat

LÜDENSCHEID - Der Großalarm an der Elbinger Straße und die Totalsperrung des Stadtteils Bräucken hatten bittere Konsequenzen für zahlreiche Unternehmen.

Von Olaf Moos - Schimpfende Kunden, Betriebsausfälle, Lieferprobleme und Umsatzverluste verursachen Kopfzerbrechen in Industrie-, Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben.

Für Frank Pondruff und seinen Angestellten in der Werkzeugschleiferei an der Königsberger Straße war um 8.30 Uhr Feierabend. „Nun fehlen mir 20 Stunden, die wir mühsam nacharbeiten müssen. Viele Kunden haben ziemlich sauer reagiert“, so Pondruff. Sein Nachbar Gert Lutter von der Firma Ecks & Lutter hatte seinen Laden ebenfalls „den ganzen Tag dicht“, wie er sagt. Termingenauer Vertrieb war nicht mehr möglich. „Es kam kein Transport an, demzufolge können wir tags drauf auch nicht ausliefern.“ In vielen Betrieben habe das wahre Kettenreaktionen ausgelöst, „da hängt verdammt viel dran“, sagt der Unternehmer.

Bilder vom Einsatz der Rettungskräfte

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Seine Versicherung halte sich zunächst „bedeckt“. Auch der „normale Frühlingswahnsinn“ im Reifenhandel hatte einen Tag Pause. Bei Reifen Wegmann, berichtet Markus Müller, kamen die drei Arbeiter am Morgen gar nicht erst bis zur Werkstatt durch. „Dafür rappelte das Telefon wie blöd.“ Mindestens 60 Kunden hätten an diesem Tag ihre Räder wechseln lassen wollen. Auch Termine für längst geplante Achsvermessungen seien geplatzt. Folgenschwer war der Betriebsausfall besonders bei Strack Norma. Wenige Stunden vor Feierabend habe die Nachtschicht die Firma verlassen müssen, sagt der kaufmännische Leiter Michael Lang.

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Die Frühschicht konnte gar nicht erst antreten. Sekretärinnen seien anfangs zwar am Arbeitsplatz gewesen, aber ebenfalls nach Hause geschickt worden. „Massenhaft Aufträge“ seien tagsüber per Fax eingegangen und erst abends notdürftig bearbeitet worden. Verluste seien programmiert. Lang: „Wir sprechen hier über eine sechsstellige Summe.“ Auch er habe sich bereits mit der Versicherung in Verbindung gesetzt.

Im Hit-Markt zwischen Glatzer und Werdohler Landstraße blieben die meisten Kunden aus, weil Einsatz- und Rettungskräfte auf dem Parkplatz eine zentrale Sammelstelle eingerichtet hatten. Die Uniformierten blieben bei der Versorgung mit Imbiss und Getränken im Supermarkt fast unter sich.

Aufräumarbeiten nach Rauchgas-Alarm in Lüdenscheid

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Wie hoch die Einnahmeverluste hier zu veranschlagen sind, ist unklar. Aus der Konzernzentrale in Siegburg war keine Stellungnahme zu bekommen. Gegen 8 Uhr holten die Behörden die Angestellten der Verwaltung und des Lagers der Firma Metoba aus dem Betrieb. Ab 14.15 Uhr ruhte auch die Arbeit der Spätschicht in der Produktion. Laut Geschäftsführer Dr. Sven Hering holen viele Kunden ihre Waren an der Königsberger Straße selbst ab oder schicken einen Spediteur. Auch für sie war natürlich kein Durchkommen.

Der Ärger der Kunden hielt sich laut Dr. Hering in Grenzen. „Die meisten haben ja mitbekommen, was hier los war.“ Als die Bräuckenstraße ab Bräuckenkreuz um 9 Uhr abgeriegelt wurde, war an der Jet-Tankstelle gegenüber von Siku „Totentanz“, wie Pächter Thorsten Kreinberg sagte. „Normalerweise verkaufe ich 20 000 bis 25 000 Liter Sprit am Tag. So hatte ich um 15 Uhr gerade mal 6000 Liter an den Mann gebracht.“

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