Lisa König macht eine Ausbildung zur Pferdewirtin

Hat alle Hände voll zu tun: Lisa König.

LÜDENSCHEID/GRONAU ▪ Pferde sind ihre große Leidenschaft. Und ihre große Leidenschaft hat sie zu ihrem Beruf gemacht: Lisa König steckt mitten in der Ausbildung zur Pferdewirtin.

Der vermeintliche Traumjob verlangt der 20-Jährigen viel ab und fordert vor allem mit Blick auf ihr Privatleben einige Opfer.

Fünf, manchmal sechs Tage pro Woche verbringt Lisa König in Gronau im Dressur- und Verkaufsstall de Doncker. Arbeitsbeginn: 6.30 Uhr. Bis zur Mittagspause um 13 Uhr erledigt sie Stallarbeiten, füttert die Pferde und bildet junge Tiere aus. Nachmittags stehen Reitübungen an. An jedem zweiten Sonntag hat die Neuenraderin zudem Fütterdienst. Ihre Samstage verbringt Lisa König in einer Berufsschule im Münsterland. Also stets 13 Tage Arbeit am Stück.

„Es ist kein Traum-, sondern ein echter Knochenjob“, sagt die 20-Jährige. Ihr übliches Tagesprogramm wird unregelmäßig erweitert durch Sichtungen, Auktionen, Prüfungen und Turniere. Auch Kunden berät sie. „Ich habe sehr wenig Freizeit. Man kann die Tiere schließlich nicht einfach stehen lassen“, sagt König. Familie und Freunde in Lüdenscheid und Neuenrade besucht sie nur alle zwei Wochen für jeweils eineinhalb Tage. Was ihr als „sehr heimatverbundenem Menschen nicht leicht falle.

Dass der Weg zur Pferdewirtin – der Begriff hat die Bezeichnung Berufsreiter abgelöst – ein steiniger ist, belegt auch die Abbrecherquote: Mit 32 weiteren Azubis habe sie ihre Ausbildung 2010 begonnen. Mittlerweile habe sich ihre Klasse auf 17 Personen reduziert. Wer schüchtern ist, habe besonders schlechte Chancen: „Man muss sich durchsetzen können und sich aufdrängen, wenn man hier etwas lernen will“, erzählt König.

Sie hat das geschafft. Beim Reitverein Küntrop, dem sie als Zwölfjährige beitrat und für den sie ab ihrem 16. Lebensjahr Reitunterricht gab, begann sie ihre Ausbildung. Nur drei Monate später wechselte sie auf eigenen Wunsch nach Gronau. Aus gutem Grund: „Mit Kris de Doncker gibt es dort einen echten Topausbilder“, sagt König. Bereits nach einem Probetag hatte sie die Stelle sicher.

Dass sie all die Mühen und Einschränkungen, die ihr Job ihr abverlangt, Kraft kosten, gibt sie unumwunden zu. Motivation ziehe sie jedoch immer wieder aus den Resultaten ihrer Arbeit. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man mit einem jungen Pferd Erfolge feiern kann. Wenn es all das macht, was man dem Tier beigebracht hat, Darin spiegelt sich nämlich letztendlich meine Arbeit wieder“, erklärt König.

Bei aller Freude über die Fortschritte eines Pferdes sei es aber wichtig, eine gewisse professionelle Distanz zu den Pferden zu wahren, die sie als Fohlen kennen gelernt hat: „Man muss unbedingt lernen, keine zu intensive Beziehung zu einem Pferd aufzubauen. Damit macht man es sich nämlich unglaublich schwer, wenn das Tier verkauft werden soll.“

Im Sommer 2013 will Lisa König die dreiteilige Abschlussprüfung meistern. Diese setzt sich zusammen aus einer Klausur, einer Dressur- und Springprüfung und einer Unterrichtseinheit für Reitschüler, die sie leiten muss. Zudem gehen von ihr entwickelte Trainingspläne für Pferde mit in die Bewertung ein.

Für die Zeit nach der Ausbildung hat die junge Frau bereits Pläne: Sie will den Stall wieder wechseln – und ihrer Leidenschaft treu bleiben. „Man kann als Pferdewirtin nur richtig gut werden, wenn man bereit ist, immer neue Trainer und Methoden kennenzulernen“, sagt sie. ▪ Sven Prillwitz

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