Mia Mittelkötter und das "Weg"

Diese Frau ist sicher: Giselas Seele steckt in dem Körper einer Hauskatze

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Kabarettistin Lioba Albus gab in der Schützenhalle am Loh die bodenständige Sauerländerin Mia Mittelkötter.

Lüdenscheid – Das „Weg“ steht im Mittelpunkt des modernen Lebens. Dieser Ansicht ist Komödiantin Lioba Albus, die am Donnerstag 135 Gäste im gut gefüllten Foyer der Schützenhalle mit ihrem Programm „Das Weg ist mein Ziel“ begeisterte.

Nicht nur viele Menschen sind zwischendurch mal gern weg, auch manch lieb gewonnene Dinge sind klammheimlich aus dem Alltag verschwunden. Zum Beispiel „der Laden“, den Mia Mittelkötter, eine der vielen Charaktere, die die Kabarettistin aus Attendorn in ihren Programmen darstellt, schmerzlich vermisst. Mia echauffierte sich über den Verlust des guten, alten Ladens, der von Online-Handel und Ketten wie „Matratzen-Concorde“, Ess- und Trinktempeln, Nagelstudios und ähnlichem aus den Innenstädten vertrieben wurde.

Wortgewaltig regte sich Mia Mittelkötter darüber auf, dass in Social-Media-Plattformen wie „Fazzebuck“ zwar Brustwarzen zensiert werden, aber jeder seinen „braunen Sprühschiss“ in die Welt schleudern darf. Ebenso ausufernd wie amüsant ließ sich die resolute Sauerländerin aus Attendorn über ihren Mann aus, den sie sich seit dessen Pensionierung nicht nur einmal wegwünschte. Und selbst Schwiegermutter Gisela, die jüngst verstarb, schien nicht wirklich weg zu sein, denn Mia Mittelkötterwar sicher, dass ihre Seele in den Körper einer gemeinen Hauskatze gefahren ist.

Gerne teilte Lioba Albus gegen die Politik aus. Mit Donald Trump, der sich wie ein Pinscher benimmt, der einem chinesischen Koch aus dem Wok gesprungen ist, hielt sich die Kabarettistin nicht lange auf. „Es wird eine Zeit kommen, da wird man sich Merkel zurücksehnen“, war sie sich sicher, besonders mit Blick auf das „ausgemergelte Totenkopfäffchen Friedrich Merz“ sowie Jens Spahn als ein Beispiel für einen Streber, der Geschichte schreiben will, aber den Stift vergessen hat. Horst Seehofer sei dagegen eine Fruchtfliege, die sich auf alles setzt, was braun ist.

Nach der Pause lernte das Publikum unter anderem Detlef kennen, einen Mann, der seine Frau samt Kind aus erster Ehe nach vier Jahren ziehen lassen musste und sich nun ins hemmungslose Besäufnis flüchtet. Obwohl Detlef der beste Kinder-Memory-Verlierer und ein noch besserer Nutella-Pfannkuchenmacher war, hat all dies nichts genutzt. Gerade in dieser Rolle zeigte Albus auf beeindruckende Weise, dass sie nicht nur eine gute Komödiantin, sondern auch eine erstklassige Schauspielerin ist. Denn es ist sicher keine kleine Herausforderung, überzeugend eine immer betrunkener werdende Person zu mimen, ohne dass sich die Darstellung in Peinlichkeiten verliert. 

Stattdessen handelte es sich bei dieser grandiosen Nummer wohl um die größte Herausforderung für die Lachmuskeln an diesem Abend. Der bodenständige Sauerländer Humor der Kabarettistin Lioba Albus, der treffend einige Wahrheiten des menschlichen Zusammenlebens transportierte, kam an diesem Abend beim begeisterten Publikum bestens an und wurde mit viel Beifall bedacht.

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