Umstrittene Kulturpolitik

Linke ernten im Rat in Lüdenscheid offene Kritik und deftige Zwischenrufe

Fassade aus Glas und Lastwagen
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Derzeit „Nicht offen“: Doch hinter den Kulissen der Museen am Sauerfeld gehen die Vorbereitungen für die neue Dauerausstellung los.

„Menschen, die kaum über die Runden kommen oder aktuell in Kurzarbeit stecken“ auf der einen Seite. Die Erhöhung der Preise für Unterricht an der Volkshochschule auf der anderen Seite – „das passt nicht zusammen“, sagt der Fraktionssprecher der Linken im Rat, Jupp Filippek. Und fordert: „Für die, denen es am dreckigsten geht, muss Bildung kostenlos sein!“

Lüdenscheid - Für Filippek und seinen Mitstreiter Otto Ersching Grund genug, die Beschlussvorlage aus dem Rathaus abzulehnen, die eine Erhöhung der Preise für die Teilnahme an Kursen der Volkshochschule (VHS) vorsieht (wir berichteten). Doch komplett ist der Antrag der Linken noch nicht vom Tisch. Denn SPD-Ratsherr Jens Voß plädierte im Rat zwar erfolgreich dafür, der Vorlage der Verwaltung zuzustimmen.

Doch weil der Vorstoß der Linken „Haushaltsrelevanz“ habe, gehöre das Thema „Kostenlose Bildung in der VHS“ in den Schulausschuss, wo darüber beraten und abgestimmt werden solle. Filippek erklärte sich einverstanden, sein Antrag wurde also an das zuständige Gremium verwiesen.

„Noch immer stehen Kisten unausgepackt im Keller rum“

Mit einer weiteren Initiative handelte sich der Sprecher der Linken am Montagabend allerdings lautstarken Widerspruch und teils deftige Zwischenrufe aus den Reihen der Ratsvertreter ein. Denn Jupp Filippek stellte in Frage, ob die Stadt tatsächlich 90 000 Euro für die Erneuerung der Dauerausstellung im Geschichtsmuseum am Sauerfeld ausgeben soll.

„1988 wurde das Museum eröffnet, und noch immer stehen Kisten unausgepackt im Keller rum.“ Aus dem Plenum wurde unter anderem die Frage laut „Was soll denn der Unfug?“, bevor SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Voß das Wort ergriff.

„Ich möchte hier mal eine Lanze brechen für die Mitarbeiter der Museen“, sagte der Sozialdemokrat unter dem Applaus aus den Fraktionen. So über die Leistung der Beschäftigten zu urteilen, sei „absolut unerhört“. Filippek wisse offenbar gar nicht, was bislang in der Einrichtung am Sauerfeld geleistet wurde „und was schon alles gelaufen ist“.

Auch CDU-Kulturpolitiker Norbert Adam empörte sich über Ausrichtung und Wortwahl in der Stellungnahme des Linken-Sprechers. „Das spottet doch jeder Beschreibung.“ Seit Jahren werde im Museum erfolgreich gearbeitet. Dass die von der Landesregierung versprochenen Mittel noch nicht geflossen sind, liege wohl am Regierungspräsidium Arnsberg, wo noch Unterlagen nachgefordert worden seien.

„Aber hier den Eindruck zu erwecken, dass in mehr als 30 Jahren nichts geleistet worden wäre, ist doch völliger Blödsinn!“ Und dass die Dauerausstellung erneuert werden müsse, „dürfte ja wohl jedem klar sein“.

Mit ihrer Einschätzung blieben Filippek und Ersching letztlich allein. Nur die Linken stimmten gegen die Bereitstellung der Haushaltsmittel.

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