Lieferung aus der Drogenküche: Strafprozess gegen Lüdenscheider beginnt

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Symbolbild

Lüdenscheid - Amtsrichter Andreas Lyra hatte ihm im Februar 2019 noch eine Goldene Brücke gebaut – und ihm eine Bewährungschance gegeben und ermahnt: „Halten Sie die Füße still!“ Das hat offenbar nicht geklappt.

Nun muss sich der Lüdenscheider (42) vor der 9. großen Strafkammer des Hagener Landgerichts verantworten – wegen dreifachen unerlaubten Handels mit Drogen in nicht geringer Menge. 

Der Angeklagte war vor vier Jahren in den großen Schutzgeldprozess gegen einen Lüdenscheider Automatenaufsteller verstrickt. Das Verfahren gegen den Kumpel des damaligen Hauptangeklagten wurde jedoch abgetrennt. Zu einer Anklage kam es erst zwei Jahre später – ein Grund dafür, warum die Justiz Milde walten ließ. 

Immerhin ging es um unerlaubten Waffenbesitz, einen scharfen Pistolenschuss in einem Internet-Café in der Kersting-Passage und Faustschläge gegen Schuldner des Automatenaufstellers. 

Die Schutzgeld-Mafia ist Vergangenheit. Die Gegenwart sieht nicht weniger kriminell aus – und die Zukunft für den Familienvater eher düster. Laut Staatsanwaltschaft hat der dreifach vorbestrafte Mann neun Monate nach seiner letzten Verurteilung Rauschgift an einen Bekannten verkauft. 

Es handelt sich um knapp fünf Kilogramm Amphetamin, das der 42-Jährige selbst hergestellt haben soll und einen Wirkstoffgehalt von 22 Prozent hatte – in der Szene ein vergleichsweise hoher Reinheitsgrad. 

Anfang Juni dieses Jahres durchsuchten Drogenfahnder in der Kreisstadt eine Wohnung, die der Angeklagte mit seinem Bruder angemietet hatte. Darin stellten die Polizisten neben verdächtigen Gegenständen Amphetamin-Öl sicher, eine wesentliche Zutat bei der Herstellung des Rauschgifts. 

Wie Gerichtssprecher Bernhard Kuchler mitteilt, hätte man mit dem Öl rund drei Kilogramm Amphetamin mit einem Verkaufswert von 10 000 Euro produzieren können. Der Verdächtige kam in Untersuchungshaft. 

Nach Informationen unserer Redaktion hat der Häftling in einem Haftprüfungstermin behauptet, einen Großteil der Drogen für sich selbst hergestellt und konsumiert zu haben. Der Hagener Psychiater Dr. Nikolaus Grünherz ist deshalb mit der Erstellung eines Sachverständigen-Gutachtens beauftragt. 

Der Iserlohner Rechtsanwalt Martin Düerkop hat die Verteidigung übernommen. Der Vorsitzende Richter der 9. großen Strafkammer ist Christian Hoppe, der in dieser Woche einen Schutzgelderpresser zu acht Jahren verurteilt hat.

Der Prozess beginnt am 13. November um 9.30 Uhr im Saal 247 des Landgerichts. Es sind fünf Verhandlungstage vorgesehen.

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