Lieferengpässe und steigende Reifenpreise

LÜDENSCHEID ▪ Zeit zum Wechseln: Für die Reifenhändler der Stadt hat der „Winterwahnsinn“ schon begonnen. Der erste Schnee ist nicht mehr fern. Die Terminbücher sind voll. Doch zahlreiche Kunden schauen nicht hoffnungsvoll auf die kalte Jahreszeit, sondern gucken in die Röhre. Denn die Branche leidet unter massiven Lieferschwierigkeiten.

Als „Katastrophe“ bezeichnete Cedrik Blitzner, Verkaufsberater bei Euromaster an der Leifringhauser Straße, die aktuelle Lage. „Die Lieferanten haben sich nicht ausreichend auf die Nachfrage eingestellt.“ Teilweise seien bestimmte Fabrikate und Größen in diesem Jahr „schon gar nicht mehr lieferbar“.

Reifenhändler und Autofahrer bekommen offenbar die Folgen der Konjunkturkrise zu spüren. Denn im Zuge der Kurzarbeit in der Automobilindustrie hätten auch die Reifenhersteller ihre Produktion zurückgefahren, heißt es bei den Händlern. Aktuell produzierten die Hersteller aber schon Sommerreifen für das kommende Frühjahr, während sich die Lager mit Winterrädern leeren.

Besonders unangenehm ist nach den Worten von Siegfried Wegmann, Reifenspezialist an der Königsberger Straße, die Auswirkung auf die Preise. Wegmann: „Verschiedene Grossisten drehen an der Preisschraube.“ Einem Kunden habe er zum Beispiel ein Angebot über 55 Euro pro Reifen unterbreitet. „Tatsächlich kostete der Reifen bei der Lieferung plötzlich 83 Euro.“ Das sei nichts weiter als „Beutelschneiderei.“ Angesichts der Lieferengpässe bleibe den Kunden jedoch oft nichts anderes übrig, als den Preis zu akzeptieren. Wegmann: „Aber sie reagieren teilweise ziemlich sauer.“

Dass die Produzenten und Lieferanten nach der Krise „mit der großen Nachfrage nicht gerechnet haben“, diese Meinung vertritt auch Marko Herklotz, Filialleiter bei Pit-stop an der Altenaer Straße. Er befristet die Gültigkeit seiner Angebote an seine Kunden vor dem Hintergrund der Entwicklung durchweg auf eine Woche. „Die Preise schwanken einfach zu stark.“ Ab November, habe man ihm mitgeteilt, solle das Preisniveau „um drei bis 15 Prozent“ klettern.

Sollte die derzeit diskutierte „konkrete Winterreifenpflicht“ in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen werden, sagt Marko Herklotz, „dann haben wir ein richtiges Problem“. - Olaf Moos

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