Kulturhaus

„Lieber schön“ kommt erst im zweiten Teil in Fahrt

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Weiße Ritter mit Liebe zum Sport: Roman Knizka (Kent; links) und der herausragende Oliver Mommsen (Greg) mit fiktivem Spiel im Kopf auf der Bühne des Kulturhauses in der Komödie „Lieber schön“ von Neil LaBute.

Lüdenscheid - „Lieber schön“, die Komödie aus der Feder des Erfolgsautoren Neil Labute in der Inszenierung der Komödie am Kurfürstendamm zu Gast im Kulturhaus, hat die Zuschauer allenfalls in der kurzen Spielzeit nach der Pause beflügelt. Bissig-komisch und zugleich als sehnsuchtsvolle Beziehungsgeschichte wird das Stück von den Machern beschrieben. „Eine Liebesgeschichte über die Unmöglichkeit der Liebe.“

Wirbel zu Beginn. Tanja Wedhorn (Steph) stellt Oliver Mommsen (Greg) zur Rede, da dieser ihr Aussehen als „normal“ bezeichnet haben soll. Riesenszene, Wortschwall mit fäkalsprachlicher Anreicherung. Optimierte Sprechfrequenz in Anlehnung an die Schussfolge einer Gatling. Positiv vermerkt seien das von unten beleuchtete Podest, eine Bühne auf der Bühne und die dahinter aufragende Leuchttafel. Die minimalistische Ausstattung der Bühne, wenige Requisiten, die bei offenem Vorhang ausgetauscht werden, sowie ein Wechsel des Hintergrundbildes, zwischen zu großer Präsenz der Darsteller.

Roman Knizka hat es als Kent nicht so leicht, zu glänzen, schließlich ist er der Macho im aufspielenden Quartett, sozusagen der Prototyp des neuzeitlichen Hylikers. Fassade gut, alles gut. Ellbogen ausfahren und geduckt eine Gespielin ins Leben einbauen. Er präsentierte einige beachtliche Momente mit überzeugendem Spiel.

Nicola Ransom als Kents Partnerin Carly präsentierte eine hübsche Uniform, die weit mehr überzeugte, als ihr Spiel. Tanja Wedhorn (Steph), auf Konflikt und Trennung gebürstete Partnerin von „Greg“, Oliver Mommsen, ausgestattet mit einer Sprachgeschwindigkeit jenseits der Verständlichkeit, hat Pep, bring sanfte Komik mit ein, wirkt am überzeugendsten in Momenten, da das Stück anzuhalten scheint.

Oliver Mommsen hat es als Bücherwurm und Malocher Greg ein wenig leichter, da er einen leicht verpeilten Typen charakterisiert, der zudem die Welt nicht mehr versteht, da eine unbedachte Äußerung sein Leben auf den Kopf stellt. Mommsen, der „Verlierer“ liegt ganz vorne was Präsenz anbelangt, zieht die Augen auf sich, ist zugewandt, verleiht seiner Rolle Farbe, auf dass man schier Partei für ihn ergreift. Dieser Abend lief glänzend für ihn. Auch wenn bereits zur Pause eine stattliche Schar das Kulturhaus ob des eher flachen ersten Teils verlassen hatte, ließ sich das Stück dem Ende entgegen durchaus genießen. Prügel für den Macho, neues Leben für Steph, melancholischer Aufbruch für Greg.

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