Public Viewing Fehlanzeige

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Wer in Lüdenscheid mit vielen Fans jubeln will, muss bezahlen – weil es kein Public Viewing gibt.

LÜDENSCHEID - Iserlohn hat’s, Plettenberg hat’s, Menden hat’s, sogar Kierspe und Halver haben’s und eine lange Reihe anderer Städte auch. Nur die Kreisstadt Lüdenscheid hat zur Fußball-WM keine einzige Minute Public Viewing zu bieten.

Ohne Eintritt oder Mindestverzehr auf einem öffentlichen Platz mit vielen Fans zusammen die Spiele der Fußballweltmeisterschaft verfolgen? In Lüdenscheid Fehlanzeige!

Iserlohn: 2500 Zuschauer auf Schillerplatz

In Iserlohn, sagt die dortige Stadtpressesprecherin Christine Schulte-Hofmann, kommen regelmäßig rund 2500 bis 2700 Menschen auf dem Schillerplatz zusammen. Der private Veranstalter Live-Project und örtliche Sponsoren sowie die Mitwirkung der Stadt in Sachen Sicherheit und Jugendschutz stehen für ein erfolgreiches Konzept.

Menden: Stadt steuert "Man-Power" bei

Der Mendener Gastronom Stefan Cormann und seine Sponsoren nutzen vor dem neuen Rathaus ebenfalls eine städtische Fläche. Die Stadt steuert laut Sprecher Manfred Bardtke „Man-Power“ aus dem Ordnungsamt bei. Die Wirtschaftsförderung, 75-prozentige Tochter der Stadt, schießt im Notfall Geld hinzu.

Plettenberg: Ordnungsamt sichert gratis

Plettenberg erhebt für die Nutzung des Alten Marktes durch den Sport-Club eine geringe Nutzungsgebühr, Polizei und Ordnungsamt sichern die Sache gratis, örtliche Sponsoren helfen. Das Ergebnis: 1000 Menschen jubeln.

Kierspe: "Alle Spiele, alle Tore, kein Eintritt"

Das Kiersper Motto lautet „Alle Spiele, alle Tore, kein Eintritt“. In der Jahnhalle sorgen sieben Vereine und ihre Sponsoren für Großleinwand, Getränke und Unterhaltung.

Stadt Lüdenscheid schließt Initiative aus

Und in Lüdenscheid? Dass die Stadt die Initiative für ein Public Viewing auf dem Rathausplatz übernimmt, schließt Pressesprecherin Giuseppina Giordano „aus Kostengründen“ aus. Hinter den Kostengründen steckt ein weiterer Grund. „Wir stecken im ’LichtRouten’-Jahr. Da wird jeder Cent gebraucht.“ Ein privater Veranstalter sei nicht an die Stadt herangetreten. Außerdem sei der Rathausplatz zwei Mal wöchentlich durch den Wochenmarkt blockiert, „das muss alles auf die organisatorischen Rahmenbedingungen abgestimmt sein“, so die Stadtsprecherin.

43-Seiten-Konzept für WM 2006 gescheitert

Vor der WM 2006 hatte Event-Profi Dirk Weiland „eineinhalb Jahre lang an einem 43-seitigen Konzept“ für ein Public-Viewing gearbeitet, Geld, Zeit und Nerven investiert und die Sache bis zur letzten Schraube durchkalkuliert. „Der Bürgermeister fand das auch ganz toll“, erinnert sich Weiland. Aber dann sei das Projekt zum Politikum geworden, weil es in den Gremien gerade um die Finanzierung von Kita-Plätzen gegangen sei und ein Public Viewing „gerade nicht ins Bild passte“. Und da habe sich die Stadt „komplett ausgeklinkt“, so Dirk Weiland. - omo

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