Letztes Schuljahr für die Albert-Schweitzer-Schule steht an

Norbert Lienesch, Leiter der Albert-Schweitzer-Hauptschule, hadert nicht mit der Schließung der Einrichtung. Aber ungewöhnlich sei es schon, das letzte Schuljahr zu planen.

LÜDENSCHEID - „Ungewöhnlich“ sei es schon, ein Schuljahr in dem Wissen vorzubereiten, dass es das letzte sei, sagt Norbert Lienesch, Leiter der Albert-Schweitzer-Hauptschule. Aber er hadert nicht. Vor zwei Jahren sei ja schon der Auflösungsbeschluss gefasst worden.

Zeit genug, sich zu arrangieren und das Beste daraus zu machen. „Vieles ist nun einmal nicht beeinflussbar“, sagt er.

Der 61-Jährige kennt die Schule, die 1955 gegründet wurde, in- und auswendig. Nach dem Referendariat begann er am 1. Februar 1976 an der Kaiserallee, unterrichtete Mathematik, Englisch, katholische Region und alle Sachfächer, die als Klassenlehrer anfielen. 2004 wurde er Leiter der Einrichtung an der Kaiserallee, die zurzeit rund 180 Schüler zählt. Nach diesem Schuljahr wird sie aufgelöst und geht in der Ganztagshauptschule am Stadtpark auf. In der Hochphase im Schuljahr 1978/79 waren es 598, zeigt die Chronik im Flur.

„Schon vor vielen Jahren, als die Übergangsquote von den Grundschulen zur Hauptschule noch bei 40 Prozent lag, kam das Wort Restschule auf. Ist das nicht seltsam? Dann wollte man sicherlich in guter Absicht etwas fürs bessere Image tun, aber als ungewollter Nebeneffekt geriet die Hautpschule ans Ende der Bildungsskala und wurde zum Auslaufmodell. Die Hautpschule war nicht mehr so angesehen, erhielt ein negatives Stigma“, fasst Norbert Lienesch die Entwicklung grob zusammen.

Auch stiegen parallel die Ansprüche von Arbeitgebern an die Auszubildenden. Die Berufsorientierung und die Hervorhebung der Sekundärqualitäten der Schüler sowie das Modell Betrieb und Schule entzerrten die Problematik. „Die Berufsorientierung wurde an Hauptschulen entwickelt. Inzwischen haben dies auch andere weiterführenden Schulen im Programm“, betont Norbert Lienesch,

Schon seit 15 Jahren liegt der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund konstant bei 75 Prozent. In zwei Seiteneinsteigerklassen werden schon seit vielen Jahren Schüler unterrichtet, die aus dem Ausland kommen und erst einmal die deutsche Sprache erlernen müssen, um in den Schulalltag einsteigen zu können. Auf die erfolgreiche Bewältigung all dieser Aufgaben, die ein hohes Maß an Integrationsfähigkeit erfordern, ist Norbert Lienesch zu Recht stolz. „Und dass Schule die Probleme kompensieren soll, die Zuhause nicht gelöst werden können, gehört zum täglichen Brot“, sagt er.

Aber von Resignation oder Motivationslosigkeit will er trotz persönlich unsicherer Berufszukunft nichts wissen. Das weiß er auch von seinem 18-köpfigen Team: „Halblang macht hier jetzt keiner. Wir fahren auch im letzten Jahr der Albert-Schweitzer-Hauptschule das volle Programm.“

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