Mettwurst war der Renner

Letzter Tag vor Schließung: Kunden kaufen Traditionsmetzgerei leer

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Alexandra und Jörn Knobel versorgten sich Samstag noch einmal mit Herzhaftem. „Hans-Joachim Schapals und seine Frau haben tolle Arbeit geleistet“, meinten sie.

Lüdenscheid – „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“: Zum großen Bedauern vieler Stammkunden schloss die Metzgerei Schapals am Samstag nach mehr als fünf Jahrzehnten ihre Pforten – doch eine Hintertür lässt sich der Inhaber noch offen.

Bereits ab 7 Uhr morgens herrschte im Ladenlokal an der Kalver Straße Hochbetrieb. Zahlreiche Frühaufsteher standen schon vor Öffnung des Geschäfts an, um ein letztes Mal, noch dazu zum halben Preis, bei Schapals einzukaufen. Mettwürstchen, eine der beliebten Spezialitäten von Fleischermeister Hans-Joachim Schapals, waren schon eine Stunde später restlos ausverkauft. 

Der letzte Tag bei Metzgerei Schapals

Verkäuferin Yvonne Jurkuhn, die seit 16 Jahren bei Schapals hinter der Ladentheke steht und die meisten Kunden mit Namen kennt, hatte alle Hände voll zu tun, mit der Bedienung nachzukommen. Durch die Bank zeigten sich die Stammkunden, die der Metzgerei teilweise seit Jahrzehnten die Treue halten, betroffen und traurig über das Aus ihrer Metzgerei. 

Nach fast 60 Jahren in den Ruhestand

Gleichzeitig zeigten sie Verständnis für Hans-Joachim Schapals’ Entscheidung, den Beruf mit 76 Jahren – noch nicht ganz – an den Nagel zu hängen und nach fast 60 Berufsjahren in den verdienten Ruhestand einzutreten. 

„Hans-Joachim Schapals hat mit seiner Frau tolle Arbeit geleistet, aber jetzt geht er auch in den verdienten Ruhestand“, meinten beispielsweise Alexandra und Jörn Knobel von der Firma Knobel Elektrotechnik, die sich am Samstagmorgen zu früher Stunde mit Herzhaftem eindeckten.

Favoriten sind Mettwürstchen und Bratwürstchen

Ihre Favoriten: die Mettwürstchen und Bratwürstchen des Betriebs. „Wir sind zusammen in der Feuerwehr – Löschzug Brüninghausen – gewesen“, meinte Jörn Knobel. „Hans-Jochim Schapals hat uns immer beliefert.“ Von einer großen Lücke, die die Schließung der Metzgerei hinterlässt, war auch bei anderen treuen Kunden zu hören. 

"In unserer Firma sind alle traurig"

„In der Firma (Mayweg) sind auch alle traurig“, meinte etwa Fabian Schäfer, der „drei Häuser weiter wohnt“ und noch schnell vor der Arbeit in der Metzgerei vorbeischaute. „Wir haben hier immer unsere Mettbrötchen geholt.“ Großes Bedauern war auch bei Wilfried Haase zu spüren. „Ich komme hierhin, seitdem es den Laden gibt“, meinte er. 

„Es war immer gut. Mir tut es leid, dass der Laden zumacht.“ Von allem, was Schapals anzubieten hatte, probierte er im Laufe der Jahre. Am Samstag deckte er sich letztmalig mit diversen Aufschnittsorten und Schweinefilet ein. Wo er künftig einkaufen wird, weiß er noch nicht. 

Große Portionen für den Grillabend

„Ein traditionsreiches Geschäft in Lüdenscheid weniger“, kommentierte Uwe Zimmermann die Geschäftsschließung. Für ihn waren stets die Holzfällersteaks zum Grillen der große Favorit. „Ein und aus“ vor Ort ging auch Klaus Koke, der bei Dorffesten in Leifringhausen und Pfarrfesten in der Kirchengemeinde St. Petrus und Paulus stets das Grillgut bei Schapals besorgte. 

Leider sei die Schließung des Geschäfts eine Entwicklung, die man in Lüdenscheid auch anderswo beobachten könne, bedauerte er. Ganz an den Nagel hängt Hans-Joachim Schapals sein Handwerk jedoch nicht. Bei besonderen Anlässen und größeren Feierlichkeiten kehrt er auch künftig in seine Wurstküche zurück.

Senior steht schon wieder in der Küche

 „Gestern habe ich mindestens 400 Rouladen geschnitten“, meinte er. „Und alles ist weg.“ Gleiches gilt für Gulasch, Rindfleisch, Hackfleisch und Mett. „Ich konnte das gar nicht so schnell hochbringen wie es weg war.“ Die Feuerwehr Dahl, eine von vielen uniformierten Kunden aus der näheren und weiteren Umgebung, holte bereits am Samstag eine Großbestellung ab. 

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