Lüsterklemme: Ein fröhlich singender Biologe

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Biologe und Spaßvogel: Keirut Wenzel trat als letzter Kandidat im Wettkampf um die Lüsterklemme auf.

Lüdenscheid - Ernährungstipps, Hygieneempfehlungen, Hinweise zur Steigerung der Attraktivität: Mit einer recht bunten Mischung trat der gelernte Biologe Keirut Wenzel als letzter Kandidat der 37. Lüdenscheider Kleinkunsttage an – im ausverkauften Garderobenfoyer des Kulturhauses.

Mochte das Interesse an dem Spaßvogel aus Köln zu Beginn auch groß sein: Der Kandidat drehte den Spieß zunächst um und ging auf eine kleine Tournee durch das Publikum: „Ich will die Leute kennenlernen, die mich bewerten:“ Das war nachvollziehbar. Überraschend war allerdings, dass er dabei auf drei Paare traf, die sich über das Internet kennengelernt hatten. 

„Geht ihr auch manchmal so raus?“, staunte Keirut Wenzel und machte das Vorurteil über die angebliche Stubenhockerei der Lüdenscheider zu einer Art „Running Gag“. Viel später, als der Kandidat schon bei fröhlichen Liedern angekommen war, moserte er irgendwie rum, dass das Publikum in Köln schon längst auf den Tischen wäre. Spätestens da war die Zeit gekommen, sich zu wehren: Reste ordentlichen zivilisatorischen Betragens, die man bei Sauerländern immer mal wieder feststellen muss, sind keine Schande.

Es sollte was zu lernen geben an diesem Abend – so hatte es der Kandidat zu Beginn verkündet. Seine persönlichen Bekenntnisse lösten vernehmliche Anerkennung aus: „Ich habe Biologie studiert, und ich habe es auch abgeschlossen.“ Und es gab tatsächlich einiges zu lernen: Welche Toiletten am hygienischsten sind, dass man beim Einkaufen „immer nur verarscht wird“ und dass Tiere auch im 21. Jahrhundert noch geschlachtet werden müssen, um verzehrt werden zu können. Sehr erfreulich war die Ansage, dass regelmäßiger Sex schlau macht, während der Anblick nackter Körper alles darum herum vergessen lässt. Das Fazit, dass bessere Gedächtnisleistungen also nur dann zu erwarten sind, wenn die sexuellen Gymnastikübungen angezogen genossen werden, war irritierend. Schön war der Streifzug durch das, was die Biologen als ihre „Nomenklatur“ kennen – die Benennung von Lebewesen. 

Dass in dieser Abteilung nicht alles geschwindelt war, macht schon der „Anophthalmus hitleri“ deutlich. Wer auch immer ihn entdeckte, folgte einer zweifelhaften Gesinnung, als er das von ihm entdeckte Lebewesen seinem Führer widmete: „Anophthalmus hitleri ist ein etwa 5 Millimeter langer augenloser, in Höhlen in Slowenien lebender Käfer von brauner Farbe aus der Familie der räuberischen Laufkäfer“, verrät uns Wikipedia. Aus dem Reich der Biologie stammten auch Erkenntnisse über den Drogenkonsum von Tieren – von betrunkenen Elefanten bis zu Fliegenpilz fressenden Rentieren.

Am Ende gab es was auf die Ohren: Werbung für DDR-Schlager, die Keirut Wenzel kongenial synchronisierte. Doch er kann auch selber singen: „Der Herrgott hat das Leben perfekt geplant.“ Bei soviel Glauben an die Allmacht der Vorsehung konnten die Besucher wahrlich getröstet nach Hause gehen. 

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