Tierschützerin klärt auf

Letzter Hilferuf: Wenn Eichhörnchen an der Hose hochkrabbeln - Tipps für Tiere in Not

Eichhörnchen Jungtiere
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Eichhörnchenbabys, die im Wald gefunden werden, dürfen auf keinen Fall mit Kuhmilch gefüttert werden.

Nach dem Tod ihres Mannes, weiß Tierschützerin Anke Melis nicht, wie es mit ihrer Tierauffangstation weitergehen soll. Außerdem gibt sie Tipps zu Verhaltensweisen, sollte man ein Tier in Not finden.

Lüdenscheid – Spricht man in Lüdenscheid über den Tierschutz, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Anke Melis. Die gelernte Krankenschwester ist eine wahre Institution in Sachen Natur- und Tierschutz. Egal ob Eichhörnchen, Turmfalken, oder Waldkäuze – Anke Melis nimmt alle Tiere auf, die in Not sind.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohner72.313 Einwohner

Tiere in Not: Tipps zu Verhaltensweisen von Tierschützerin aus Lüdenscheid

Über Jahrzehnte hat sie eine Auffangstation an der Südstraße geführt – zusammen mit ihrem Ehemann Robert Melis, den alle nur Bob nannten. Ende 2019 starb Bob im Alter von 88 Jahren und von da an musste Anke Melis allein Regie führen. „Im Moment habe ich hier eine kleine Zwerg-Fledermaus, die ich aufpäppeln muss“, sagt Melis.

Der Aufwand, diese Tierauffangstation mit dem Hauptaugenmerk auf Auswilderung zu betreiben sei sehr groß, dennoch wolle sie noch nicht aufgeben. „Ich kann da auch nach dem Tod meines Mannes noch nicht so richtig loslassen. Die Tiere aufzupäppeln ist auch einfach gut für mein Herz.“

Tiere in Not: Tierpflege bedeutet viel Aufwand

Dennoch fährt sie ihr Engagement zwangsläufig etwas zurück. „Ich bin oft nur noch beratend zur Stelle. Ich kann jetzt nicht mehr jedes Tier aufnehmen.“ Zur Einordnung erklärt die Tierliebhaberin: „Man muss sich das mal vorstellen. Mein Mann ist sonst vier Monate lang jeden Tag zum Stilleking gefahren, um Tiere dorthin zu bringen, die von der Pinzette auf aufgezogen werden müssen. Außerdem kommen die Tiere, die wir hier aufgepäppelt haben, nach Brilon gekommen, wo eine Auswilderungsstation ist. Das ist mit einer riesigen Verantwortung verbunden und das kann ich alleine nicht mehr tragen.“

Auch das Verabreichen der Medikamente stelle für sie allein eine große Herausforderung dar. „Sonst habe ich die Medikamente meinem Mann in die Hand gedrückt und zum Beispiel den Schnabel aufgedrückt. Man muss Tiere ja manchmal auch zwangsernähren.“

Tierschützerin aus Lüdenscheid: So hilft man Tieren in Not

An Einfallsreichtum mangelt es Melis jedoch nicht. „Einen Habicht, der ja eine unglaubliche Kraft in den Fängen hat, habe ich dann in eine Decke gerollt, um mich nicht zu verletzen.“

Im vergangenen Jahr habe sie Unterstützung von Naturschutzbund (Nabu) erhalten. Wie es in diesem Jahr ablaufen wird, konnte sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. „Ich würde es gerne im Kleinen weiter machen. Ob das irgendwie machbar ist, weiß ich nicht. Wichtig ist mir, dass die Tiere in die richtigen Hände müssen.“

Fanden zurück zu alter Stärke: Diese drei Waldkäuze wurden von Anke Melis gefüttert, gepflegt und wieder ausgewildert. Der Aufwand sei sehr groß. „Ich bin oft nur noch beratend zur Stelle. Ich kann jetzt nicht mehr jedes Tier aufnehmen“, sagt die passionierte Tierschützerin.

Ebenfalls von großer Bedeutung ist für Anke Melis, dass Spaziergänger wissen, wie sie handeln müssen, wenn sie ein Tier in Not finden. „Wichtig ist erst einmal, dass die Spaziergänger im Wald auf den Wegen bleiben. Wenn sie Kreuz und Queer gehen, dann ist das schon ein Problem für die Tiere.“ Sollten Spaziergänger dennoch ein Tier entdecken, dass sich in Not geraten ist, hat die Expertin Tipps, die für die Tiere lebensrettend sein können. „Es muss beachtet werden, dass Tiere die aufgefunden werden oft unterkühlt sind, besonders, wenn es Jungtiere sind.“ Dann solle man versuchen, die Tiere unter der Jacke aufzuwärmen.

Denn wenn die Tiere unterkühlt seien, könne der Schluckreflex nicht auslösen, wenn man sie füttern würde. „Ganz wichtig ist, dass die Finder, den Tieren keine Kuhmilch geben, wenn sie aufgewärmt sind, denn davon bekommen sie starke Magenverstimmungen.“

Besonders erwähnenswert für Melis ist zudem die Tatsache, dass sich Spaziergänger nicht erschrecken sollen, wenn ein Eichhörnchenbaby einem selbst am Hosenbein heraufklettert. „Viele denken, dass die Eichhörnchen Tollwut hätten, doch wenn sie am Hosenbein hochkrabbeln, ist das quasi ein letzter Hilferuf und man muss ihnen sofort helfen.“

Information

Wer Eichhörnchen findet, die sich in einer Notlage befinden, kann sich beim Verein Eichhörnchen Notruf unter folgender Telefonnummer melden: 07 00 / 20 02 00 12.

Generell kann man sich auch bei Anke Melis unter der Telefonnummer 0 23 51 / 2 17 43 melden, wenn man ein Tier in Not gefunden hat.

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