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Lennestraße: Schadstoffbelastung nach A45-Sperrung viel zu hoch

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Von: Thomas Machatzke

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Lennestraße Lüdenscheid Schadstoffbelastung
Recherchen des Fernsehsenders SAT.1 NRW belegen: Die Schadstoffbelastung an der Lennestraße ist nach der A45-Sperrung viel zu hoch. © Cedric Nougrigat

Recherchen des Fernsehsenders SAT.1 NRW belegen: Die Schadstoffbelastung an der Lennestraße ist nach der A45-Sperrung viel zu hoch.

Lüdenscheid – Erst wurde lange über Luftschadstoff-Screenings diskutiert, ohne dass tatsächlich an den Umleitungsstrecken nach der A45-Sperrung etwas passierte. Inzwischen findet an der Lennestraße eine Verkehrszählung statt, damit das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) mit den dabei ermittelten Daten mit Hilfe einer Modellierung die Emissionsdaten im Jahresmittel bestimmen kann. Nun liegen Daten vor – allerdings nicht vom Lanuv, sondern vom Fernsehsender SAT.1 NRW, der von „Schadstoff-Hot-Spots“ an der Lennestraße spricht.

Recherchen der Regionalnachrichten des Senders zeigen laut einer Veröffentlichung von SAT.1 NRW: An zwei Messpunkten lag die Belastung durch Stickstoffdioxid sogar höher als im selben Zeitraum an der Düsseldorfer Corneliusstraße. Hier steht die in 2021 am höchsten belastete Messstation in NRW. Reporter der Regionalnachrichten hatten bereits vor einigen Wochen Passivsammler entlang der Ausweichstrecken in Lüdenscheid und Altena angebracht.

An sechs Standorten wurden knapp einen Monat lang stichprobenartig Informationen über den Gehalt von Stickstoffdioxid (NO2) in der Außenluft gewonnen. An zwei Messstellen lag der ermittelte Durchschnittswert in diesem Zeitraum sogar über dem europaweit gültigen Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ NO2. Auch alle anderen Stichproben überschritten den von der WHO empfohlenen Grenzwert von 10 µg/m³. Die Passivsammler wurden von einem Prüflabor in der Schweiz ausgewertet.

Lennestraße: Schadstoffbelastung nach A45-Sperrung viel zu hoch

Um eine finale Aussage darüber zu treffen, ob der Jahresgrenzwert tatsächlich dauerhaft überschritten wird, müssten ein Jahr lang Daten erhoben werden. Laut Deutscher Umwelthilfe würden aber auch schon die Daten der Stichprobe zeigen, dass es sich hier eindeutig um zwei „Hot Spots“ handele. Chemiker und Umweltexperte Axel Friedrich ist als Sachverständiger für die Deutsche Umwelthilfe tätig. Er hat sich laut Sender-Mitteilung die Daten angeschaut und erklärt, dass Stickoxide insbesondere die Lunge und das Herz belasten. Sein Fazit: „Die Menschen, die da wohnen, werden eine kürzere Lebensdauer haben, wenn sie länger diesen Belastungen ausgesetzt sind.“

Das Lanuv will zu Messergebnissen Dritter keine Bewertung abgeben. Man erstelle im Moment mit Hilfe von Verkehrszählungen eigene Modelle, um die zu erwartende mittlere Jahreskonzentration an Schadstoffen zu berechnen. Zu den SAT.1 NRW-Recherchen heißt es: Es sei nicht „zulässig, zur Bewertung einer vierwöchigen Messung den Grenzwert für das Jahresmittel heranzuziehen.“

Die Deutsche Umwelthilfe sieht das anders: „Selbst, wenn es keine gerichtsfeste Zahl ist, sollte es doch für politisches Handeln Anlass genug sein“, findet Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung. „Ich muss mich nicht sehr weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich sage, dass auch die Jahreswerte für diesen Abschnitt um die 40 µg/m³ liegen werden.“

Zu den niedrigeren Messwerten erklärt sie: „Wenn ich über einen Zeitraum hinweg einer Konzentration ausgesetzt bin von 20 µg/m³ oder sogar noch darunter, auch dann gibt es gesundheitliche Gefährdungen.“ Also auch hier: keine Entwarnung. TM

Alle Messwerte im Überblick (µg/m³): Lennestraße 104: 30.7; Lennestraße 64: 40.3; Lennestraße 68: 40.2; Lennestraße 113: 26.7; Hemecker Weg 13, Altena: 18.7; Hemecker Weg 11, Altena: 22.1.

Stadt schließt sich der Lanuv-Ansicht an

Die Stadt Lüdenscheid reagierte wie das Lanuv auf die Veröffentlichung des Fernsehsenders SAT.1 NRW. „Natürlich wollen wir, dass den Bürgern an der Lennestraße schnell geholfen wird“, sagt Sven Prillwitz, Pressesprecher der Stadt, „aber wir müssen uns als Behörde an bestimmte Rahmenbedingungen und Vorgaben halten. Deshalb schließt sich die Stadt inhaltlich der Stellungnahme der Lanuv an.“

Kleiner Lichtblick: Nach dem Winterschlaf-Ende der Haselmaus haben die Arbeiten unterhalb der maroden Talbrücke Rahmede in Lüdenscheid begonnen.

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