Der „Schwejk“ wurde liebevoll neu belebt

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Pächter Hakan Martin (rechts) mit Bauleiterin Anke Eick und Andreas Thomas als Küchenchef vor dem grundrenovierten Gasthaus „Schwejk“. Auch außen wurde gestrichen, bei Nacht entfaltet das neue Lichtkonzept seine Wirkung.

Lüdenscheid -  „Der Schwejk gehört zu Lüdenscheid wie die Erlöserkirche.“ Per E-Mail aus London gratuliert Reinhold Zimmermann Hakan Martin als neuem Pächter der Traditionsgaststätte zur Eröffnung.

Der historische Backofen. Bis 1976 arbeitete die Bäckerei Strunk damit, danach wurde das Haus zur Gaststätte der Familie Köster.

350 000 Euro hat Zimmermann in seine historische Altstadt-Immobilie investiert. Als treibende Kraft stand seine langjährige Mitarbeiterin Anke Eick als Bauleiterin hinter dem Projekt. Über die Küche im Schwejk sprachen die LN mit dem Koch Alexander Thomas (ehemals „u. a. Lünsch“), über den Stellenwert mit Blick auf die Aufwertung der Altstadt mit PR-Fachmann Willi Denecke.

Die wichtigste Frage zuerst: Wann ist die Eröffnung?

Martin: Wir sind bereits im Betrieb. Wir haben eine „leise Eröffnung“ als Probelauf vorgenommen, damit sich das Personal einarbeiten kann.

Die Zweitwichtigste: Was gibt’s zu essen?

Thomas: Das traditionelle Krüstchen ist nach wie vor der Renner. Das Essen orientiert sich an dem, was die Wirtsleute Köster hier 30 Jahre auf den Tisch gebracht haben. Und Sie werden keine Konserven und vorgefertigte Tiefkühlprodukte in der Küche finden...

...gar keine?

Die Leuchter im Saal blieben erhalten, gleichzeitig zieht dort auch moderne Projektionstechnik beispielsweise für Tagungen ein.

Thomas: Na ja, mit Garnelen ist das hier ein bisschen schwierig.

Was für Gäste sollen denn in den Schwejk kommen?

Martin: Junge und alte. Natürlich wollen wir gerade die früheren Besucher hier sehen, und wir merken auch, dass der Schwejk gefehlt hat.

300 Jahre Geschichte

Das in der Denkmalliste eingetragene Objekt bildet einen Teil der alten Kirchplatzbebauung, die aus der Zeit nach dem Stadtbrand von 1723 stammt. Das Gebäude Kirchplatz 1 wurde im Jahr 1731 auf den Kellermauern aus der Zeit vor dem großen Stadtbrand erbaut. Die Bäckerfamilie Strunk hat bis 1976 in dem alten Haus Brot gebacken und gewohnt. Als „Vorreiter“ der Altstadtsanierung wurde 1978 am Kirchplatz 1 das Wirtshaus „Zum Schwejk“ geboren. Den Architekten Matthies und Hansen ist es zu verdanken, dass die Häuser der Altstadt erhalten blieben und restauriert wurden. Das verwinkelte Gemäuer mit dem fast 300 Jahre alten Bruchsteinmauerwerk und den urigen Gasträumen mit Tonnengewölbe und Holzbalkendecken war 30 Jahre lang Lebensmittelpunkt der Pächter-Familie Köster.

Woran?

Martin: Seit Ende August haben wir mittlerweile zwölf Stammtische. Das freut mich natürlich.

Aber es gibt noch kein Platzproblem?

Martin: So schnell nicht. Wir haben im Haus 140 Sitzplätze, 30 allein im neu gestalteten Saal auch für Tagungen und Gesellschaften.

Was heißt denn überhaupt „neu gestaltet“?

Eick:  Wir standen vor der Aufgabe, das denkmalgeschützte Gebäude einerseits fundamental zu sanieren und dem Stand der Technik anzupassen, andrerseits den einzigartigen Charme des Hauses nicht anzugreifen.

Wie lange hat das gedauert?

Den Reiz der Gaststätte machen insbesondere die Gewölbe mit ihren dicken Bruchsteinmauern aus.

Eick:   Vier Monate etwa. Wir hatten Feuchtigkeit in den Wänden, insbesondere im Bereich des alten „Backes“, mussten die Zwischendecken sanieren. Im Saalbereich gab es Höhenversprünge von mehr als 15 Zentimetern.

Und sonst noch böse Überraschungen?

Eick: Morsche Deckenbalken und Fensterstürze, zum Glück aber keine Schädlinge und keinen Schimmel.

War der Denkmalschutz ein Problem?

Eick: Wir konnten alles kurzfristig und mit dem Fachdienst Kultur und Denkmalschutz auf extrem kurzem Weg abstimmen. Das war recht unkompliziert. Und wir haben mit heimischen Unternehmen gearbeitet. Mit fremden Firmen hätte ich mich so ein Projekt nicht getraut.

Der brave Soldat ziert auch Monitore im Restaurant.

Was fällt denn den Gästen auf?  

Eick: Sicher die neuen Toilettenanlagen, frischer Anstrich innen und außen. Da hat sich der Maler richtig ausgetobt (lacht). Das Dach ist neu gedeckt, zum Teil mit den alten Pfannen. Die Beleuchtung innen und außen hat das Dial geplant. Die vorhandenen schönen Böden wurden aufgearbeitet.

Gibt es eine durchgehende Grundidee hinter dem Projekt Schwejk“? 

Denecke: „Wir wollten die Philosophie des Wirtshauses neu beleben. Die „Schwejk-Story“ vom braven Soldaten Schwejk bietet ausreichend Stoff, um sie zum Teil des Wirtshauses werden zu lassen und die Gäste zum Schmunzeln zu bewegen.

Reicht das aus für den Erfolg?

Denecke:  Es ist klar, dass die Familie Köster große Fußstapfen hinterlassen hat. Es war klar, dass der neue Pächter aus Lüdenscheid kommen und die Bedürfnisse der Gäste hier kennen sollte. Und das bringt Hakan Martin mit.

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