Leidenschaft fürs Lichtspielhaus

+
Derzeit ist der große Kinosaal noch lange nicht so, wie Andre Lubba ihn sich vorstellt, aber es wird. Zuletzt stellte der 41-Jährige die beiden Seiten-Logen fertig.

Lüdenscheid - Weihnachten wird Andre Lubba nicht mit seiner Familie verbringen, das steht jetzt schon fest. Der Grund? Der neue „Star Wars“-Streifen, der am 17. Dezember in Lubbas Kino Filmpalast an der Werdohler Straße anläuft.

„Da wird der Andrang so groß sein, dass wir auch an Heiligabend bis 17 Uhr geöffnet haben. Da schaffe ich es dann nicht mehr zu meinen Eltern, die auf Mallorca leben“, erzählt der 41-Jährige. Dass er die wichtigsten christlichen Feiertage nicht im Kreise der Familie begehen kann, ist aber eigentlich gar nicht so schlimm. Denn das Zuhause von Andre Lubba ist: sein Kino.

Im Filmpalast wohnt er auch tatsächlich, zumindest oben drüber. Über eine Leiter kann Lubba aus dem Obergeschoss ins Foyer klettern, schon ist er mitten im Geschehen. Richtig Urlaub machen, länger aus Lüdenscheid, vom Kino weg sein, möchte Lubba auch gar nicht. „Meine Eltern wollen mich mal sehen und meine Kinder möchten mit mir wegfahren, aber ich brauche das eigentlich nicht. Letztes Jahr war ich mit meinen Kindern auf Mallorca. Aber ich nehme immer Handy und Laptop mit. Darüber kann ich dann das Kinoprogramm und anderes regeln.“

Jeder Aufenthalt in einer anderen Stadt wird dazu genutzt, Kinos unter die Lupe zu nehmen. „Viele Kinos haben etwas Schönes. Ich schaue dann, wie die so arbeiten, wie das Kino aufgebaut ist oder was sie für Produkte anbieten“, erklärt Lubba.

Sein eigenes Kino – für viele Besucher mittlerweile eine Kultstätte – findet er „okay“. Seine Eltern übernahmen das Kino 1979, das Mobiliar im Außenbereich und im Foyer stammt aus dem Eröffnungsjahr 1956. Lubbas Gäste schätzen das Flair der 50er-Jahre, den Ausflug in die Vergangenheit. Betritt der Gast aber den großen Kinosaal, ist der Blick zurück Geschichte. Hier prägen moderne Technik, LED-Beleuchtung und futuristisch anmutende Liegeflächen das Bild. „Ich bin eher modern eingestellt. Ich finde mein Kino zwar schön, aber würde ich heute ein Neues bauen, sähe das ganz anders aus“, sagt Lubba.

Stadtgespräch Kinovergnügen im Filmpalast Lüdenscheid

Seine Vorliebe fürs Moderne geht aber nicht soweit, als dass Lubba den Charme des Kinovergnügens aus vergangenen Jahrzehnten zerstören würde. Das Flair soll im Foyer und im Außenbereich erhalten bleiben. Lubba lebt sich dafür im großen Kinosaal aus. Er hat ein Konzept, wie das Kino einmal aussehen soll. Das hat er bereits vor Jahren ausgearbeitet und feilt nun, auch in Zusammenarbeit mit Architekten, stetig weiter daran.

Paar-Lounge entstand auf Kundenwunsch

Ein ganz aktuelles Projekt ist erst kurz vor der Vorpremiere des neuen „James Bond“-Films am Mittwoch fertig geworden: Die zwei Seiten-Logen, die Platz für sieben Gäste bieten und mit Kühlschränken ausgestattet sind. „Zwei Stunden vorm Film waren wir fertig. Jetzt müssen nur noch Kleinigkeiten gemacht werden, wie die Lichteinstellung oder die Beschriftung der Stühle“, sagt Lubba. Bei seinen Neubauten – die Pärchen-Lounge ist erst im April fertiggestellt worden – ist Andre Lubba sehr perfektionistisch, Kosten und viel Eigenleistung scheut er nicht. Allein die Seiten-Logen kosteten rund 85 000 Euro. „Aber ich investiere nur, wenn ich das Geld habe. Verschulden möchte ich mich nicht.“

Bei den Umbaumaßnahmen erhält Lubba Unterstützung von seinen Kunden. „Einige bieten mir ihre Hilfe an, da sind schon Freundschaften draus entstanden.“ Rücksicht auf die Wünsche seiner Kunden zu nehmen, ist für Lubba selbstverständlich. „So ist zum Beispiel die Pärchen-Lounge entstanden.“

Zuletzt erneuerte Andre Lubba den Granit-Sockel im Eingangsbereich und pflasterte den Vorplatz. Er hat noch viel vor: „Im nächsten Jahr wollen wir mit dem Bau eines Parkplatzes und einem neuen Zugang zum Kino anfangen. Auch die Toiletten werden renoviert. Und im großen Saal werden noch die Wandverkleidung und die Seiten-Leuchten neu gemacht.“

Für sein Kino ist Lubba nichts zu schade. „Die Liegen in der Cloud-Lounge kosten jeweils 4500 Euro. Das Sofa in meiner Wohnung besitze ich schon, seitdem ich 18 bin. Selbst der Fernseher in der Bar ist besser als meiner oben. Aber ich bin ja eh immer hier.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare