„Es leiden alle, auch die Angehörigen“

Anita Pfeiffer, Ulrich Kilo und Brigitte Hilbrandt (vorne v.l.) vom Förderverein sowie die Berater Andrea Bäcker und Peter Nehrenheim bitten um Spenden, um das Angebot der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes aufrecht erhalten zu können.

LÜDENSCHEID ▪ Das Team der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg muss sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Denn mit gesellschaftlichen Entwicklungen verändert sich auch die Sucht.

Zwar steht die Alkoholsucht bei der Beratung der Frauen und Männer nach wie vor an erster Stelle, aber Computer-, Spiel- und Arbeitssucht spielen auch immer häufiger eine Rolle. „Unsere Klienten werden komplizierter. Hektik und Leistungsdruck sind sie zum Teil nicht gewachsen. Gleichzeitig gibt es immer seltener einen tragfähigen Verwandten-, Bekannten- oder Freundeskreis, der sie auffangen kann“, wissen die Berater Andrea Bäcker und Peter Nehrenheim.

Gemeinsam mit Ulrich Kilo, Anita Pfeiffer und Brigitte Hilbrandt vom Förderverein der Beratungsstelle gaben sie am Freitag einen Überblick zu ihrer Arbeit und bedankten sich gleichzeitig für die Spendenbereitschaft von Firmen, Organisationen und Einzelspendern, auch aus dem Kreis der Klienten, die sich damit wiederum für Hilfe und Unterstützung in schweren Zeiten bedanken. Wie berichtet, muss seit 2001 eine zusätzlich geschaffene halbe Stelle, die mit 10,7 Wochenstunden über den Kirchenhaushalt erbracht wird, durch Spenden auf 17 Stunden verlängert werden. Jährlich 9500 Euro sind dafür nötig.

Die Spenden sind gut angelegt, denn sie verkürzen Wartezeiten für suchtkranke Menschen, die nach enormen Leidensdruck endlich den Weg zur Beratung gefunden haben. „Es leiden alle Beteiligten, auch die Angehörigen, die oft im Suchtsystem nicht mehr mitmachen wollen und es unterbrechen, wenn sie sich an uns wenden. Damit beginnt der oft lange Beratungsprozess, denn nicht selten müssen viele Schichten der Persönlichkeit offen gelegt werden, um den Ausstieg zu schaffen. Denn die Sucht hat ja über Jahre an Dynamik gewonnen“, verdeutlichen die Experten die Problematik. Die kontinuierliche ambulante Begleitung ohne notwendige Genehmigungsverfahren ist das Plus der Beratungsstelle des Diakonischen Werkes im Luther-Haus an der Heedfelder Straße.

„Außerdem erhalten wir Arbeitskraft“, betont Andrea Bäcker, denn stationäre Aufenthalte werden durch die ambulante Hilfe vermieden. Schwierig sei es nach wie vor, die Beratung auch in die Betriebe zu bringen. „Wir haben viele angeschrieben, doch nur punktuell Rückmeldungen erhalten. Bei Bedarf sind wir aber jederzeit bereit, zum Beispiel über die Betriebsräte Informationen zur Verfügung zu stellen und Hilfestellungen zu geben.“

Spenden sind beim Förderverein, Konto-Nr. 368 308 bei der Sparkasse, BLZ: 45850005, willkommen.

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