Lüdenscheiderin fast gestorben

Todkrank aus dem Urlaub: Legionellen statt Erholung

LÜDENSCHEID - Eine 52-jährige Lüdenscheiderin hat in ihrem Ostsee-Urlaub die Legionärskrankheit bekommen – und wäre beinahe daran gestorben. Erst nach fünf Wochen konnte die Frau das Klinikum Hellersen verlassen, immer noch gesundheitlich massiv beeinträchtigt und bis auf weiteres arbeitsunfähig.

Der Lüdenscheider Rechtsanwalt Dirk Löber kämpft für seine Mandantin um ein hohes Schmerzensgeld. Und steht kurz vor dem durchschlagenden Erfolg.

Rechtsanwalt Dirk Löber.

Es sollte die pure Erholung werden: ein verlängertes Herbstwochenende in einem Appartement-Haus in Diedrichshagen nahe Rostock- Warnemünde an der Ostsee. Das Ehepaar aus Lüdenscheid ist über eine Zeitschriften-Annonce auf das Haus gestoßen. Am 6. November, drei Tage nach der Rückkehr ins Sauerland, geht die Frau mit leichten Grippesymptomen zum Hausarzt. Sie bekommt „ganz normale Medikamente“, wie Löber sagt. Am 11. November bringt ihr Mann sie in die Notaufnahme. Da hat sie 41 Grad Fieber und wird stationär aufgenommen.

Löber: „Aber die Ärzte fanden die Ursache zunächst nicht.“ Einen Tag später landet die Patientin mit massiven Atembeschwerden auf der Intensivstation. Hier verschlechtert sich ihr Zustand, sie muss künstlich beatmet werden. Schließlich die Dia-gnose: Legionellen-Infektion, schwere beidseitige Lungenentzündung. Die Frau fällt ins Koma.

Erst Gespräche mit den Ärzten lassen Rückschlüsse auf die Ursache der Erkrankung zu. Und der Anwalt beginnt, Beweise für den Zusammenhang zwischen dem Appartement und der Legionärskrankheit zu sammeln.

Den ersten Brief aus der Kanzlei beantwortet der Hotelier „erwartungsgemäß“, wie Löber sagt. „Er wies alles von sich und hängte einen Genesungswunsch hintendran.“ Auch die Haftpflichtversicherung des Hotelbetreibers, mit einem Schmerzensgeld-Vorschuss in fünfstelliger Höhe konfrontiert, lehnt die Erfüllung irgendwelcher Ansprüche ab. Der Jurist: „Das machen die ja immer so.“ Also nimmt er Kontakt zum Gesundheitsamt Rostock auf und bittet die Behörde um eine Wasseranalyse aus dem Appartement-Haus.

Die Antwort kommt am 22. April, fast ein halbes Jahr nach dem Kurzurlaub des Paares aus der Kreisstadt. Von einer „hoch zu beanstandenden Legionellenbelastung“ ist die Rede und von einer „hohen Kontamination“.

Noch ist kein Cent für die Frau geflossen, aber viele Tränen. Die Spätfolgen sind laut Löber nicht abzusehen. Die Klage steht dicht bevor.

Olaf Moos

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