Mit Legionären für starken Sozialstaat

LÜDENSCHEID ▪ Das Kinder- und Familienfest der Gewerkschaften zum 1. Mai lockte viele Menschen in die Lüdenscheider Innenstadt. Beim Mix aus Politik, Musik und Spiel kam auch die Satire nicht zu kurz.

Mit einigen Kameraden marschiert der Legionär „Danielus“ auf der Heedfelder Straße dem Demozug zum 1. Mai voran. Unterm Helm trägt er eine Westerwelle-Maske, und lauthals fordert er „Schnee schippen für alle!“ Die Jugendlichen aus der IG Metall wollen so das Wort des am Freitag noch in Lüdenscheid wahlkämpfenden FDP-Cäsaren vereimern, der in der Hartz-IV-Debatte „spätrömische Dekadenz“ im Volke ausgemacht hatte. Das Ergebnis ist ein karnevalistischer Hingucker für einen sonst unspektakulären Zug.

Parolen zu den Themen des Tages „Gute Arbeit – Gerechte Löhne – Starker Sozialstaat“ sind nicht zu hören, dafür scheppert die „Internationale“ aus einem überforderten Radiorecorder. Für wen sollten sie auch rufen, die Straßenränder sind leer, die Stimmung im Zug ist wenig kämpferisch, eher launig wie auf einem Ausflug.

Ziel ist der Rathausplatz. Der ist um kurz vor Zwölf so gut gefüllt wie das Fladenbrot mit den Spießchen, nach denen es duftet. Daniels Legion marschiert bei strahlender Sonne ein – wer hat eigentlich Regen angesagt? – und erntet Applaus. Die Band „Deep Orange“ spielt ihren Blues derweil einfach mal weiter, wo die Züge früher mit großem Hallo begrüßt wurden.

Kinder- und Familienfest prägt den Tag

Heute prägt das Kinder- und Familienfest die Maifeier von Anfang an. Wären da nicht die Fahnen und Stände von IG Metall und Verdi, dann könnte dies vor lauter Rollenrutschen, Kinderschminken und Kistenklettern auch das nette Straßenfest von nebenan sein. Dass hier für den Familienplatz geworben wird, passt, zumal sich CDU und FDP heute unsichtbar machen.

Den Mix aus Politik und Spaß mögen viele der Besucher. Organisator Bernd Benscheidt schätzt die Zahl später auf 1000; angesichts des Kommens und Gehens dürfte es mehr gewesen sein.

"Die sollten lieber für Arbeitsplätze sorgen!"

Andre Reich aus Halver und Timo Guttke aus Kierspe sind in schwarz-gelben Kutten erschienen. Sie machen Station, bevor es im Zug zur Borussia geht, weil in Lüdenscheid heute was los sein soll. Und? „Stimmt.“ Dass dafür aber sein Gewerkschaftsbeitrag von 8 Euro im Monat draufgeht, findet Azubi Andre nicht gut: „Was helfen Luftballons? Die sollten lieber für Arbeitsplätze sorgen!“ IGM-Jugendsekretär Kevin Dewald fordert, später, dass alle Betriebe, die nicht ausbilden, zahlen sollen. Da sind Andre und Timo fast auf der Südtribüne.

Solidarität mit Griechen und Griechenland

Man hört weiter erdigen Blues, dazwischen Bürgermeister Dieter Dzewas. Er fasst sich kurz, wettert gegen die Zocker an den Weltbörsen, deren Krise auch Lüdenscheid zum Sparen zwinge. Und wendet sich an die griechischen Lüdenscheider, die sich „dank der Zeitung mit den vier großen Buchstaben“ viele Schuldzuweisungen anhören müssten. Dzewas mahnt: „Wir in Lüdenscheid bleiben solidarisch!“

Weitere Bilder von der ersten Maikundgebung

Mit Legionären für starken Sozialstaat

Vassilios Apostolopoulos, in Lüdenscheid geboren, hat noch keine Anfeindungen zur Finanzkrise erlebt. Er ist bei Kostal und will hier „hören, was Sache ist“. Dass seine beiden Kinder dabei spielen können, rundet die Sache ab. So sieht es auch Ludmilla Schmidt, die Töchterchen Vanessa, Schwester Elena und deren Sohn Jonas mitgebracht hat. „Weil‘s ein Familienfest ist, und wegen der Kundgebung“, sagt sie. „Mir geht es um die Jugend, um ihre Perspektiven.“ Die Maifeier gefällt ihr sehr; die Lüdenscheiderin überlegt jetzt, in die Gewerkschaft einzutreten.

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