Lebensmittel: „Die Leute stumpfen langsam ab“

Marc Voß, Einzelhandelskaufmann im Edeka-Markt am Buckesfeld, musste noch keine Diskussionen um Bio-Eier führen.

LÜDENSCHEID ▪ „Die Leute stumpfen langsam ab“, glaubt Joachim Liesenhoff. So manchen Lebensmittel-Skandal hat der 64-jährige Edeka-Chef vom Buckesfeld im Laufe seines Einzelhändlerdaseins schon überstanden.

"Beim letzten Skandal mit Eiern haben wir zweistellig zugelegt“, erinnert er sich. Diesmal gebe es „so gut wie gar keine“ Resonanz der Kunden. Der Eierlieferant seines Marktes sei ein regionaler aus Breckerfeld, das entspreche der immer wieder gehörten Forderung, regionale Produkte zu bevorzugen. „Aber ‘reingucken können wir alle nicht“, sagt er. Weitere ausgewiesen regionale Lebensmittel seien unter den mehr als 15.000 Produkten in den Regalen kaum zu finden: „Wir haben ja nicht mal mehr Landwirte in Lüdenscheid.“

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Übers Pferdefleisch hingegen hätten sich die Leute eher lustig gemacht, hat er mitbekommen. Diskussionen habe es nicht gegeben: „Ich bin ganz überrascht.“ Edeka habe nicht nur die frische Lasagne vorläufig aus dem Programm genommen, auch seine Tiefkühl-Lasagne aus dem „Gut und günstig“-Programm sei zurückgerufen worden. Dabei sei die gut gelaufen, „kostet ja nix“. 1,29/1,39 für 400 Gramm – „die Leute fragen danach“. Aber man müsse sich das mal überlegen: Fleisch, Nudeln, Sauce, Verpackung, dann wollten die Hersteller daran verdienen, der Großhandel „und wir auch – wie soll das gehen?“

Joachim Liesenhoff sieht Unterschiede in den Kundenreaktionen. Damals, als es um Keime in Salaten gegangen sei, als die Leute Angst gehabt hätten, krank zu werden, da sei es anders gewesen. Was diesmal bleibt, ist der Betrug, der Etikettenschwindel um Pferd und Bio.

Letztlich lebt die Branche davon, dass der Mensch essen muss. Noch mache der Handel Spaß, so Liesenhoff. Zum Standort am Buckesfeld kämen oft Kunden aus anderen Stadtteilen, das schafft Perspektive im Wettbewerb. Demnächst möchte er seine 1200 Quadratmeter um einen Getränkemarkt erweitern – der Umbau des Komplexes macht’s möglich. Viel Arbeit also, auch für die rund 50 Mitarbeiter, darunter etwa 15 feste. Und wie hält’s Liesenhoff mit dem Essen? „Konservativ. Wir kochen nur frisch. Ich fahr nach Hause, mache Mittagspause, so richtig mit Nachtisch und Espresso. Wenn man 13 Stunden hier ist, muss das sein.“

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