Es war nicht ihre erste Tat

Lebensgefährtin betrogen: Ärger für Fahrlehrerin aus dem MK

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Die Angeklagte behauptet von Rockern erpresst worden zu sein. Die Vertreterin der Anklage stuft diese Ausrede als "Legende" ein.

Lüdenscheid - Eine 35-Jährige Fahrlehrerin betrog ihre Lebensgefährtin. Nun trägt sie Rechnung für ihre Taten.

Gewerbsmäßiger Betrug in 47 Fällen, 47 Mal Computerbetrug und darunter 45 Fälle von Fälschung beweiserheblicher Daten – dafür hat das Erweiterte Schöffengericht eine 35 Jahre alte Fahrlehrerin jetzt zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt. 

Das ist die Quittung dafür, dass die Frau die Ersparnisse ihrer ehemaligen Lebensgefährtin systematisch geplündert hat. Die Angeklagte hatte die Taten gestanden. 

Die auffällig tätowierte Frau verbüßt gerade wegen weiterer Betrügereien eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Mit der aktuellen Entscheidung der Richter wird sie insgesamt sechs Jahre hinter Gittern verbringen. 

Ihr Gesundheitszustand sei schlecht, sagt ihr Verteidiger Philipp Muffert. Seine Mandantin ist auf Krücken in den Gerichtssaal gehumpelt. Muffert zeigt auf die Gehstützen und fragt den Vorsitzenden Richter Andreas Lyra: „Was machen wir zum Thema Haftunterbrechung?“ Der Richter gibt sich unnachgiebig einsilbig: „Nichts!“ 

Die Staatsanwältin attestiert der Angeklagten eine „erhebliche kriminelle Energie“. Nicht, ob sie die Taten begangen hat, sondern die Frage nach dem Warum hatte den Prozess geprägt. Die Behauptungen der wegen rund 50 Betrugstaten sechsfach vorbestraften Frau, sie sei von Rockern erpresst worden und habe das ergaunerte Geld „nur durchgeleitet“, stuft die Vertreterin der Anklage als „Legende“ ein. „Sie hat viele und variierende Geschichten geliefert – keine einzige davon ist nachzuvollziehen.“ Der Antrag der Staatsanwältin ist deutlich: Vier Jahre. Für ein noch höheres Strafmaß reicht die Strafgewalt des Amtsgerichts nicht aus. 

Die betrogene Ex-Partnerin der Fahrlehrerin – eine 35-jährige Krankenschwester, die an die große Liebe geglaubt hatte – hört sich das Plädoyer von Verteidiger Muffert zeitweise kopfschüttelnd an. „Insgesamt sechs Jahre für kleine Betrügereien“, so der Rechtsanwalt, „das ist nicht richtig, das kann nicht sein“. 

Die Kriminalität seiner Mandantin bewege sich „am untersten Rand“. Die Aussagen über die Hintergründe, die Erfahrungen mit den Rockern – „keine der Angaben konnte widerlegt werden“. Und über den behandlungsbedürftigen Fuß der Frau: „Sie leidet.“ Und sie werde das Gefängnis „als Krüppel verlassen“. 

Philipp Muffert: „Zwei Jahre und sechs Monate, mehr darf es nicht geben!“ 

Das sah das Gericht völlig anders. Zwar müssten sich das Geständnis, die Haftsituation und die gesundheitlichen Probleme strafmildernd auswirken, so Richter Lyra. Aber „massiv einschlägige Vorstrafen“ – auch das Vertrauen der vorherigen Partnerin hatte die Angeklagte notorisch missbraucht – sowie die Taktik der 35-Jährigen, „nur vorsichtig und stückweise“ etwas preiszugeben statt umfassend auszusagen, all das wirke sich negativ auf das Strafmaß aus. „Unsere Ermittlungen haben zu keinem Ergebnis geführt.“

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