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Layla-Debatte: Warum ein DJ aus dem MK den Hit natürlich spielt

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Von: Leon Malte Cilsik

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Als DJ richtet sich Andre Noglik stets nach den Wünschen des Publikums – doch zieht auch er Grenzen.
Als DJ richtet sich Andre Noglik stets nach den Wünschen des Publikums – doch zieht auch er Grenzen. © Jakob Salzmann

Nach zwei Jahren ohne größere Feiern ist Andre Noglik alias DJ License aktuell gefragt wie selten. Auch wir haben ihn angefragt - allerdings um mit ihm über die Sexismus-Debatte rund um den Partyschlager Layla zu sprechen.

Lüdenscheid – Andre Noglik ist vielen wohl besser bekannt als „DJ License“. Denn seit über 28 Jahren arbeitet er unter diesem Namen in der lokalen Club- und Partyszene. „Musik ist mein Hobby und ich habe das Privileg, dafür bezahlt zu werden“, sagt er im LN-Gespräch. Neben langjähriger Arbeit im Lüdenscheider Nachtclub B6 und dem Living in Iserlohn zählen auch Auftritte in ganz Deutschland zu seiner „Discographie“ – als persönliches Highlight bezeichnet er einen Auftritt im Riu Palace auf Mallorca 2008.

Nach zwei Coronajahren mit „vielen Planungen, aber noch mehr Absagen“, ist Noglik aktuell gefragt wie selten. „Seit März klingelt mein Handy pausenlos, bis Oktober bin ich völlig ausgebucht.“ Auch die LN haben ihn angefragt – allerdings um mit ihm über den Partyschlager Layla der deutschen Künstler DJ Robin und Schürze zu sprechen. Der Song hält sich seit Wochen auf Platz eins der deutschen Singlecharts – hat aber mit Ausdrücken wie „Puffmama“ und „schöner, jünger, geiler“ eine bundesweite Sexismus-Debatte ausgelöst.

Andre Noglik hat über 28 Jahre Erfahrung als DJ. Die aktuelle Debatte über den Partyschlager Layla findet er überzogen.
Andre Noglik hat über 28 Jahre Erfahrung als DJ. Die aktuelle Debatte über den Partyschlager Layla findet er überzogen. © Malte Cilsik

Herr Noglik, spielen Sie Layla bei Ihren Auftritten?

Natürlich, es gibt aktuell keinen anderen Hit, der die Leute mehr begeistert. Und was wäre ein Volksfest, wenn das Publikum nicht das bekommt, was es sich wünscht? Ich finde wir sollten uns freuen, dass deutschen Künstlern mal wieder ein internationaler Erfolg gelungen ist – Layla wird aktuell in verschiedenen Sprachen auf Festivals überall auf der Welt gespielt.

Wie beurteilen Sie den Skandal, der um den Song entstanden ist?

Um ehrlich zu sein, finde ich es ziemlich scheinheilig. Es gibt genug andere Lieder, zum Beispiel im Deutschrap, über die meiner Meinung nach viel eher diskutiert werden sollte als über Layla. Dagegen ist dieser Text wirklich harmlos. Außerdem ist die Prostitution in Deutschland nun mal Realität – wenn wir den Text verbieten, verleugnen wir das ein Stück weit.

Kritik wird vor allem am sexistischen Text des Songs geübt – können Sie das nachvollziehen?

Nicht wirklich, wir haben genug andere Sorgen. In Ballermann-Hits geht es oft um Freizügigkeit. Sicherlich kann man das Thema eleganter Umschreiben wie in Joana von Roland Kaiser oder in Skandal im Sperrbezirk. Aber der Text ist bei dem Lied nicht das Entscheidende – es ist die Stimmung, die es transportiert. Und die lädt aktuell nun mal zum Feiern ein, wie es kaum ein anderer Song kann. Niemand möchte das Lied auf einer Party hören und hat dabei sexistische Hintergedanken. Man möchte einfach eine gute Zeit haben.

Was halten Sie davon, dass ein DJ auf der Düsseldorfer Rheinkirmes nach dem Verbot von Layla die Instrumentalversion des Songs spielte?

Ich habe Videos davon gesehen und fand die Idee richtig gut. Denn den Text kennt sowieso jeder, selbst kleine Kinder – den braucht es für einen guten Abend überhaupt nicht.

Kinder sind ein gutes Stichwort. DJ Robin und Schürze haben für den Herbst eine Kinderversion angekündigt. Der Refrain soll dann „Ich hab nen Wuff und die Hundemama, die heißt Layla“ lauten. Finden Sie, dass die beiden damit den Bogen überspannen?

Generell glaube ich nicht, dass der Skandal den Künstlern schadet – im Gegenteil. Auf jeder Bühne möchte das Publikum aktuell den Song und auch die Künstler selbst sehen. Aus Marketingsicht ist es einfach clever, die Welle weiter zu reiten. Denn so groß der Erfolg mit Layla auch ist, umso schwerer wird es, zukünftig daran anzuknüpfen.

Aus Ihrer persönlichen Erfahrung als DJ heraus: Kann man ablehnen, wenn das gesamte Publikum einen Song fordert?

Zum Glück war ich noch nie in einer Situation, in der ich dazu gezwungen war. Denn das stelle ich mir wirklich schwierig vor – und es entspricht auch nicht meiner Intention als DJ. Ich mache meine Veranstaltungen für das Publikum und komme auch nicht mit vorgefertigten Playlists auf die Events. Daher kann und sollte ich auch auf Wünsche eingehen. Es ist etwas anderes, wenn beispielsweise die Musikrichtung klar vorgegeben ist. Bei einem Jazzabend würde wohl niemand Layla spielen. Auf einer Party aber das Party-Lied schlechthin zu verbieten, halte ich für fragwürdig.

Erinnern Sie sich an andere Lieder, die jemals für solche Aufregung gesorgt haben?

Ab und zu sorgen Liedtexte natürlich für Gesprächsstoff. Ich erinnere mich an Diskussionen um ‘Beate die Harte’ von Lorenz Büffel oder ‘Olivia’ von den Zipfelbuben. Aber dass sich diese bis zu Verboten hochschaukeln, habe ich noch nicht erlebt – von Texten mit politischer Botschaft einmal abgesehen.

Da Sie politische Botschaften ansprechen: Gibt es denn Lieder, die Sie selbst nicht spielen?

Eben genau diese. Intoleranz hat auf einer gelungenen Partynacht keinen Platz. Davon abgesehen spiele ich aus persönlichen Gründen keine Songs von Böhse Onkelz. Die werden aber eigentlich auch nie gefordert, sodass ich da selten in Verlegenheit gerate. Ansonsten bin ich sehr offen bei der Songauswahl, die treffe ich immer situationsabhängig. Selbst direkt vor dem Auftritt kann ich nicht genau sagen, was ich heute alles spielen werde.

Das „System Layla“ im Märkischen Kreis

Laut dem Prostituiertenschutzgesetz von 2017 müssen sich alle im Bereich der sexuellen Dienstleistungen tätigen Personen beim Märkischen Kreis anmelden und gesundheitlich beraten lassen; wer ein Prostitutionsgewerbe betreibt, benötigt dazu eine Erlaubnis. Daher gibt es auch offizielle Zahlen zu den Entwicklungen in der Branche: Laut Kreis-Pressesprecher Alexander Bange sei die Anzahl der Prostitutionsgewerbe im Märkischen Kreis seit der Covid-19-Pandemie leicht rückläufig. „Derzeit sind elf Prostitutionsstätten im Märkischen Kreis bekannt, Prostitutionsfahrzeuge hingegen keines“, sagt Bange. Er weist in diesem Kontext darauf hin, dass Wohnungsprostitution vom Prostituiertenschutzgesetz nur bedingt erfasst wird – eine Frau alleine in ihrer Wohnung gelte nicht als Gewerbe. Dennoch benötigen auch diese Personen eine bundesweit gültige Bescheinigung, welche für zwei Jahre ausgestellt wird (ab 21 Jahre, ab 18 Jahre gilt sie nur 1 Jahr). Laut IT.NRW zeichnet sich in diesem Bereich eine gegenläufige Tendenz ab: 35 Prostituierte seien im Dezember 2021 im Märkischen Kreis tätig gewesen. Dies entspricht einer Steigerung um 12,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als sich die Zahl noch auf 31 belief. Bei 28 von ihnen liegen Daten zum Alter vor, sie alle befanden sich im Bereich zwischen 21 und 45 Jahren. 30 von ihnen besaßen eine nicht-deutsche Staatsangehörigkeit. „Die Zahl der Prostituierten im Märkischen Kreis kann durch die bundesweite Bescheinigung jedoch ständig wechseln“, betont Bange. Bezogen auf ganz NRW hatten, ausländische Prostituierte am häufigsten die rumänische (39,8 Prozent), bulgarische (12,9 Prozent), polnische (5,0 Prozent) und spanische (3,1 Prozent) Staatsangehörigkeit. Differenziert werden von legaler Prostitution muss die Zwangsprostitution unter Einsatz von Gewalt und psychischem Druck Dritter. Hilfe bietet in solchen Fällen beispielsweise die Frauenberatungsstelle MK: „Wir bieten prinzipiell allen Frauen, die von Gewalt betroffen sind, Beratung an“, sagt Sozialpädagogin Birgit Reckermann. An spezialisierten Beratungsstellen empfiehlt sie die Dortmunder Mitternachtsmission und die Diakonie Mark-Ruhr Hagen.

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