Zu laut: Lönneberga pausiert

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Die Bar Lönneberga an der Hochstraße bleibt erst einmal über den Sommer geschlossen.

Lüdenscheid - „Es gibt viele, die uns in letzter Zeit zu verstehen gegeben haben, dass sie Urlaub von uns brauchen“ – so steht es auf der Facebook-Seite der Bar Lönneberga an der Hochstraße. Deshalb haben die Geschäftsführer Steffen Schulte-Lippern und Fabian Kärnbach die Konsequenzen gezogen und den Laden erst einmal über den Sommer geschlossen.

Damit beugt man sich zunächst Beschwerden aus der Nachbarschaft, deren Konsequenzen das Ordnungsamt den Geschäftsführern deutlich vor Augen geführt hat. Im Endeffekt sei mit dem Entzug der Konzession gedroht worden, erzählt der Lüdenscheider. Der würde sich nun gerne mit dem oder den verärgerten Nachbarn an einen Tisch setzen, weiß aber eben nicht, wer es ist. Daher fühlt er sich auch von der Stadt etwas alleingelassen mit dem Problem. Bei allem Verständnis für lärmgeplagte Nachbarn findet er, der selbst mal an der Wilhelmstraße gewohnt hat, dass man sich mit einem höheren Lärmpegel in Alt- und Oberstadt als Anwohner einfach arrangieren müsse. Raum für originelle Konzepte, eine belebte Innenstadt mit Anziehungskraft auch für jüngere Leute, Ideen für leerstehende Ladenlokale, die die Stadt bereichern – für Schulte-Lippern sind solche Wünsche auf Dauer nur zu erfüllen, wenn alle Seiten kompromissbereit sind. Auch deshalb möchte er gerne mit den unzufriedenen Nachbarn ins Gespräch kommen.

Die Bar ist mittwochs bis sonntags von 19 bis 0 Uhr geöffnet; neun Aushilfen kümmern sich um die Gäste, die das Lönneberga gerne mal für Klassentreffen, kleine Geburtstagsfeiern oder zum Fernsehgucken nutzten. Natürlich, räumt er ein, habe man immer mal wieder Veranstaltungen mit mehr Betrieb. Und seit es das Nichtraucherschutzgesetz gebe, müssten Gäste eben zum Rauchen vor die Tür – für den Freizeit-Gastronomen ein Hauptgrund für den gestiegenen Lärmpegel.

Die Vorgabe des Ordnungsamtes sei nun, nur noch zwölf Veranstaltungen im Jahr, eine pro Monat, anzubieten. „Aber wir haben doch genug Kneipen, wo die Leute sich betrinken können“, findet Schulte-Lippern. Zum Lönneberga-Konzept gehöre es nun mal, mit vielfältigen Veranstaltungen ein buntes Programm anzubieten, „ein kultureller Treffpunkt unserer Generation“ zu sein. Und das Konzept werde gut angenommen, hat er festgestellt. Zur Überraschung der Betreiber liegt die Altersgruppe der Fans zwischen 25 und 35, ist also höher als erwartet.

Vor zweieinhalb Jahren eröffnet, werde die Bar seitdem von viel Idealismus getragen. Beide Geschäftsführer machen es im Nebenberuf, die Erträge reichten nicht, so Schulte-Lippern, um viel Geld in eine Dreifachverglasung zu investieren oder regelmäßig in Security-Kräfte.

Also steht man der Entwicklung im Moment etwas hilflos gegenüber und will die Sommerpause nutzen, um Lösungsmöglichkeiten auszuloten. Vermutlich im September werde wieder eröffnet, kündigt Schulte-Lippern an. Denn noch gibt man das Konzept nicht komplett auf, zumal auch Mietverträge erfüllt sein wollen. Er sagt aber auch: „Auf Dauer muss man sich überlegen, ob man so ein ,Spaßprojekt’ überhaupt noch will.“

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